Hertha-Wolfsburg : Hertha schlägt Marcelinho

Zum Rückrundenstart besiegen die Berliner den neuen Spielmacher der Wolfsburger glücklich mit 2:1. Von Michael Rosentritt

Berlin - Der Weg zur richtigen Kurve war nicht weit, und die beiden kennen sich aus im Berliner Olympiastadion. Alexander Madlung war als Erster bei den Wolfsburger Fans, nachdem er den VfL 1:0 in Führung gebracht hatte, und kurz darauf jubelte auch Marcelinho mit den grün-weiß gekleideten Anhängern. Der Brasilianer hatte bei seiner Rückkehr nach Berlin und in die Bundesliga das Tor des anderen ehemaligen Herthaners Madlung nach 18 Minuten mit einem Freistoß vorbereitet und dabei Glück, dass Torhüter Kevin Stuhr-Ellegaard den eher harmlosen Schuss in seinem ersten Bundesligaspiel vor die Füße von Madlung fallenließ. Hertha zeigte sich nach dem Rückstand durch die beiden ehemaligen Kollegen geschockt, gewann trotz einer mäßigen Leistung aber 2:1 (1:1) und bleibt in dieser Saison weiter ohne Heimniederlage.

Zunächst sah es so aus, als ob Marcelinho da weitermachen wollte, wo er in Berlin vor einem halben Jahr aufgehört hatte. Er erschien mit einer bedenkenswerten Haarkreation, die an die brasilianische Nationalflagge erinnern sollte. Bereits beim Warmmachen trug der als kälteempfindlich bekannte Marcelinho aber nur kurze Hosen, und im Spiel zeigte sich der 31-Jährige von Beginn an äußerst agil und fleißig. Herthas ehemaliger Spielmacher war lauffreudig und als hängende Spitze hinter Wolfsburgs einzigem Stürmer Diego Klimowicz stets anspielbereit, sogar bei Rückpässen zu Wolfsburgs Torhüter Simon Jentzsch setzte er vehement nach. Schon in der ersten Halbzeit hatte er die meisten Ballkontakte, und neben einem schönen Hackentrick suchte er uneigennützig mit einfachen Bällen auch die besser postierten Mitspieler.

Gelungene Rückkehr für Marcelinho

Es war eine gelungene Rückkehr für Marcelinho. Nur der erhoffte Applaus der Berliner Fans für den besten Scorer der Bundesliga der vergangenen fünf Jahre blieb aus, schon vor dem Spiel und bei jedem Ballkontakt wurde Marcelinho ausgepfiffen. Zum Ende seiner Zeit in Berlin war er ja auch auf dem Platz als Hindernis empfunden worden; einer, der die anderen ihrer Möglichkeiten beraubt. Doch Hertha hatte vor allem im Mittelfeld gestern Probleme, ins Spiel zu kommen. Yildiray Bastürk fiel im Vergleich mit Marcelinho ab, und der Ausgleichstreffer für die Berliner durch Christian Giménez zehn Minuten nach dem Rückstand entstand eher zufällig. Der Argentinier kam am Elfmeterpunkt an einen blind gespielten Pass von Pal Dardai und musste nur noch einschieben.

Zuvor waren Giménez und Marko Pantelic in aussichtsreicher Position abgeblockt worden. Bis eine Minute vor der Pause gab es nur noch Aufregung, als die Herthaner einen Elfmeter forderten, nachdem Peter Van der Heyden der Ball an die Hand gesprungen war. Beinahe hätte Pantelic kurz vor dem Pausenpfiff Hertha in Führung gebracht, aber Jentzsch lenkte seinen Kopfball noch an die Latte. Im Gegenzug verfehlte Klimowicz das Tor der Berliner nur knapp.

Wolfsburg schien überlegen

In der zweiten Halbzeit war Wolfsburg vor den 40.272 Zuschauern die überlegene, weil aktivere Mannschaft. Hertha konnte Marcelinho nur durch Fouls stoppen. Für eines sah Dick van Burik seine fünfte Gelbe Karte in dieser Saison, er ist damit am Mittwoch bei Hannover 96 gesperrt. Kevin Stuhr-Ellegaard erhielt nun mehrfach Gelegenheit, seinen Fehler aus der ersten Halbzeit wiedergutzumachen, und der Vertreter des verletzten Christian Fiedler rettete mit zwei starken Paraden gegen Jacek Kryznowek und Miroslav Karhan.

Yildiray Bastürk versteckte sich weiter hinter seinem Gegenspieler Karhan, und die Berliner waren nur noch selten bei Kontern gefährlich. Zwanzig Minuten vor dem Ende wäre Giménez so beinahe das 2:1 geglückt, doch Jentzsch hielt glänzend. Als sich schon alle mit dem verschlafenen Rückrundenstart abgefunden zu haben schienen, unterlief Kevin Hofland fünf Minuten vor Schluss im Strafraum ein dummes Foul gegen Giménez. Pantelic verwandelte den Elfmeter, und Hertha gewann noch glücklich gegen Wolfsburg und Marcelinho. (TSP)

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