Hertha vor dem Spiel in Dortmund : Wir kennen uns doch

Bei Hertha BSC scheinen sich Mannschaft und Trainer Friedhelm Funkel aneinander gewöhnt zu haben. Der Einsatz von Gojko Kacar, der zuletzt im Sturm aushalf, gegen Dortmund am Freitag ist allerdings fraglich.

Stefan Hermanns
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Erfolgreiche Annäherung. Herthas Trainer Friedhelm Funkel sucht die Nähe zu Verteidiger Steve von Bergen. Inzwischen hat er sich...City-Press GmbH

Berlin - Die Zukunft hat nicht lange gedauert, wenn es blöd läuft für Hertha BSC, gerade mal fünf Tage. Am Sonntag, gegen den VfL Wolfsburg, hat Gojko Kacar für den Berliner Fußball-Bundesligisten eine Art Schattenstürmer gespielt, am Montag hat Herthas Trainer Friedhelm Funkel das Experiment für halbwegs gelungen erklärt, aber gleich hinzugefügt, dass er nicht wisse, ob das mit Kacar im Sturm „in Zukunft so bleibt“, und für den Freitag nun, wenn die Berliner bei Borussia Dortmund antreten, wird sich Funkel wohl schon wieder etwas Neues ausdenken müssen. Gojko Kacar ist verletzt, er leidet unter den Folgen eines Pferdekusses und hat auch am Mittwoch nicht mit der Mannschaft trainiert. Sein Einsatz gegen den BVB ist fraglich.

Das ist nicht nur deshalb ärgerlich für Hertha, weil das System mit Adrian Ramos als Stoßstürmer und Kacar etwas dahinter als Neuneinhalber beim 0:0 gegen Wolfsburg zumindest in Ansätzen funktioniert hat. Schon nach 40 Sekunden legte Ramos den Ball im Strafraum aussichtsreich auf Kacar zurück; kurz vor Ende des Spiels bediente der Kolumbianer den Serben dann erneut, diesmal mit einem Flankenwechsel, beide Male aber verfehlte Kacar das Ziel.

Ärgerlich wäre sein Ausfall auch deshalb, weil Friedhelm Funkel in seinem vierten Spiel bei Hertha mit dem 4-4-1-1-System so etwas wie eine stabile Formation gefunden zu haben schien. „Wenn ein neuer Trainer kommt, dauert es mindestens einen Monat, bis du seine Handschrift siehst“, sagt Mittelfeldspieler Pal Dardai, der seit 1997 bei Hertha spielt und in dieser Zeit neun Wechsel auf der Trainerposition erlebt hat. Auch Funkel musste sich nach seinem Amtsantritt erst einmal einen Überblick über seinen neuen Kader verschaffen, über die Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler, und dann ein System finden, das zu ihnen passt. Dass er einiges ausprobiert hat, ist vollkommen normal – das ist bei Louis van Gaal und den Bayern nicht anders. Über Fabian Lustenberger zum Beispiel, der in den letzten beiden Spielen zusammen mit Pal Dardai das defensive Mittelfeld besetzt hat, sagt Funkel: „Den kannte ich ja gar nicht.“ Der Schweizer hatte zehn Monate nicht gespielt, weil er sich zweimal den Mittelfuß gebrochen hat.

„Abgeschlossen ist der Gewöhnungsprozess noch nicht“, sagt Herthas neuer Trainer. „Wir sind immer noch in der Kennenlernphase, und die wird auch noch Wochen oder Monate dauern.“ Auch für die Spieler ist einiges neu: Die Trainingsinhalte haben sich verändert, die fußballerischen Vorstellungen des Trainers, auch dessen Ansprache. „Ich habe mir in den letzten Tagen einen ausreichenden Überblick verschafft, auch durch die Spiele“, sagt Funkel. „Ich kann jetzt ganz gut einschätzen, was die Spieler können.“ Dass dieser Prozess nicht schneller abgeschlossen war, lag auch daran, dass die Bundesliga nach Funkels erstem Einsatz für Hertha eine zehntägige Länderspielpause eingelegt hat und er nur mit einem Rumpfkader trainieren konnte. Jetzt hatte er die komplette Mannschaft für 14 Tage zusammen. „Das ist für einen Trainer sehr wichtig“, sagt Funkel.

Auch die Spieler haben sich inzwischen ein deutlicheres Bild von ihrem neuen Vorgesetzten machen können. Auf dem Trainingsplatz ist Funkel lauter als sein Vorgänger Lucien Favre. Offensichtlich trifft er den richtigen Ton. „Wie der Trainer mit der Mannschaft redet – das kommt gut bei uns an“, sagt Dardai. „Und er trifft konsequente Entscheidungen.“ Spätestens am vergangenen Wochenende hat sich Funkel als Mann mit Prinzipien positioniert. Den formschwächelnden Cicero strich er für das Spiel gegen Wolfsburg aus dem Kader, statt vor knapp 40 000 Zuschauern im Olympiastadion aufzulaufen, musste er alleine mit seinem brasilianischen Landsmann Cesar auf den Trainingsplatz. „Zu zweit zu trainieren ist immer frustrierend, aber er hat sich nicht hängen lassen“, sagt Funkel über Cicero, der in der vorigen Saison als Leistungsträger unumstritten war. Die Botschaft ist also angekommen. Ob sie Cicero etwas nützt, ist trotzdem fraglich. Der Brasilianer hat sich am Sprunggelenk verletzt und seit Montag nicht mehr trainiert.

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