Herthas goldener Oktober : Immer, wenn die Blätter fallen

Oft waren Mannschaften von Trainer Jos Luhukay im Herbst schwer zu besiegen. So auch Hertha BSC? Heute geht's zum Tabellenletzten nach Duisburg.

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Auf zu neuen Siegen. Hertha will im Herbst noch viele Punkte holen.
Auf zu neuen Siegen. Hertha will im Herbst noch viele Punkte holen.Foto: dpa

Es war Sommer in Berlin, aber Jos Luhukay sprach vom Herbst. Der Trainer von Hertha BSC stand Mitte Juli am Rande des Trainingsplatzes und hatte sich mal wieder in Fahrt geredet. Er redete und redete und redete, über seinen neuen Klub und seine alten, und irgendwann sagte er, ab Oktober werde seine Mannschaft unschlagbar sein. Der Niederländer merkte schnell, dass er sich da etwas weit aus dem Fenster gelehnt hatte – und relativierte: Schwer zu bezwingen werde man sein. Aber da war es schon in der Welt. Unschlagbar. Ab Oktober. Der 49-Jährige machte seine ersten Erfahrungen mit der Medienstadt Berlin. Bisher hat es wohl kein anderer Satz von Luhukay zu solcher Berühmtheit gebracht.

Am ersten Tag des neuen Monats hat Hertha beim MSV Duisburg (20.15 Uhr, live bei Sport1) nun die Gelegenheit zu zeigen, wie gülden dieser Monat werden kann. Und Luhukay wird wieder an seine sommerliche Äußerung erinnert. Er lächelt und schüttelt ungläubig den Kopf, wenn er darauf angesprochen wird. Dann sagt er: „Ich habe damals gesagt, dass ich hoffe, dass wir ab Oktober schwer zu schlagen sind“, betont er. So wie seine früheren Vereine: Nach einem sieglosen Zweitligastart in Mönchengladbach 2007 blieb er ab September 15 Spiele ungeschlagen. Mit Augsburg blieb er in der Aufstiegssaison ab Oktober elf Spiele ohne Niederlage. Der Mann kann Herbst. Aber es dauert eben auch, bis sich seine Arbeit durchsetzt. Er warb damals nach dem Start, der ihm durch viele Personalprobleme erschwert war, um Geduld. „Wenn daraus unschlagbar gemacht wird, dann habe ich kein Problem damit, falls es wirklich so wäre“, sagt er, „aber ich weiß auch, dass es mir um die Ohren gehauen wird, wenn wir verlieren, aber auch damit kann ich leben.“

Nun wird Luhukay derzeit recht wenig um die Ohren gehauen, denn seine Mannschaft ist überaus erfolgreich. „Wir haben ja schon einen hervorragenden Monat hinter uns“, sagt Luhukay. Drei Siege und ein Remis holte Hertha im September. Luhukay ist so gesehen seiner eigenen Zeitplanung voraus. Nach turbulentem Start steht die Abwehr mittlerweile trotz Ausfällen stabil. Und vorne ist phasenweise zu sehen, wie sich der Trainer Offensivfußball vorstellt: Die Spieler verteilen sich breit und tief über das Feld, laufen Abwehrreihen durcheinander, spielen direkte Pässe und attackieren früh Gegenspieler. Nicht immer, aber immer öfter. Auch zwischenmenschlich wächst offenbar vieles zusammen. „Wir entwickeln uns immer mehr zu einer Mannschaft, die vom Zusammenhalt lebt, davon, dass sich alle helfen“, sagt Luhukay. Und rechnet vor, dass „wenn wir weiter zwei Punkte im Schnitt holen, es für den Aufstieg reichen sollte“.

Doch stellt sich auch die Frage, ob der Erfolg nicht ein wenig zu schnell kam. Und manchmal zu einfach. Die Art, wie die Spieler und auch Luhukay den ordentlichen, aber nicht berauschenden Sieg gegen Dresden verbal überhöhten, deutet an, dass da ein wenig Bodenhaftung verloren gehen könnte. Einen derart devoten Gegner werden die Berliner wohl nicht noch einmal finden, selbst in Duisburg nicht. Man werde den Tabellenletzten nicht unterschätzen, versichert Luhukay. „Die Spieler können gar nicht genug Selbstvertrauen tanken“, sagt er, „davon waren sie nicht gerade verwöhnt letzte Saison.“ Seine Mannschaft solle es genießen, in die Fankurve zu gehen und gefeiert zu werden. Er bremst die Euphorie nicht, er befeuert sie. Ihm sei aber auch klar, dass es „auch mal zwei, drei Niederlagen“ geben werde. Dann wird sich zeigen müssen, wie stabil das Gebilde Erfolgsmannschaft schon ist.

Luhukay selbst will noch zwei Siege vor der Länderspielpause gegen Duisburg und 1860 München holen. Danach, nach zehn Spieltagen, betont er stets, könne Bilanz gezogen werden. Dann werde sich zeigen, ob Hertha zu den Teams gehört, die ganz oben mitspielen. Und ob einem goldenen September und Oktober weitere Erfolgsmonate folgen.

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