Hertha und Marcel Ndjeng : Endlich ankommen in der Bundesliga

Hertha BSC will sich in der Bundesliga beweisen – Marcel Ndjeng nimmt schon den fünften Anlauf: "Ich habe jetzt nicht so viele Spiele gemacht in der Ersten Liga", gibt er zu.

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Mit vollem Einsatz auch in Liga eins: Herthas Marcel Ndjeng.
Mit vollem Einsatz auch in Liga eins: Herthas Marcel Ndjeng.Foto: dpa

Es ist eine spannende Frage: Ist Hertha BSC eine bundesligabewährte Mannschaft – oder ein Team, das sich in der Ersten Liga beweisen muss? Hertha hat im Schnitt den drittältesten Kader der Liga, aber auch Talente, die vor ihrem Debüt stehen. Seit zehn Jahren hatte laut „kicker“ kein Aufsteigerkader so viel Bundesligaerfahrung, 1554 Einsätze insgesamt. Aber die meisten Spieler wären wohl nicht mit in Liga zwei gegangen, wenn sie sich dauerhaft in Liga eins bewiesen hätten. Dass Hertha dort wieder mithalten kann, das will der Klub diese Saison zeigen.

Für Marcel Ndjeng ist Herthas Team bewährt. Er zählt einige Namen auf: Lustenberger, Kraft, Franz, Kobiaschwili, Ben-Hatira, Allagui. „Die haben in der Ersten Liga schon unter Beweis gestellt, dass sie da auch wirklich hingehören“, sagt er.

Ob er sich selbst dazu zählt? Ndjeng zögert. „Ich habe jetzt nicht so viele Spiele gemacht in der Ersten Liga“, sagt er, „aber ich habe schon ab und zu gezeigt, dass ich da spielen kann. Und vielleicht kommen noch ein paar Jahre dazu.“

Ndjeng hat 40 Erstliga- und 134 Zweitligaspiele bestritten. Kein anderer Spieler steht bei Hertha mehr für die Sehnsucht, endlich in der Bundesliga anzukommen. Mit mittlerweile 31 Jahren nimmt er beim fünften Verein Anlauf, um den Durchbruch ganz oben zu schaffen. Ein bisschen gehört er in die Zwischenkategorie, die früher Spieler wie Marius Ebbers oder Benjamin Auer besetzten: Für die Zweite Liga überqualifiziert, aber für die Bundesliga scheint es seltsamerweise nie zu reichen.

Ndjeng hat einen entspannten Umgang mit seiner Vita. Im Trainingslager in Österreich wirkte er im Gespräch nicht wie jemand, der verbissen die letzte Chance beschwört, er kann das Gewesene nüchtern analysieren. „Wenn du nicht im Alter zwischen 20 und 24 Jahren ein bis zwei Saisons in der Ersten Liga durchspielst, wirst du schnell Reservespieler oder wechselst zwischen Erster und Zweiter Liga.“

Bei Ndjeng war es der zweite Weg, ein wenig lief er stets der frühen Profierfahrung hinterher. Er spielte bis 23 in der Regionalliga, wechselte erst ein Jahr später in die Bundesliga, zu Arminia Bielefeld. Nach nur zehn Einsätzen in der ersten Saison, mit 25 Jahren „ist dann nicht mehr die Zeit zu sagen: Ok, ich versuche noch zwei Jahre, mich hier durchzubeißen.“ Für ihn war es stets wichtig, zu spielen, sich weiterzuentwickeln. „Das Geschäft ist schnelllebig: Wenn du ein Jahr nicht spielst, kommst du vielleicht nirgendwo mehr unter. Da gehst du lieber einen Umweg und bleibst auf der Bildfläche.“

Ndjeng ging dreimal den Schritt zurück in die Zweite Liga, wo er jeweils mit Trainer Jos Luhukay zusammenarbeitete. In Mönchengladbach und Augsburg verlor er nach dem Aufstieg und Luhukays Abschied seinen Platz im Team. Das soll ihm in Berlin nicht passieren.

Zum Ligastart am Samstag könnte der Mittelfeldspieler als Rechtsverteidiger auflaufen, auch wenn er dort im Pokal in Neumünster an zwei Gegentoren beteiligt war. Aber Ndjeng hat gelernt, sich nicht mit Negativem zu belasten. „Früher habe ich mir oft eine Platte gemacht“, sagt er. Warum spielt der Konkurrent, was machst du falsch? „Dabei geht es darum, im Training alles abzurufen, dann brauchst du dir keine Vorwürfe machen.“ Wenn alle Spieler das Team vor ihre Einzelschicksale stellen, glaubt er, kann Hertha sich in Liga eins beweisen.

Manche sagen, erst mit 100 Einsätzen sei man wirklich Bundesligaspieler. „Wenn ich diese Saison 20 Spiele mache, wir bleiben drin und ich mache wieder 20, komme ich auf 80 – ist doch auch ok“, sagt er. Ohnehin will er nichts nachtrauern. „Rückblickend bin ich zufrieden. Vielleicht war einfach nicht mehr drin oder unter anderen Umständen doch. Da fängt man nur wieder an, sich negative Gedanken zu machen.“ Auf die Platte hat er keine Lust mehr.

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