Herthas Brasilianer : Da waren’s nur noch zwei

Von den einst sieben Brasilianern im Kader von Hertha BSC spielen allein Cicero und Raffael.

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Cicero
Trauer auf brasilianisch. Cicero fehlen bei Hertha die Landsleute. -Foto: dpa

Was heißt eigentlich Medizinball auf Portugiesisch? Bola da medicina? Oder balão medicinal? Der Alltag hält viele schöne Überraschungen bereit für brasilianische Fußballkünstler fern der Heimat. Eine davon hat der Schalker Rafinha erlebt, wenn denn der unter Fans kolportierte Dialog zwischen ihm und seinem Trainer Felix Magath der Wirklichkeit entspricht. Magath: „Ihr rennt jetzt so oft um den See, bis ich abpfeife!“ Rafinha: „Wir?“ Magath: „Du und die beiden Medizinbälle!“

Auch Hertha BSC setzt seit kurzem auf Medizinbälle. Gut 20 hat Trainer Friedhelm Funkel im mallorquinischen Winterquartier aufgetrieben, sie werden intensiv genutzt und sind so ziemlich das Gegenteil von dem, was man mit brasilianischer Leichtigkeit verbindet. Aber es hat sich eben einiges geändert bei Hertha BSC. Cicero Santos, der Ästhet aus Espirito Santo, spricht neuerdings von der „Arbeit, die ich hier zu erledigen habe“ und dass es nicht auf den Spaß ankomme, sondern darauf, „dass wir im ersten Rückrundenspiel drei Punkte holen“.

Die neu entdeckte Liebe zur Arbeit folgt der Erkenntnis, dass sich im Abstiegskampf allein mit Eleganz schwer bestehen lässt. Es ist ohnehin still geworden in der brasilianischen Kolonie, die Hertha unterhält. Sieben Brasilianer stehen beim Bundesliga-Schlusslicht unter Vertrag, aber nur Cicero und Raffael gehören noch zum Kreis derer, die sich auf Mallorca mit Medizinbällen vergnügen dürfen. Beide standen gestern beim Test gegen die zweite Mannschaft von RCD Mallorca in der Anfangself, Raffael zeigte eine starke Partie und bereitete das zwischenzeitliche 1:1 durch Florian Kringe vor. Kurz nach der Pause traf Waleri Domowtschiski zum 2:1-Endstand für Hertha.

Raffaels und Ciceros Landsleute Cesar und Kaka hat Trainer Funkel mangels Perspektive gerade suspendiert. Der lange verletzte Lucio soll bis Saisonende Spielpraxis in Porto Alegre erhalten, der ebenfalls ausgeliehene Rodnei hat sich in Kaiserslautern zu einem der besten Innenverteidiger der Zweiten Liga entwickelt. Und die Dienste des sündhaft teuren André Lima mag Hertha nicht mehr in Anspruch nehmen, obwohl er noch bis 2011 bezahlt wird und nach dem Ende des Leihgeschäfts mit Botafogo tatenlos in Rio sitzt.

„Schade, dass die Jungs nicht mehr dazugehören. Wir stehen immer noch in Kontakt. Sie sind und bleiben unsere Freunde“, sagt Raffael. „Aber so ist das Geschäft: Heute bist du hier, morgen dort.“ Lucio und Rodnei werden im Sommer vielleicht nach Berlin zurückkehren, aber es spricht einiges dafür, dass sie Raffael und Cicero nicht wiedersehen. Raffael dürfte sich im Falle eines Abstieges kaum die Zweite Liga antun. Und auf den derzeit von Fluminense ausgeliehenen Cicero hat Hertha zwar eine Kaufoption, müsste dafür aber geschätzt drei Millionen Euro investieren. Geld, das der klamme Klub nicht hat – und das der schmächtige Brasilianer zuletzt kaum wert war.

Herthas vormaliger Trainer Lucien Favre war schwer verärgert, als der Mittelfeldspieler im Sommer in denkbar schlechter körperlicher Verfassung aus dem Urlaub zurückkam. „Ja, ich habe am Anfang nicht gut gespielt, die Kritik an mir war berechtigt“, sagt Cicero. „Aber in den letzten Spielen war ich wieder besser, und genau da werde ich weiterarbeiten.“ Funkel hat Cicero in der Mittefeldraute einen Platz auf dem linken Flügel zugedacht. Raffael soll als zentrale Gestalt die Stürmer Theofanis Gekas und Adrian Ramos einsetzen. Neue Konkurrenz von außen müssen beide Brasilianer nicht fürchten. Das Mittelfeld ist der einzige Mannschaftsteil, für den Funkel bei der winterlichen Runderneuerung seiner Mannschaft keine Verstärkung einforderte.

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