Sport : Hertha sieht Rot

Die Berliner spielen 0:0 beim VfB Stuttgart und verlieren Artur Wichniarek durch Platzverweis

André Görke

Stuttgart. In der 82. Minute geriet das Spiel außer Kontrolle: Herthas Stürmer Artur Wichniarek lag an der Seitenlinie auf Höhe der Berliner Ersatzbank am Boden, er hatte einen Schlag vor die Brust bekommen. „Komm, steh auf!“ schrie Huub Stevens, „aber der konnte nicht aufstehen, der rang nach Luft“, sagte der Berliner Trainer später. Auch Schiedsrichter Uwe Kemmling hatte Wichniarek mehrmals zum Aufstehen aufgefordert und wendete sich ab. Dann fiel das Wort „Arschloch“ aus dem Munde des Polen. Wem es allerdings galt, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Kemmling fühlte sich angesprochen, Wichniareks Mitspieler Andreas Neuendorf sagte, er sei gemeint gewesen. Wichniarek sah die Rote Karte. „Was der Schiedsrichter heute gegen uns gepfiffen hat, das passt auf keine Kuhhaut mehr“, schimpfte Niko Kovac nach dem 0:0 im Daimler-Stadion.

Der Neuzugang vom FC Bayern hatte kurz zuvor noch seine ganz persönliche Rechnung begleichen wollen. Kurz nach Abpfiff, da krachten er und der Stuttgarter Fernando Meira ein letztes Mal aneinander. Kovac hatte in der 84. Minute den Ellenbogen Meiras auf die Nase bekommen, und deshalb schimpfte er nach dem Spiel, hob drohend den Finger, bis sich schließlich der Stuttgarter Stürmer Cacau einmischte, Kovac ins Gesicht griff und dann von einem anderen Berliner über den Rasen geschubst wurde. Der Streit nach Abpfiff war die passende Fortsetzung des gepflegten Chaos, das der VfB Stuttgart und Hertha BSC in den letzten zehn Spielminuten veranstaltet hatten und am Ende mit einem torlosen Unentschieden ausklingen ließen.

Zumindest die Arbeitseinstellung der Berliner stimmte an diesem Sonntag. Die Spieler traten wesentlich aggressiver auf als noch vor einer Woche, als Hertha im Olympiastadion 0:3 gegen Bremen verlor. „Ich kann der Mannschaft nur ein Kompliment machen“, sagte Stevens. „In der Defensive war unsere Leistung sehr gut, nur nach vorn hat es nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Stevens hatte sein Team gegenüber der Vorwoche umgestellt und einige Spieler auf die Bank rotieren lassen. Andreas Schmidt, Michael Hartmann und Thorben Marx blieben auf der Bank, Spielmacher Marcelinho war wegen eines Mittelfußbruchs gar nicht erst nach Stuttgart gereist. Für den Brasilianer rückte Andreas Neuendorf auf die Position im zentralen Mittelfeld, unterstützt über die linke Seite vom Belgier Bart Goor, der die erste Chance hatte. Stuttgarts Torhüter Timo Hildebrand konnte den Ball halten. Nur eine Minute später setzte sich Wichniarek auf der rechten Seite durch, passte auf Neuendorf, der den Ball wieder in den Lauf des Polen klatschen ließ. Doch Wichniareks Schuss war zu schwach, wieder hatte Hildebrand keine Mühe.

Vom munteren Angriffsspiel der Stuttgarter war nicht viel zu sehen. Die Abwehrkette der Berliner stand sicherer als noch vor einer Woche. Stevens ließ auf der rechten Seite Marko Rehmer spielen und, etwas offensiver, Arne Friedrich, der nach wochenlangen Bauchmuskelproblemen in Stuttgart sein Comeback gab. In der ersten Halbzeit waren die Stuttgarter nur einmal ernsthaft vor das Tor der Berliner gelangt. Nach einer Flanke von Horst Heldt schoss Zvonimir Soldo aus wenigen Metern scharf auf das Berliner Tor, Herthas Torwart Gabor Kiraly wehrte den Schuss mit dem Fuß ab.

Enttäuschend spielte bei den Berlinern neben Niko Kovac, der zwar vor 37 000 Zuschauern im Daimler-Stadion den Rasen umpflügte, aber dem im Aufbauspiel sehr viele Fehlpässe unterliefen, vor allem Fredi Bobic. Er sah wegen Meckerns die Gelbe Karte und wurde nach etwas mehr als einer Stunde ausgewechselt. Als Hertha nach dem Platzverweis von Wichniarek in Unterzahl spielte, kam Stuttgart noch einmal gefährlich vor das Berliner Tor, den Freistoß von Meira aber lenkte Kiraly über das Tor.

Hertha ist zwar nicht mehr Tabellenletzter, aber der einzige Bundesligist, dem noch kein Tor gelungen ist.

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