Herthas ehemaliger Torhüter : Gabor Kiraly: Zurück im großen Spiel

Seit seinem Abschied aus Berlin ist Kiraly viel rumgekommen, mit seinen Paraden im Pokalspiel hat er sich auf der großen Bühne zurückgemeldet - zu Herthas Leidwesen

Stefan Hermanns[München]

Am Ende des Abends machte Hertha BSC doch noch fette Beute: Enver Maric, der Torwarttrainer des Berliner Bundesligisten, hatte das Trikot von Gabor Kiraly ergattert; Pal Dardai durfte die Handschuhe des Münchner Torwarts mit nach Hause nehmen, und als die Berliner Fußballer längst geduscht im Bus saßen, lief Kiraly, der Torhüter des TSV 1860 München, immer noch in seiner durchnässten Schlabberhose durch den Kabinengang, um der Delegation aus Berlin ein zweites Paar Handschuhe zu übereignen. Kiraly-Devotionalien standen an diesem Abend hoch im Kurs.

„Er hat super gehalten“, sagte der Herthas Mittelfeldspieler Pal Dardai über seinen ungarischen Landsmann. „Aber wir haben ihn auch groß gemacht.“ Nicht nur in diesem Spiel der zweiten DFB-Pokal-Hauptrunde, in dem die Berliner sich etliche Chancen erarbeiteten. Doch Herthas Angreifer Adrian Ramos und Lukasz Piszczek ließen Kiraly immer wieder gut aussehen, weil es ihnen im Abschluss sowohl an Präzision als auch an Entschlossenheit fehlte. Im Elfmeterschießen dann wehrte der Ungar gleich den ersten Versuch von Gojko Kacar ab. „Wenn er gut drauf ist, ist er immer noch ein Phänomen“, sagte Dardai.

Nirgendwo wissen sie das besser als in Berlin, wo Kiraly als Torhüter groß geworden ist. Von 1997 bis 2004 hat er 198 Bundesligaspiele für den Klub bestritten, nur ganz am Anfang und im letzten halben Jahr war er nicht die Nummer eins. Doch seit seinem Abschied aus Berlin ist Kiraly viel rumgekommen. Er stand bei Chrystal Palace, West Ham, Aston Villa, Burnley und Bayer Leverkusen unter Vertrag. Gespielt hat er nicht überall, und erst am Mittwoch, mit dem Zweitrundenspiel im DFB-Pokal, hat sich Kiraly in der großen Öffentlichkeit zurückgemeldet. Natürlich sei es ein ganz besonderes Spiel gewesen, sagte er nach dem Erfolg gegen seinen ehemaligen Verein. „Es war ein komisches Gefühl. Gegen Pal Dardai habe ich das letzte Mal in der U 15 gespielt.“ Inzwischen sind beide 33, seit Jahren befreundet und zumindest in der Nationalmannschaft noch Kollegen.

Ob er ein bisschen Mitleid mit Hertha habe, wurde Gabor Kiraly am Ende seines großen Abends gefragt. Er überlegte, zögerte, lächelte – dann sagte er: „Lassen wir diese Frage.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar