Herthas Drobny : Im Spiel halten

Der tschechische Torwart Jaroslav Drobny muss seinen Wert für Hertha BSC erst noch beweisen. 15 Gegentore in zehn Spielen belasten den Neuzugang. Gegen seinen alten VErein, den VfL Bochum, steht Drobny unter besonderer Beobachtung.

Michael Rosentritt
Hertha Drobny
In der Krise: Herthas tschechischer Torwart Drobny steht in der Kritik. -Foto: ddp

Berlin - Neulich hat Jaroslav Drobny noch eine kleine Extraschicht eingelegt. Der Torwart von Hertha BSC blieb nach dem Training noch ein Weilchen in seinem Gehäuse stehen und bat einige seiner Mitspieler, ihm ein paar Schüsse vom Elfmeterpunkt drauf zu geben. Die Spieler Tobias Grahn, Gilberto und Patrick Ebert kamen der Bitte nach, aber wirklich viel zu halten hatte Drobny nicht.

Vielleicht hätte er sich diese kleine Übung auch sparen können, denn was Jaroslav Drobny derzeit überhaupt nicht gebrauchen kann, sind negative Arbeitserlebnisse im Tor. Der Berliner Bundesligist ist seit vier Spielen sieglos (ein Unentschieden, drei Niederlagen). Und 15 Gegentore in zehn Ligaspielen fallen zwangsläufig auch irgendwie auf den Torwart zurück. Weshalb es in den vergangenen Tagen im Umfeld Herthas so etwas wie eine Torhüterdiskussion gab und Fragen aufgeworfen wurden wie: Ist Drobny noch der richtige? Oder: Wann bekommt Christian Fiedler seine Chance?

Wenn Hertha heute im Olympiastadion den VfL Bochum empfängt, steht Jaroslav Drobny unter ganz besonderer Beobachtung. Bis zum Sommer 2007 spielte er noch für den heutigen Gegner aus Bochum. „Das ist für mich Vergangenheit“, sagt der groß gewachsene Tscheche, der mit seinen Paraden neben Torjäger Theofanis Gekas (jetzt Leverkusen) der Schlüsselspieler des VfL Bochum für die überaus erfolgreiche Rückrunde war. Das hatte den Hünen für mehrere Bundesligisten interessant gemacht, zumal er in der Sommerpause ablösefrei zu haben war. Hertha machte schließlich das Rennen und sicherte sich die Dienste des fangsicheren Torwarts bis 2010. Die Führung der Berliner versprach sich recht viel von dieser Verpflichtung und nahm dafür sogar in Kauf, Stammtorhüter Christian Fiedler auf die Ersatzbank zu verbannen.

Herthas Trainer Lucien Favre nahm sich Zeit zur Bestimmung seiner Nummer eins. „Wir haben zwei starke Torhüter“, hatte damals der Schweizer im vorsaisonalen Trainingslager gesagt. Für Drobny sprach letztlich die bessere Strafraumbeherrschung gegenüber dem körperlich nicht so großen Fiedler. Tatsächlich vermochte Drobny zu Beginn der Saison schon allein durch seine Präsenz im Strafraum so etwas wie Sicherheit auszustrahlen. Aber womöglich lag es auch daran, dass die gesamte Elf stabiler und kompakter wirkte als in den vergangenen drei, vier Wochen. Man könnte auch sagen, Drobny hat sich den Leistungen seiner Vorderleute irgendwie angepasst. Der Notendurchschnitt des Fachblatts „kicker“ für den 28-jährigen Torwart liegt locker über dem der gesamten Herthamannschaft. Tatsächlich kann man dem 1,92 Meter großen Tschechen keine gravierenden Fehler nachsagen. Er hält die haltbaren Bälle, mehr auch nicht, sagen seine Kritiker. Bis auf das Pokalspiel im August in Unterhaching habe er den Berlinern noch nicht einen Sieg festgehalten. Damals hielt er einen Elfmeter und ebnete so das Weiterkommen. In der Liga aber habe er den Berlinern noch keine Punkte gewonnen, lautet der Vorwurf.

„So, eine Torwartdiskussion? Davon habe ich nichts mitbekommen“, sagt Enver Maric. Maric ist seit Jahren Torwarttrainer bei den Berlinern. Drobny seien die vielen Gegentoren nicht anzulasten, vielmehr weise „unser Spiel insgesamt zu viele individuelle Fehler auf“, sagt Maric: „Aber ja, auch Jaro muss besser werden“.

Für Cheftrainer Lucien Favre gab es eigentlich nie eine Frage, wer seine Nummer eins ist. „Ich spreche nicht öffentlich über die Torhüter. Ich habe mich am Anfang der Saison für Jaro entschieden, und das ist okay so“, sagt Lucien Favre jetzt.

Das ist auch wirklich nur wenig verwunderlich, denn auf dieser sensiblen Position können er und seine Mannschaft nicht noch eine weitere Baustelle gebrauchen. Diese Erkenntnis scheint sich mittlerweile auch im Umfeld durchgesetzt zu haben. Unter besonderer Beobachtung steht er trotzdem. „Das weiß ich“, sagt Drobny und lächelt etwas gequält. Wollen die Berliner in der Tabelle nicht ganz tief reinrutschen, müssen sie heute gegen den VfL Bochum gewinnen. Und dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob sie das mit oder wegen Jaroslav Drobny schaffen.

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