• Hertha, Union und mein Derby (5): Luhukay: "In Gladbach geht nichts über einen Sieg gegen Köln"

Hertha, Union und mein Derby (5) : Luhukay: "In Gladbach geht nichts über einen Sieg gegen Köln"

Derbys und ihre Geschichten: Herthas Trainer Jos Luhukay erinnert sich zurück an rheinische Duelle zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln.

Jos Luhukay
Derbyerfahren: Herthas Trainer Jos Luhukay arbeitete sowohl in Mönchengladbach als auch in Köln.
Derbyerfahren: Herthas Trainer Jos Luhukay arbeitete sowohl in Mönchengladbach als auch in Köln.Foto: dpa

Am Montagabend treffen Hertha BSC und der 1. FC Union im Berliner Fußball-Derby aufeinander. Im Tagesspiegel erinnern sich bis dahin jeden Tag Protagonisten beider Vereine an große Derbys ihrer Karriere. Heute: Herthas Trainer Jos Luhukay.

Wir waren klar überlegen, haben richtig stark gespielt und hätten längst höher als 1:0 führen müssen – aber dann ist eine Viertelstunde vor Schluss etwas passiert, worauf du als Trainer keinen Einfluss hast. Alles fing damit an, dass in der Kölner Kurve plötzlich eine Fahne unserer Ultras auftauchte, die ein paar Wochen zuvor geklaut worden war. Es kam zu Tumulten, von den Rängen flogen Gegenstände und Feuerwerkskörper auf den Platz. Wir sind alle Richtung Kurve gelaufen und haben versucht, unsere Fans zu beruhigen. Nach ein paar Minuten Unterbrechung ging es tatsächlich weiter, aber bei uns war plötzlich ein Bruch im Spiel. Wie aus dem Nichts wurde der FC stärker und kam in letzter Minute tatsächlich noch zum 1:1, zu allem Überfluss durch einen unberechtigten Elfmeter.

Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln – das rheinische Derby ist wirklich eine ernste Angelegenheit. Die Ursprünge liegen tief in der Vergangenheit. Die Rivalität wurde in den 70er Jahren geboren, als beide Vereine noch führend in der Bundesliga waren, selbst in Europa Erfolge feiern konnten und viele große Stars wie Günter Netzer oder Wolfgang Overath in ihren Reihen hatten. Aber selbst wenn die Klubs – wie im Frühjahr 2008 – in der Zweiten Liga aufeinander treffen, ist das immer noch ein Highlight. Ich habe das rheinische Derby ja von beiden Seiten miterlebt: Bevor ich Chefcoach in Gladbach wurde, war ich drei Jahre lang Co-Trainer in Köln. Man merkt, dass die Fans mit sehr viel Herz und Emotion bei der Sache sind. In der Woche vor dem Spiel wird man nach jedem Training auf das Derby angesprochen, von Tag zu Tag wächst die Spannung, das ist einfach prickelnd.

Als Trainer muss man versuchen, einen gesunden Mittelweg zu finden. Man darf sich nicht von den Emotionen mitreißen lassen und überdrehen. Andererseits appelliere ich immer an meine Spieler, in dieser Begegnung die absolute Bereitschaft zu zeigen und noch einen Schritt mehr zu machen. Ich versuche ihnen zu vermitteln, dass sie sich mit einem Derby-Sieg bei den Fans zusätzliche Anerkennung verschaffen können.

In Gladbach geht nichts über einen Sieg gegen den 1. FC Köln. Mir ist das als Cheftrainer leider nicht vergönnt gewesen. In der Zweiten Liga haben wir zweimal unentschieden gespielt – dafür sind wir am Ende der Saison aber als Meister aufgestiegen, während sich der FC gerade noch auf Platz drei gerettet hat. Bitter war nur das Derby in der Bundesliga. Wir haben zu Hause 1:2 verloren, durch ein Freistoßtor von Novakovic drei Minuten vor Schluss. Es war für uns im siebten Saisonspiel die sechste Niederlage. Nach dem Abpfiff wusste ich, dass es eng für mich werden wird. Am Tag darauf wurde ich entlassen. Das war wirklich nicht schön.

Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.

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