Sport : Herthas Harmonie

Berlins Bundesligist ist nur Mittelmaß – doch der Umbruch bleibt wohl aus

Friedhard Teuffel

Berlin - Während sich die Fußball-Mannschaft von Hertha BSC gestern auf den Weg zum VfL Wolfsburg machte, feierte Marko Rehmer Weihnachten. Der Berliner Bundesligaprofi ist im Moment verletzt, deshalb sollte er in die Lausitz zur Weihnachtsfeier des Fanklubs Calauer Herthaner fahren. Man kann sich denken, dass sich der Fanklub einen anderen Spieler als Ehrengast gewünscht hätte. Einen etwas aufregenderen. Dabei war Rehmer immerhin Nationalspieler.

Doch besonders aufregend ist der ganze Klub zurzeit nicht. Hertha klebt bislang in dieser Saison im Mittelfeld fest, daran könnte auch ein Sieg an diesem Samstag in der Wolfsburger Volkswagen-Arena erst einmal nichts ändern. Der Unterhaltungswert von Hertha BSC ist gerade gering. Mittelfeld taugt nicht zum Stadtgespräch.

Der Verein bemüht sich, diese Saison als Verschnaufpause vor dem nächsten Angriff darzustellen. „Wir brauchen dieses Jahr“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Es habe auch sein Gutes, dass die Mannschaft nach der schlechten letzten Saison und dem erst kurz vor Schluss verhinderten Abstieg diesmal nicht gleich wieder oben mitspielt. „Sonst wachsen gleich wieder Träume“, sagt Hoeneß.

Mitten in der Ereignislosigkeit wachsen dafür kuriose Geschichten. Das letzte Gerücht war, dass Fredi Bobic nach der Saison zu den New York Metro Stars wechselt und dort gemeinsam mit Giovane Elber einen stürmischen Vorruhestand verbringen wird. Bobic dementierte gleich, aber wenigstens hatte diese Geschichte einen ernsthaften Hintergrund: Bobics Vertrag läuft zum Saisonende aus, und bisher hat Hertha BSC noch nicht angedeutet, den Angreifer behalten zu wollen.

Insgesamt laufen elf Verträge im nächsten Sommer aus, das wäre die Gelegenheit für einen Umbau der Mannschaft. Zurzeit ist Hertha wohl nicht viel besser, als es der neunte Tabellenplatz aussagt. Abgesehen von Spielern wie Marcelinho oder Josip Simunic besteht Hertha BSC aus durchschnittlichen Bundesligaprofis, keineswegs aus Personal von internationaler Klasse.

Es gibt jedoch zwei Gründe, warum es selbst nach dieser Saison keinen Umbruch geben könnte. Zum einen lässt die finanzielle Situation der Berliner nicht zu, dass Hertha gleich vier oder fünf exzellente Spieler verpflichtet. Zum anderen entspricht ein harter Schnitt nicht dem Stil des Vereins, also nicht dem Stil von Dieter Hoeneß. Der Manager hat sich in den Jahren nach dem Aufstieg immer wieder für einen „harmonischen Übergang“ entschieden. Für Spieler wie Marko Rehmer und Fredi Bobic sieht es dagegen eher nach einem harmonischen Abschied aus.

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