Sport : Hertha tanzt Standard

Dank fünf Toren in der zweiten Hälfte gewinnen die Berliner 5:1 in Regensburg.

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Hertha kann auch Lateinamerikanisch. Adrian Ramos setzte seine Kopfballqualitäten in Regensburg gewinnbringend ein und erzielte für Hertha den Führungstreffer. Foto: City-Press
Hertha kann auch Lateinamerikanisch. Adrian Ramos setzte seine Kopfballqualitäten in Regensburg gewinnbringend ein und erzielte...Foto: City-Press GbR

Regensburg - Den besten Blick hatten die Regensburger, die im Hochhaus hinter der winzigen Gegengerade wohnen und Fahnen aus den Fenstern gehängt hatten: Sie sahen alles, das Jahnstadion, die hölzerne Haupttribüne mit Fachwerkelementen und die mannshohen Senfgläser des Hauptsponsors. Sie sahen aber auch, wie Hertha BSC 5:1 (0:0) bei Jahn Regensburg gewann, es war der fünfte Berliner Auswärtssieg hintereinander. Den hatten die Berliner wieder einmal ihrer Stärke bei Standards zu verdanken, aus denen Ramos, Ronny und Wagner trafen. Ronny legte noch ein zweites Tor drauf – seinen nun elf Saisontoren hat Hertha genauso viel zu verdanken wie den Standards. Den Schlusspunkt setzte Marvin Knoll. Spielerisch lag aber vor allem in der ersten Hälfte einiges im Argen.

„Aller Anfang ist schwer“, sagte Trainer Jos Luhukay über das erste Spiel nach der Winterpause. „Wir waren verkrampft und hatten keinen Rhythmus, es war nicht abzusehen, dass wir in der zweiten Halbzeit so explodieren, da war fast jeder Schuss ein Tor.“ Grund für die Leistungssteigerung war eine klare Ansprache Luhukays in der Kabine. „Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Fußball gespielt, der Trainer hat uns aufgeweckt, danach wurde es besser“, sagte Ronny. „Wir haben uns dafür geschämt, was wir in der ersten Halbzeit geboten haben, das haben wir Spieler uns auch gesagt“, berichtete Marcel Ndjeng.

Das Spiel vor 10 212 Zuschauern war so rau wie ereignislos in der ersten halben Stunde, hölzern wie die Tribüne. Die Jahn-Abwehr stand tief hinten, Herthas Sturm stand weit vorne, und der Spielaufbau stand still. Von der Dominanz im letzten Spieldrittel, die Luhukay gefordert hatte, war nichts zu sehen. Der Tabellenletzte störte aggressiv, spielte aber die Konter schlecht zu Ende. Dass Fabian Holland kurz vor der Pause die fünfte Gelbe Karte sah und damit im Derby gegen Union zusehen muss, ging fast als größtes Ereignis der ersten Hälfte durch.

Der zweite Durchgang begann unterhaltsamer, Francky Sembolo und Adrian Ramos vergaben im kurzen Takt gute Gelegenheiten. Wie so oft in dieser Saison half Hertha ein Standard: In der 52. Minute schlug Ronny eine Ecke hoch in den Strafraum, Ramos langer Kopfball sank ins Tor hernieder, 1:0. Drei Minuten darauf sank auch Peer Kluge hernieder, im Strafraum nach einem Kontakt mit Ex-Nationalspieler Christian Rahn. Den Elfmeterpfiff feierte Kluge mit geballter Faust. Ronny verwandelte zum 2:0, die Tribüne rief „Schieber!“

Nach einer Stunde rundete Hubnik, der überraschend für den verletzten Kapitän Peter Niemeyer im defensiven Mittelfeld auflief, seinen eher unglücklichen Auftritt ab, als er mit einer Grätsche nicht nur einen Regensburger, sondern auch Nebenmann Kluge erwischte. Der humpelnde Ersatzkapitän musste ausgewechselt werden. „Sein Fuß ist etwas geschwollen, wir hoffen, es ist nichts Schlimmes“, sagte Luhukay.

Der Ausfall fiel nicht ins Gewicht, weil vorne immer noch Ronny die Freistöße schießt: In der 67. Minute nahm der eingewechselte Sandro Wagner die Vorlage an und köpfte das 3:0. Doch eine Viertelstunde vor Schluss traf plötzlich Regensburg: Bei einer Ecke wurde Thomas Kraft festgehalten und getreten, im Strafraum herrschte Verwirrung, die Dennis-Danso Weidlich zum 1:3 nutzte. Hertha blieb unbeeindruckt – und effizient. Ronny erzielte das 4:1, und dann schoss ein Regensburger auch noch Knoll an, der so zum 5:1 kam.

Großer Jubel herrschte aber nicht im Regensburger Schneeregen. „Wir sind froh, die erste Hürde überwunden zu haben, aber auch selbstkritisch“, sagte Luhukay, „wir müssen uns steigern für das Derby.“ Fabian Lustenberger nahm es nicht so schwer. „In ein paar Tagen redet niemand mehr darüber, wie wir gewonnen haben, sondern nur noch übers Derby.“ Dominik Bardow

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