• "Hertha versteht es, mit Druck umzugehen." - Interview mit Jörg Berger, dem Trainer des heutigen Gegners

Sport : "Hertha versteht es, mit Druck umzugehen." - Interview mit Jörg Berger, dem Trainer des heutigen Gegners

Der "kicker" bezeichnet Sie in der aktuellen Ausga

JÖRG BERGER (55) ist seit April 1999 Trainer von Eintracht Frankfurt, dem heutigen Gegner von Hertha BSC in der Bundesliga. Mit ihm sprach Andreas Kötter. Foto: Sven Simon

Der "kicker" bezeichnet Sie in der aktuellen Ausgabe als "Feuerwehrmann, der häufig einen Wasserschaden hinterlässt . . ."

Da hat man wohl vergessen, dass ich Köln, Schalke und Frankfurt in den Uefa-Cup geführt habe. Das sind allesamt Klubs, in deren Umfeld stets Unruhe herrscht, Vereine, die in 30 Jahren Bundesliga die meisten Trainer entlassen haben. Und Karlsruhe ist lediglich wegen eines Tores abgestiegen. Ich muss mich aber auch nicht ständig rechtfertigen.

Also sind Sie das Image des Feuerwehrmannes leid?

Nein. Wenn eine Firma ganz kurz vor dem Bankrott steht und man holt jemanden, dem die Sanierung gelingt, dann ist das doch durchaus positiv. Ich kann mich auch nicht erinnern, irgendwo schlechte Arbeit geleistet zu haben.

Sind Sie über die Jahre immun geworden gegen den aufreibenden Abstiegskampf?

Nein, denn immun würde bedeuten, dass man abstumpft. Durch die Erfahrung, die mit den Jahren gekommen ist, bin ich aber sicherlich gelassener geworden und weiß auch solche Situationen, wie die augenblickliche in Frankfurt, einzuschätzen, ohne dabei die Ruhe zu verlieren.

Träumen Sie nicht davon, auch einmal ein Spitzenteam zu trainieren?

Ich bin kein Träumer. Ich habe das besagte Image und bin bekannt dafür, dass ich eine Mannschaft sehr schnell motivieren und in den Griff bekommen kann. Eine Eigenschaft also, die vor allem Teams nötig haben, die gegen den Abstieg kämpfen.

Treffen Sie Vorwürfe, nach denen Sie das Training häufig delegieren?

Tatsache ist, dass ich in der Sommerpause drei Wochen rund um die Uhr auf Spielersuche war. An meinem ersten Urlaubstag ist mir dann die Achillessehne gerissen. Selbst danach habe ich auf Krücken das Training geleitet, so dass viele meinten, ich würde meine Gesundheit riskieren.

Man bezeichnet die Eintracht als schlafenden Riesen. Ein Prädikat, das man noch vor kurzem auch Hertha BSC verliehen hat. Hertha aber ist aufgewacht . . .

Allerdings auch erst nach einigen Schwierigkeiten. Dennoch hat man sich nicht davon abhalten lassen, den Weg mit dem Trainer Röber auch in einer schwierigen Phase kontinuierlich weiter zu verfolgen. Heute zahlt sich das aus. Ähnliches zeigt sich auch in Hamburg mit Pagelsdorf oder bei 1860 mit Lorant, die beide in relativer Ruhe weiter arbeiten konnten, als es nicht so gut lief.

Was verbindet Hertha BSC mit Eintracht Frankfurt?

Beide Klubs haben ein riesiges Potential. Hier die Eintracht mit der Stadt Frankfurt, der Finanzhauptstadt Europas, dort die Hertha mit Berlin, der neuen Bundeshauptstadt im Rücken. Natürlich geht es in solchen Metropolen, schon wegen der Medienlandschaft, auch hektischer zu als etwa in Freiburg. Bei Hertha BSC hat man es verstanden, mit dem dadurch entstehenden Druck umzugehen, bei der Eintracht müsse wir das noch lernen.

Zum Spiel: Ist Herthas Doppelbelastung ein Vorteil für Ihre Mannschaft?

Alle Mannschaften, die dort oben spielen, haben eine stärkere Bank - als die Eintracht sie hat. Wie sich die Doppelbelastung auswirkt, hängt im übrigen davon ab, wie man in den zusätzlichen Spielen, etwa in der Champions League, abschneidet. Hertha jedenfalls hat sich dort sicherlich ein großes Plus an Sicherheit und Selbstvertrauen erarbeitet.

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