Sport : Hertha versteht die Welt nicht mehr

Nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung verlieren die Berliner erstmals in der Zweiten Liga

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Rot für Ramos. Der Stürmer musste nach einer angeblichen Tätlichkeit gehen.Foto: City-Press
Rot für Ramos. Der Stürmer musste nach einer angeblichen Tätlichkeit gehen.Foto: City-PressFoto: City-Press GmbH

Nach etwas mehr als einer Stunde hätte es der Fußballer Adrian Ramos am liebsten mit einer anderen Sportart versucht, mit einer Mischung aus Boxen und Ringen. Sein vermeintlicher Gegner hieß Christian Leicher, Schiedsrichter des Zweitligaspiels von Hertha BSC beim SC Paderborn. Der Stürmer der Berliner wollte dem Schiedsrichter an den Kragen, und nur das Eingreifen seiner Kollegen verhinderte noch Schlimmeres. Es war ja schon so schlimm genug. Leicher hatte Ramos die Rote Karte gezeigt, und zum Platzverweis gab es auch noch einen Elfmeter, den Markus Krösche zum 1:0 (0:0)-Endstand für die Paderborner verwandelte. Für die Berliner endete damit gestern Nachmittag eine beachtliche Serie: Im elften Ligaspiel kassierten sie ihrer erste Saisonniederlage.

Ihre Entstehung erregte Hertha noch weit nach dem Abpfiff. „Ich will dem Schiedsrichter nichts unterstellen“, sagte Peter Niemeyer. „Aber Adrian versteht die Welt nicht mehr. Selbst wenn man es ihm übersetzt, versteht er es nicht.“ Trainer Markus Babbel meinte in den letzten Wochen sogar die Tendenz festgestellt zu haben, dass im Zweifel gegen seine Mannschaft gepfiffen wird. „Das ist ein Stück weit frustrierend“, sagte er.

Es war eine verwirrende Situation und ihre Deutung durch den Schiedsrichter, an der sich der Ärger der Berliner entzündete. Herthas Torhüter Marco Sejna, der für Maikel Aerts im Tor stand, berichtete später von seinem Dialog mit dem Schiedsrichter. Auf die Frage, was los sei, antwortete Leicher: „Ihr habt Freistoß.“ Na wunderbar, dachte Sejna, „und zehn Sekunden später gibt es Rot und Elfmeter.“ Assistent Karl Valentin hatte im Zweikampf zwischen Ramos und Sören Gonther einen Ellenbogencheck des Berliners gesehen und seinen Chef entsprechend informiert. Der Paderborner blutete und musste mit einem Kopfverband weiterspielen. Sowohl der Elfmeter als auch der Platzverweis waren mehr als strittig, weil Ramos nur schwer Absicht nachzuweisen ist.

Unstrittig war jedoch, dass Hertha verdient verloren hatte. Schon zur Pause hätte Paderborn einen komfortablen Vorsprung herausschießen können. Sejna bewahrte seine Mannschaft bereits nach zwei Minuten vor einem Rückstand, als er einen Kopfball von Edmond Kapllani mit einer grandiosen Reaktion zur Ecke lenkte. Hertha tat sich schwer, ins Spiel zu finden. Viel zu schnell verloren die Berliner die Bälle, immer wieder versuchten sie es mit langen Bällen, was Ausdruck ihrer spielerischen Hilflosigkeit war.

„Wir haben durch unsere Fehler immer wieder Chancen zugelassen“, klagte Babbel, der sich nach 40 Minuten zu ersten Korrekturen genötigt sah. Herthas Trainer brachte Fanol Perdedaj für Waleri Domowtschiski, um das defensive Mittelfeld zu stärken. Und die Berliner begannen nach der Pause in der Tat kontrollierter. „Wir haben nichts mehr zugelassen und waren eigentlich gut im Spiel drin“, sagte Babbel. „Dann kam ein dubioser Pfiff.“

Kurioserweise wurde der Tabellenführer, angetrieben von den gut 2500 Berliner Fans unter den 12 261 Zuschauern, erst in Unterzahl richtig zwingend. Babbel brachte Pierre-Michel Lasogga für den wieder einmal bemitleidenswerten Rob Friend, und der 18-Jährige hatte gleich die große Chance zum 1:1. Sein Kopfball landete an der Unterkante der Latte und sprang von dort vor die Linie. So endete in Paderborn Herthas Traum von der ewigen Unbesiegbarkeit. „Das ist sehr schade“, sagte Peter Niemeyer. „Aber wir sind immer noch Erster.“

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