Hertha und Union : Antonio Hurtado: "Wir sind keine Rivalen"

Antonio Hurtado spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über das Zweitligaduell mit Hertha BSC. Der gebürtige Spanier ist seit 2004 Aufsichtsratsvorsitzender beim 1. FC Union.

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In der Vorbereitung auf die Saison 2009/10 trafen sich Union und Hertha schon einmal zu einem Testspiel. In der neuen Spielzeit geht es dann in Liga zwei um Punkte.
In der Vorbereitung auf die Saison 2009/10 trafen sich Union und Hertha schon einmal zu einem Testspiel. In der neuen Spielzeit...Foto: dpa

Herr Hurtado, haben Sie Herthas Abstieg am Wochenende verfolgt?
Selbstverständlich. In der vergangenen Woche hatte ich noch ein Telefonat mit Herthas Präsident Werner Gegenbauer, in dem ich ihm alles Gute gewünscht habe. Es hat nichts geholfen, Hertha ist trotzdem abgestiegen. Schade, denn für die Stadt hätte ich mir gewünscht, dass sie auch künftig einen Bundesligisten hat.

So aber bekommen Sie eine Liga tiefer einen neuen Konkurrenten...
...ja, ja, es heißt immer, Union und Hertha seien Rivalen. Ich sage allerdings, Berlin ist groß genug für zwei Zweitligisten und wäre übrigens auch groß genug für zwei Bundesligisten. Hier wohnen schließlich mehr als drei Millionen Menschen.

Reizt es Sie gar nicht, Hertha zu überholen, wenn Sie schon in einer Liga zusammenspielen?
Das hat bisher keine Rolle gespielt und wird auch künftig keine Rolle spielen. Unions Entwicklung ist völlig unabhängig von anderen Vereinen – und damit auch von Hertha.

Ist das wirklich realistisch?
Natürlich. Wir streben einen fairen Umgang miteinander an, denn Hertha und Union sind zwei unterschiedliche Mannschaften mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Sehen Sie, Hertha wird sich bemühen, den sofortigen Wiederaufstieg herbeizuführen. Bei uns geht es dagegen darum, dass wir uns zunächst in der Zweiten Liga etablieren und vielleicht in einigen Jahren auch mal Richtung Erste Liga schauen.

Erst einmal steht jedoch ein Zweitliga-Derby an.
Das ist großartig. Wir haben uns immer gewünscht, gegen Hertha anzutreten. Schöner wäre es eine Liga höher, aber auch so dürfen sich die Berliner auf zwei wunderbare Begegnungen freuen.

Und wo finden die statt?
Ich bin mir sicher, dass die Herthaner ihr Heimspiel im Olympiastadion austragen werden (lacht).

So viel ist klar. Und der 1. FC Union?
Aus jetziger Sicht sehe ich keine Notwendigkeit, in ein anderes Stadion zu ziehen.

Die finanziellen Mehreinnahmen wären ein Grund.
In diesem Fall steht unsere Tradition über der Wirtschaftlichkeit. Bei Union wird man jetzt nicht größenwahnsinnig werden.

Das Gespräch führte Katrin Schulze.

Antonio Hurtado, 50, ist seit 2004 Aufsichtsratsvorsitzender beim 1. FC Union. Der gebürtige Spanier arbeitet als Professor für Wasserstoff- und Kernenergietechnik an der TU Dresden.

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