Sport : Herthaner im Strampelanzug

Philipp Köster

Fußballklubs können nicht früh genug damit anfangen, um den Nachwuchs zu buhlen. Schließlich bilden Kinder bereits im Alter von vier bis sechs Jahren erste Vereinspräferenzen heraus und werfen sich dem FC Bayern an den Hals, spätere Werbemaßnahmen anderer Klubs sind dann in der Regel wirkungslos. Hertha BSC ist also keinesfalls zu spät dran, wenn der Klub nun schon die Berliner Babys umgarnt. Künftig bekommt nämlich jedes Neugeborene im DRK-Klinikum Westend „als Geschenk einen Babybody (rosa oder blau) mit Hertha BSC-Logo“ vermacht. Auf dass der Säugling bereits auf den ersten Familienfotos ganz wie ein echter Herthaner ausschaut und gar nicht auf die Idee kommt, später mal den FC Bayern gut zu finden, bloß weil der immer Meister wird und Hertha nicht.

Pro Monat werden rund 100 Babys in der Klinik geboren; wenn auch nur ein Drittel davon sich später eine Dauerkarte kauft, kann sich Dieter Hoeneß jede andere Zuschauerwerbung sparen. Gelackmeiert sind allerdings all die Eltern, die mit ihren Kindern andere Pläne haben. Meine beiden Söhne sind auch im DRK- Klinikum im Westend geboren. Und für mich steht fest, dass ich die beiden irgendwann nach Bielefeld mitnehmen werde, wo sie schon begreifen werden, was Arminia für ein grandioser Klub ist. Bis dahin achte ich darauf, dass die Jungs nicht in Kontakt mit anderen Vereinen kommen.

Man stelle sich nun aber vor, ich hätte meinen Sohn in einem Hertha-Body in den Armen der Gattin vorgefunden. Wahrscheinlich hätte ich die Krankenschwester angeherrscht oder ungeschickt am Nachwuchs herumgefingert. Sicher hätte das Kind herumgeschrien und wäre am Ende aus purem Trotz weder Hertha- noch Arminia-Fan geworden. Sondern natürlich Anhänger des FC Bayern.

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