Sport : Hertha stürmt auf Platz vier

Alves und Preetz schießen die Berliner zum 3:1-Sieg über Energie Cottbus

Michael Rosentritt

Berlin. Fünf Minuten vor dem Ende hat Alex Alves seinen großen Auftritt. Michael Preetz köpft Herthas brasilianischem Stürmer den Ball vor die Füße. Alex Alves fackelt nicht lange und drischt den Ball aus spitzem Winkel ins Cottbuser Tor zum vorentscheidenen 2:1. Anschließend sprintet er durch die eigenen Reihen, lässt sich von keinem seiner Mitspieler greifen, sondern stellt sich provokant vor die voll besetzte Haupttribüne und zeigt fast 45 000 Besuchern seinen Bauch. Den Bauch, an dem Herthas Trainer Huub Stevens noch zwei Tage zuvor ein bisschen zu viel Speck entdeckt haben wollte.

Alves’ provozierende Pose war Höhepunkt des Bundesligaspiels zwischen Hertha BSC und Energie Cottbus, das die Berliner 3:1 (0:1) gewannen. Hertha klettert nach dem dritten Sieg in Folge in der Tabelle hoch auf Rang vier, Cottbus bleibt hingegen bleibt Tabellenletzter und hat nach dieser Niederlage geringe Aussicht auf den Klassenerhalt. Cottbus’ Trainer Eduard Geyer sagt: „Vielleicht fehlt uns das Quäntchen Qualität, das man in der Bundesliga braucht. Für uns wird es jetzt ganz schwer.“

Dabei ließ es sich gar nicht so schlecht an für Energie. Nach einem unnötigen Ballverlust Marcelinhos hatte Robert Vagner die Cottbuser in Führung gebracht. Hertha dagegen wirkte eine Halbzeit lang gehemmt. Bewegungsarm, ideen- und mutlos präsentierte sich die Mannschaft von Huub Stevens. Die Zuschauer mussten den Eindruck gewinnen, dass die Berliner Profis auch gedanklich nicht auf Höhe des Geschehens waren. „In der ersten Halbzeit haben wir den Fans einiges zugemutet“, sagte später Michael Preetz. „Wir haben erschreckend schwach gespielt. Dafür habe ich eigentlich keine Erklärung. Wir waren praktisch nicht auf dem Platz.“ Da mochte niemand widersprechen, nicht einmal Huub Stevens. „Über unsere Leistung in der ersten Halbzeit kann ich nicht mal jetzt lachen, wo wir das Spiel doch noch klar gewonnen haben“, sagte Herthas Trainer.

Wie gut, das es im Fußball eine Halbzeitpause und in Berlin einen Alex Alves gibt. Trainer Stevens hatte ein paar deutliche und laute Worte an sein Personal gerichtet. „Kompliment, wie die Mannschaft reagiert hat, wie sie diesen wichtigen Sieg in der zweiten Halbzeit erzwungen hat“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Es war bezeichnend, dass ein Schuss von Herthas Mittelfeldspieler Pal Dardai abgefälscht (von Gregg Berhalter) werden musste, um im Cottbuser Tor zu landen. „Danach platzte der Knoten, und wir konnten das zeigen, was wir uns von Beginn an vorgenommen hatten“, sagte Hoeneß.

Das Signal zur Aufholjagd aber hatte Huub Stevens mit der Einwechslung von Alex Alves gegeben. Der divenhafte Stürmer war unter der Woche in die Schlagzeilen geraten, nachdem Stevens ihm Übergewicht attestiert und angedroht hatte, ihn nicht in den Kader für das Spiel gegen Cottbus zu nominieren.

Nun, es kam anders. Alex Alves kam für den schwachen Luizao ins Spiel und belebte es. Hertha erhöhte den Druck. Oft war es der defensive Spielmacher Stefan Beinlich, der mit klugen Pässen das Angriffsspiel initiierte. Kurz vor dem Pausenpfiff hatte er Pech bei einem direkten Freistoß. Sein Schuss krachte gegen die Latte.

Vor allem Alex Alves setzte sich in Szene. Zwar rutschte er mehrmals aus auf dem Rasen, doch in dem Moment, als es drauf ankam, stand er goldrichtig und nutzte seine Chance eiskalt aus. Anschließend posierte er in einer Mixtur aus Frust und Erleichterung aufreizend am Spielfeldrand. Für gewöhnlich zieht er sich aus Freude nach Torerfolgen das Trikot ganz aus. Dieses Mal aber legte er nur seinen Bauch frei. Er wollte allen zeigen, dass da kein Gramm Fett zu viel dran ist.

„Er hat sich geärgert über die Berichterstattung und gezeigt, dass er fit ist“, sagte Kapitän Preetz. Vermutlich hätte Herthas Mittelstürmer an diesem Abend noch viel mehr nette Worte gefunden über seinen Offensivpartner. Denn dieser Abend war für ihn selbst ein ganz besonderer. Das Tor zum 3:1 nach geschickter Vorarbeit von Arne Friedrich kurz vor dem Abpfiff war das 83., das Michael Preetz für Hertha BSC geschossen hat. Damit stellte der 35-Jährige in seinem 250. Bundesligaspiel den internen Uraltrekord von Erich Beer ein, der vor 24 Jahren sein letztes Tor für Hertha erzielt hatte. „Ich glaube, der Erich und ich sind ganz froh, dass die Sache jetzt vorbei ist“, sagte Preetz nach dem Spiel. „Seit Wochen interessierten sich die Leute nur noch für diesen Rekord. Jetzt konnte ich ihn einstellen, aber wichtiger waren heute einfach die drei Punkte gegen Cottbus.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar