Sport : Herthas Heimspieler

Trainer Falko Götz setzt im eigenen Stadion von Anfang an auf Christian Gimenez

Stefan Tillmann

Berlin - Im Trainingsspiel gelingt ihm wenig, er bekommt kaum einen Ball. Freistehend jagt Christian Gimenez aus 15 Metern den Ball über den Absperrzaun des Platzes. Sein Trainer Falko Götz ist nachsichtig, feuert ihn an – es ist ja nur Training. Der Hertha-Trainer muss den neuen Mann, der von Olympique Marseille kam, aufbauen.

Im ersten Heimspiel von Hertha BSC gegen Hannover 96 (heute, 15.30 Uhr, Olympiastadion) wird der Argentinier an der Seite von Marko Pantelic auflaufen, verriet Götz vorab: „Die beiden Stürmer werden dafür sorgen, dass Hannovers Defensive den Kopf vollbekommt.“ Das Spiel gegen Hannover ist nach Ligapokal, Uefa-Cup-Qualifikation und dem torlosen Saisonauftakt beim VfL Wolfsburg bereits das sechste Pflichtspiel dieser Saison. Nur drei Tore erzielten die Berliner bislang. Dabei sollte den Fans in dieser Saison mit offensivem Fußball Freude bereitet werden. Erfrischenden Fußball und die Entwicklung junger Spieler hatte Götz anstelle eines bestimmten Tabellenplatzes als Saisonziel genannt.

Das erste Heimspiel der Bundesligasaison kann richtungsweisend sein. Die Fans erwarten ein dominantes Spiel gegen den Tabellenzwölften der vergangenen Saison. Herthas Manager Dieter Hoeneß rechnet mit über 40 000 Zuschauern, etwas mehr als 30 000 Karten setzte der Klub im Vorverkauf ab. „Wir wollen mit Mut nach vorne spielen. Die Art und Weise ist entscheidend“, fordert Hoeneß. Gelingt dies nicht gegen den wenig attraktiven Gegner aus Niedersachsen, dann wären Mannschaft und Fans gleichermaßen verunsichert. Beide Seiten wissen nicht, wo das Team nach dem Weggang von Marcelinho steht.

Die offensive Ausrichtung passt zu Gimenez. Der 31-Jährige ist Instinktfußballer und klassischer Strafraumspieler. „Dort, im Sechzehner des Gegners, erzielt Gimenez eindeutig am meisten Wirkung“, sagt Christian Gross, der ihn beim FC Basel trainierte. Auswärts dürfte wie in Wolfsburg der schnellere Srdjan Lakic zum Zuge kommen.

In der Schweiz spielte Gimenez acht Jahre, beim FC Lugano und beim FC Basel. Insgesamt traf er in 218 Spielen 148-mal. In seiner letzten Saison beim FC Basel, 2004/2005, schoss er in 30 Spielen 27 Tore. In Frankreich dagegen kam er nicht zurecht, verlor in Marseille schnell seinen Stammplatz. Nun ist er wieder zuversichtlich. „Der größte Unterschied ist, dass Marseille vor allem auf Konter spielte und Hertha auf Offensive setzt“, sagte er, „das kommt dem Spiel des FC Basel nahe.“

Der Argentinier, der auch einen italienischen Pass besitzt, hat keinen großen Aktionsradius, wartet auf Zuspiele und Flanken. Gut möglich, dass diese ihm am heutigen Sonnabend Patrick Ebert liefern wird. Trainer Götz wechselte den 19-Jährigen zuletzt regelmäßig für Ellery Cairo ein, dem kaum etwas gelang. Darüber hinaus lag der Niederländer zwei Tage mit Fieber im Bett. Ebert hingegen überzeugte mit präzisen Flanken aus dem rechten Mittelfeld und zeigte das mutige Spiel, das die Hertha-Verantwortlichen sehen wollen. „Er bringt das von Hause aus mit“, sagt Dieter Hoeneß. Der Mittelfeldspieler, seit neun Jahren im Verein, soll als Symbolfigur dienen für die jungen Spieler, die den Sprung in die erste Mannschaft anstreben. „Ebert hat deutlich gezeigt, dass er mehr als eine Alternative sein könnte“, sagt Falko Götz. Das Länderspieldebüt des Linksverteidigers Malik Fathi am Mittwoch gegen Schweden hat die Hertha-Führung bestärkt, weiter stark auf den eigenen Nachwuchs zu setzen.

Christian Gimenez indes hat den Großteil seiner Karriere schon hinter sich. Er muss seine Torgefahr nun auch in einer großen Liga beweisen. „Es ist nicht zu viel versprochen, dass wir alle noch große Freude an ihm haben werden“, sagt Götz. Der Stürmer weiß, dass er sportlich noch nicht ganz eingebunden ist ins Team. „Mir fehlt noch etwas Spielpraxis“, sagt Gimenez.

Der kopfballstarke Angreifer genießt aber immerhin schon das Vertrauen des Trainers. „Gimenez brennt im Training. Er ist voller Vorfreude“, sagt Götz. Demonstrativ klatscht der Trainer, als Christian Gimenez beim Spiel sieben gegen sieben nach zwanzig Minuten ein einfaches Abstaubertor erzielt. Seine laufstärkeren Sturmkontrahenten Solomon Okoronkwo und Chinedu Ede hatten da schon zwei- und dreifach getroffen. Der Trainer kennt halt den Aktionsradius seines neuen Stürmers.

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