• HERTHAS ERFOLG ÜBER DEN WENIG MEISTERLICHEN MEISTER: Hertha sorgt für verkehrte Fußballwelt

Sport : HERTHAS ERFOLG ÜBER DEN WENIG MEISTERLICHEN MEISTER:Hertha sorgt für verkehrte Fußballwelt

KLAUS ROCCA

Doch Trainer Jürgen Röber hat Sorgen / 53 250 Zuschauer im DurchschnittVON KLAUS ROCCA BERLIN.So mancher rieb sich die Augen.Wer war denn nun der Meister und wer der Aufsteiger, wer träumte noch vom Titel und wer hatte als erklärtes Ziel den Nicht-Abstieg auf seine Fahnen geheftet? Verkehrte Welt im Olympiastadion.Der Kleine wurde zum Großen, der vermeintliche Riese auf Normalmaß gestutzt.Am Ende gaben sie sich kleinlaut, die vom Renommierklub aus dem Bayerischen.Gar ungewohnte Töne vernahm man von ihnen.Hertha sei eben "klar besser gewesen" (Giovanni Trapattoni), den Titelgewinn "können wir uns schon fast abschminken (Thomas Helmer).Der Schock saß offensichtlich tief. Nicht, daß Hertha den Meister niedergerungen hätte, mit Brachialgewalt und der Brechstange.Nein, Berlins Edelkicker haben die Bayern ausgespielt, mit deren ureigenstem Mittel, dem spielerischen Vermögen."Und sie haben", bekannte Thomas Helmer, "auch die meisten Zweikämpfe gegen uns gewonnen." Weil die Herthaner frischer, ehrgeiziger und motivierter wirkten.Ohne daß man den Münchnern gleich wieder pomadiges Spiel unterstellen wollte.Mario Basler wollte, das spürte man in jeder Phase, aber er konnte nicht so, wie er wollte.Weil ihm Michel Dinzey oft auf die Füße trat, im übertragenen Sinne.Aber auch, weil seine Mitspieler bei allem Eifer irgendwie einfallslos zu Werke gingen.Keineswegs meisterlich.Wie sagte doch Oliver Kahn: "An Herthas Engagement hätten wir uns ein Beispiel nehmen sollen." Der Maestro erwartet nun eine "Erklärung von meinen Spielern".Die werden sie ihrem Trainer nur schwerlich geben können.Trapattoni muß sich nun als guter Psychologe erweisen.Sonst ist der Tanz auf drei Hochzeiten früher beendet, als ihm recht sein kann.Sonst werden wir die Münchner am 16.Mai an gleicher Stätte im Pokalfinale nicht wiedersehen, weil die Stuttgarter morgen im Halbfinale für den nächsten Bayern-Schock sorgen. Ausgerechnet jene beiden Spieler, die wochenlang auf der Ersatzbank schmorten und erst spät ihre Chance erhielten, hatten großen Anteil an Herthas erstem Sieg über die Bayern seit jenem 3:1 am 18.März 1978: Michael Preetz und Marc Arnold.Herthas Kleinster, der unermüdliche Mittelfeldrenner, avancierte zu einem der Größten, wurde gewissermaßen zum Spiegelbild des Hertha-Erfolges.Nicht nur sein Musterpaß zum ersten Tor war eine Augenweide."Wir sind unheimlich fit", gab er später einen der Gründe für die Leistungssteigerung an.Er ist es ganz besonders.Bei den Laktattests nimmt der in Johannesburg geborene Arnold gleich den Platz hinter dem Spitzenreiter Dinzey ein. Daß ausgerechnet die Abwehr, auf die bisher meist Verlaß war, nun Anlaß zur Sorge gibt, hätte sich Trainer Jürgen Röber auch nicht träumen lassen."Das ist schon beunruhigend", kommentiert er.Mit Libero Kjetil Rekdal, dessen Stellvertreter Steffen Karl und Hendrik Herzog muß Röber gleich auf drei wichtige Stammspieler verzichten.Nun heißt es improvisieren.Dick van Burik wird wohl auf die Libero-Position zurückkehren, Andreas Schmidt oder Michel Dinzey neben Eyjölfur Sverrisson verteidigen.Röber hat Zeit zum Überlegen.Nach der Bundesliga-Pause geht es erst am 1.März mit dem Heimspiel gegen Hansa Rostock weiter.Gegen die hatte es beim 0:4 den absoluten Tiefpunkt dieser nun so viel freudvolleren Saison geben. Freudvoller auch für die anfangs so geschockten Zuschauer.Von denen passierten in dieser Saison schon 639 000 die Tore am Olympiastadion.Das entspricht einem Heimspiel-Durchschnitt von 53 250.Setzt sich die Tendenz fort, gibt es einen Rekord.

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