Hertha - Stuttgart 2:1 : Die Emanzipation von Pantelic

Hertha BSC gewinnt auch ohne seinen suspendierten Stürmer 2:1 gegen Stuttgart. Für die Berliner schießt Kacar das Siegtor zum ersten Heimsieg der Saison.

Stefan Hermanns
Hertha BSC Berlin - VfB Stuttgart 2:1
So sehen Sieger aus. Torschütze Gojko Kacar mit Gesellschaft.Foto: dpa

Das Verhalten von Fußballtrainern ist manchmal recht leicht zu entschlüsseln. So wie gestern Nachmittag im Berliner Olympiastadion: Der Stuttgarter Armin Veh saß ganz entspannt auf seinem Sitz an der Seitenlinie, Herthas Trainer Lucien Favre hingegen nutzte jeden Zentimeter seiner Coachingzone, um seine Mannschaft immer wieder zu korrigieren. Für sein Ziel, aus Hertha ein funktionierendes Ensemble zu formen, muss Favre immer noch eine Menge Kleinarbeit leisten. Veh schien das nicht nötig zu haben. Erst nach einer halben Stunde erhob er sich zum ersten Mal von seinem Sitz – Maximilian Nicu hatte die Berliner mit seinem ersten Bundesligator gerade 1:0 in Führung gebracht. Kurz vor Schluss wurde es an der Berliner Bank noch einmal richtig turbulent. Favre sprang auf und feierte den Siegtreffer des eingewechselten Gojko Kacar mit einem ausgelassenen Jubellauf. Das 2:1 bescherte Hertha den ersten Heimsieg der Saison.

Es war nicht die einzige Serie, die am Samstag zu Ende ging. Endlich einmal schafften es die Berliner, sich von ihrem besten Stürmer Marko Pantelic zu emanzipieren. Zum ersten Mal hat Hertha ein Spiel ohne den Serben gewonnen. Pantelic verfolgte das Spiel von der Tribüne. Der Stürmer war von Favre suspendiert worden, weil er sich nicht ordnungsgemäß vom Training abgemeldet hatte.
Die Berliner fanden zunächst nur schwer ins Spiel, eine halbe Stunde lang passierte auf beiden Seiten so gut wie gar nichts, dann schickte Arne Friedrich einen flachen Pass aus der eigenen Hälfte durchs Mittelfeld, Stuttgarts rechtem Verteidiger Christian Trätsch war für einen Moment entgangen, dass seine Kollegen auf Abseits spielen, dadurch konnte Herthas Stürmer Raffael allein auf Jens Lehmann zulaufen, seinen Querpass musste Nicu nur noch über die Linie bringen.

Schon in Leverkusen, beim 1:0-Sieg vor zwei Wochen, hatte sich Hertha durch höchste Effizienz ausgezeichnet. Eine hundertprozentige Chancenverwertung gelang den Berlinern gegen Stuttgart allerdings nicht. Zehn Minuten nach seinem Führungstreffer vergab Nicu die Gelegenheit zum vielleicht entscheidenden 2:0. Torhüter Lehmann hatte er schon ausgespielt, weil der Winkel zum Tor jedoch zu spitz war, legte er den Ball zurück – genau zwischen den beiden Stürmern Woronin und Raffael hindurch in den toten Raum.

In der Defensive gerieten die Berliner lange gar nicht in Gefahr

Defensiv gerieten die Berliner vor der Pause überhaupt nicht in Gefahr. Stuttgarts gefährlichster Stürmer Mario Gomez hinterließ zunächst einen äußerst trägen Eindruck, und auch das Mittelfeld des VfB schaffte es nicht, dem eigenen Spiel den richtigen Drive zu geben. Zum ersten Mal wurde es zu Beginn der zweiten Halbzeit gefährlich. Nach einer Ecke fiel der Ball Cacau im Fünfmeterraum vor die Füße, sein Schuss ging über das Tor. Hertha versäumte es, diese erste Chance als Warnung zu verstehen.

Zwei Minuten später gab es die nächste Ecke für den VfB, Gomez verlängerte mit dem Kopf, und diesmal drückte Cacau den Ball zum 1:1 über die Linie.

Nach dem Ausgleich wurde Herthas Spiel etwas fordernder, die Berliner gingen entschlossener in die Zweikämpfe, eroberten sich viele Bälle, wussten damit aber nur selten etwas anzufangen. Beim finalen Pass mangelte es viel zu oft an der nötigen Genauigkeit. Auf der anderen Seite vergab Cacau die große Gelegenheit zum 2:1 für den VfB, als er den Ball nach Vorarbeit von Gomez über die Latte lenkte. Kurz darauf traf Gomez nur den Pfosten. Alles schien auf ein Unentschieden hinauszulaufen. Veh holte Gomez vom Feld. Der Stuttgarter Stürmer hatte noch nicht einmal auf der Ersatzbank Platz genommen, da erzielte Kacar den Siegtreffer. Auf der Tribüne klatschte Marko Pantelic.

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