Hertha - Wolfsburg : Die neue Hertha ist besser

"Es geht voran bei uns": Zwei Wochen nach dem Erfolg gegen Meister VfB Stuttgart überzeugte Hertha auch im zweiten Heimspiel der Saison gegen Wolfsburg.

Claus Vetter
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Rein damit! Mit einem harten Direktschuss erzielt Solomon Okoronkwo Herhas Siegtor zum 2:1. -Foto: Fishing24

Berlin - Die Deutsche Bahn war Schuld. Jedenfalls sah es Felix Magath so, als er gestern nach Gründen der 1:2-Niederlage seiner Mannschaft bei Hertha BSC suchte. Der Trainer des VfL Wolfsburg sagte ganz im ernst: „Die Spielanalyse fängt bei der Anreise an. Ich muss Hertha zum Hauptsponsor gratulieren, der hat uns drei Stunden hin- und hergefahren.“ Dabei hatte Magath doch dem Fahrplan vertraut. Der verspricht auf der Strecke Wolfsburg–Berlin eine Reisezeit von einer Stunde. „Aber bei uns war sogar der leere Mannschaftsbus früher in Berlin“, sagte Magath. Mit geistiger Verspätung kamen die Wolfsburger dann auch in ein Spiel, in dem sie eine Halbzeit nur der von der Bahn gesponsorten Hertha hinterherliefen und kurz vor Spielschluss durch Solomon Okoronkwo das Berliner Siegtor kassieren mussten. Es war trotz Magaths Ausreden ein verdienter 2:1 (1:0)-Sieg der Berliner: Zwei Wochen nach dem 3:1-Erfolg gegen Meister VfB Stuttgart überzeugte Hertha auch im zweiten Heimspiel der Saison.

Die kurz-, mittel- und langfristigen Ziele bei Hertha sind nicht eben bescheiden. So sagte Manager Dieter Hoeneß gestern: „Diese Saison wollen wir einen einstelligen Tabellenplatz, nächstes Jahr einen Uefa- Cup-Platz und danach in die Champions League.“ Auf dem Weg zum ersten Etappenziel könnten die Berliner tatsächlich sein. Es sah gestern nach gutem Fußball aus, was die Mannschaft von Trainer Lucien Favre da auf den Rasen des mit 42 079 Zuschauern ordentlich gefüllten Olympiastadions zauberte. Das Spiel der Berliner war harmonisch, die Laufwege stimmten, und die Pässe kamen zumeist an. Von den Wolfsburgern war dagegen vor allem im ersten Durchgang sehr wenig zu sehen. Ihr auffälligster Akteur war zunächst Felix Magath, ihn hielt schon früh nichts mehr auf der Auswechselbank. Er stand schimpfend und gestikulierend am Spielfeldrand. Als sich die interessanteste Szene der ersten Halbzeit ereignete, saß der Wolfsburger Trainer allerdings: Sofian Chahed leitete mit einem langen Pass auf den in den Strafraum eilenden Marko Pantelic den Berliner Führungstreffer ein. Der Serbe köpfte den Ball aus rund zehn Metern unhaltbar für Wolfsburgs Torwart Simon Jentzsch ins Tor.

Die Überlegenheit der ersten Halbzeit konnte Hertha nur phasenweise in die zweite transportieren. Das lag auch an den stärker werdenden Wolfsburgern. Nach einer Ecke von Marcelinho versuchte Pal Dardai per Kopf zu klären, der Ball landete aber bei Dejagah. Er überwand Torwart Jaroslav Drobny mit einem unhaltbaren Distanzschuss. Trainer Favre brachte danach den Schweden Tobias Grahn für den Brasilianer André Lima, der ein ordentliches Debüt gegeben hatte. Grahn belebte das Berliner Angriffsspiel. Ebenso wie der für Lucio gekommene Okoronkwo – dem dann ja mit einem Fernschuss kurz vor Schluss noch das 2:1 für Hertha gelang.

Somit rückte Hertha immerhin schon auf einen einstelligen Tabellenplatz, auf Rang neun vor, was aber nicht viel heißen will. Noch stehen 30 Spieltage aus, aber die Forderung von Manager Hoeneß könnte erfüllt werden – Herthas gestriges Spiel spricht nicht dagegen. So sah es auch Lucien Favre. „Wir haben Geduld bewiesen und Charakter gezeigt“, sagte der Schweizer. Verteidiger Malik Fathi fand sogar: „Es geht voran bei uns, keiner hat doch gedacht, dass wir jetzt schon sechs Punkte haben würden.“ Auf der anderen Seite haben wenige in Wolfsburg damit gerechnet, dass der ambitionierte VfL mit dem ehrgeizigen Trainer nach vier Spielen nur vier Punkte haben würde.

Aber einen Teil Verantwortung an der jüngsten Wolfsburger Niederlage trägt ja die Bahn. Oder doch nicht? Denn etwas kleinlaut musste Felix Magath dann doch zugeben, dass seine Spieler nie in Gefahr waren, das Spiel am Sonnabend zu verpassen. Sie waren nämlich schon am Freitag nach Berlin gereist und immerhin noch um 20 Uhr angekommen.

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