Sport : Hertha verjüngt sich – Kovac geht

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Bereits vor ein paar Wochen hat Niko Kovac geahnt, was kommen würde. Er gehe nicht davon aus, seine Karriere bei Hertha BSC beenden zu können. Inzwischen ist es offiziell: Hertha und Kovac trennen sich am Ende der Saison. Der 34-Jährige erhält keinen neuen Vertrag. „So ist das Geschäft halt“, sagte der kroatische Nationalspieler. Es tue ihm allerdings weh, „weil Berlin meine Heimat ist, hätte ich hier schon gerne aufgehört“.

Die Verjüngung des Kaders der Berliner wird damit fortgesetzt. Auf Kovac’ Position im defensiven Mittelfeld ist Hertha mit Kevin-Prince Boateng, Sofian Chahed und Pal Dardai gut besetzt. Chahed hatte Kovac zuletzt bereits verdrängt. „Die Korsettstangen, die die jüngeren Spieler brauchen, müssen praktisch gesetzt sein“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. Das war bei Kovac nicht mehr der Fall. Außerdem zählt der Kroate zu den Spitzenverdienern der Mannschaft. „Bei einem Gehalt in dieser Größenordnung muss ein Spieler Stammspieler sein“, sagt Hoeneß. Zu welchem Klub Kovac gehen wird, steht noch nicht fest. Er „will aber noch mindestens zwei Jahre auf hohem Niveau spielen“. Für die Weltmeisterschaft ist der Kroate in seiner Nationalmannschaft gesetzt und auch die Europameisterschaft in zwei Jahren will er noch mitmachen.

Durch die Trennung von Kovac ist eine Verlängerung des Vertrages mit Dick van Burik so gut wie sicher. Karel van Burik, der Vater und Berater des 32 Jahre alten Abwehrspielers, sagte gestern, dass in der kommenden Woche wahrscheinlich eine Entscheidung fallen werde. Er arbeite daran, „dass Dick in Berlin bleibt“. Laut Hoeneß sind nur noch Details zu klären. Über eine andere bedeutsame Personalie wird ebenfalls in diesen Tagen entschieden: Innenverteidiger Josip Simunic muss sich bis zum Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen am Dienstag entscheiden, ob er Herthas Angebot für eine Vertragsverlängerung annimmt. Sonst planen die Berliner ohne den 28-Jährigen.

Das Gesicht der Mannschaft wird sich in der nächsten Saison stark verändern – es wird deutlich jünger sein. Allein vier Spieler aus der Regionalliga-Mannschaft sollen zu den Profis hochgezogen werden: die 19-Jährigen Robert Müller, Patrick Ebert und Chinedu Ede sowie der 20 Jahre alte Amadeus Wallschläger. Sie werden versuchen, sich so durchzusetzen, wie es Kevin-Prince Boateng in dieser Saison gelungen ist. Boateng ist bei Trainer Falko Götz mittlerweile gesetzt. Er hat in 18 Bundesligaspielen zwei Tore erzielt. Ashkan Dejagah, Sejad Salihovic und Pascal Bieler konnten ihre Chance in der Profimannschaft dagegen noch nicht nutzen.

Die Verjüngung des Kaders wurde bereits vor Monaten angekündigt. Allerdings hat Hertha nicht immer ganz freiwillig so gezielt auf junge Talente gesetzt wie jetzt. Der Verein hat etwa 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten, hohe Ablösesummen wird der Klub in naher Zukunft nicht zahlen können. Den talentierten Nachwuchsspielern von Hertha kann das allerdings egal sein. Für sie steigen die Chancen, sich in der Bundesliga zu profilieren.

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