Sport : Hertha startet durch

Bei der Heimpremiere der neuen Saison erzielen die Berliner vier Tore gegen Hannover

Mathias Klappenbach

Berlin - Marko Pantelic hat sich geändert. Vor fünf Monaten hatte er sich noch den Zorn der Anhänger von Hertha BSC zugezogen, als er zur Fankurve lief und mit beiden Daumen stolz auf seine Rückennummer zeigte. Der Serbe hatte zwei Tore geschossen – aber Hertha verlor das Spiel 2:4 gegen den 1. FC Köln. Das Trikot hätte nach dem Spiel trotz der beiden Treffer von Pantelic kein Fan haben wollen, gestern hingegen war es ein begehrtes Erinnerungsstück an einen schönen Fußballnachmittag. Pantelic hatte wieder zwei Tore geschossen, und nach dem 4:0 (2:0) von Hertha BSC gegen Hannover 96 hielt der Stürmer sein Trikot fest an sich gedrückt, obwohl ihn die Fans dazu aufforderten, es zu ihnen über den Stadiongraben herüberzuwerfen. Nach mehr als einer Minute überwand sich Pantelic schließlich, sein Trikot einem Jungen zu schenken. Hinterher sagte er bescheiden, dass es zwar wichtig für ihn sei, Tore zu schießen, genauso wichtig sei es aber, Tore vorzubereiten und zum Erfolg der Mannschaft beizutragen.

Allzu schwierig war das gestern nach zwanzig Spielminuten nicht, als Pantelic einen Querpass von Ellery Cairo aus fünf Metern ins Tor beförderte. Gegenspieler waren nicht in der Nähe, weil der Schiedsrichterassistent die Fahne gehoben hatte und die Hannoveraner vergebens auf einen Pfiff von Schiedsrichter Drees warteten. Der starke Gilberto hatte zuvor Cairo bei einem schnellen Gegenangriff mit einem schönen Pass freigespielt. „Die Führung war verdient, weil wir vorher auch schon gute Konterchancen hatten“, sagte Herthas Trainer Falko Götz. Auch dem zweiten Tor nach einer halben Stunde ging ein schneller Angriff voraus, den wieder Gilberto einleitete. Beinahe wäre Christian Gimenez sein erstes Tor für die Berliner geglückt, doch sein Drehschuss klatschte an den Pfosten. Der Abpraller fiel Pal Dardai vor die Füße, der beim Nachschuss keine Probleme hatte, das 2:0 zu erzielen.

Die 37 166 Zuschauer im Olympiastadion sahen ein unterhaltsames Bundesligaspiel. „Einige, die heute nicht gekommen sind, werden das bereuen“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. „Wir haben so gespielt, wie wir es angekündigt haben: Mit Mut und Leidenschaft nach vorne.“ Die Berliner spielten druckvoller als die enttäuschenden Gäste und hatten mehr Spielanteile. Die beiden Tore in der ersten Halbzeit waren eine logische Konsequenz ihrer Überlegenheit, auf die Hannovers Trainer Peter Neururer noch vor der Halbzeit mit der Einwechslung des dritten Stürmers Thomas Brdaric reagierte.

Doch schon fünf Minuten nach der Halbzeit war das Spiel entschieden, weil Michael Tarnat das Spielfeld verlassen musste. Schiedsrichter Drees hatte dem Abwehrspieler der Niedersachsen nach einem Foul an Cairo die Rote Karte gezeigt – eine überharte Entscheidung.

Damit war an diesem Nachmittag Hannovers Widerstand gebrochen. Hertha hatte leichtes Spiel. Eine flache Eingabe von Yildiray Bastürk drückte Pantelic nach gut einer Stunde lässig zum 3:0 über die Linie. Trainer Götz wechselte, er brachte für Cairo Nachwuchskicker Patrick Ebert, später kam auch der junge Srdjan Lakic zum Einsatz, der den zweifachen Torschützen Pantelic ersetzte. Vor allem von Ebert versprechen sich die Herthaner viel. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler erzielte dann auch sein erstes Bundesligator, als er einen Pass von Bastürk zum 4:0 ins Tor drosch.

Ebert lief jubelnd los und riss sich dabei sein Trikot vom Leib. Schiedsrichter Drees musste mit der Gelben Karte in der Hand eine ganze Weile warten, bis Ebert von seine ausgiebigen Feierlichkeiten zurückgekehrt war und er ihn regelgemäß verwarnen konnte. „Ich habe mich einfach sehr gefreut, davon habe ich immer geträumt“, sagte der in Herthas Nachwuchsakademie ausgebildete Ebert. „Mir war klar, dass ich dafür in die Mannschaftskasse zahlen muss.“ Falko Götz applaudierte seinem jungen Spieler und seiner Mannschaft am Spielfeldrand. Er hatte den Anhängern des Vereins vor dem Saisonstart frischen Offensivfußball versprochen. Was in den ersten fünf Pflichtspielen (drei Tore) nicht gehalten werden konnte, wurde gestern eingelöst. Großzügig blickten die Fans über einen Fehlschuss Bastürks hinweg. Der von Frank Fahrenhorst elfmeterreif gefoulte Spieler schoss seinen Strafstoß Hannovers Torwart Robert Enke an die Beine.

Die Fans feierten weiter, und Marko Pantelic stand mit nacktem Oberkörper in den Katakomben des Olympiastadions und wollte gar nicht mehr aufhören, vom Spiel zu schwärmen. Neben ihm stand Malik Fathi. Im Trikot von Patrick Ebert, das er sich vor allen Fans gesichert hatte.

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