Herthas Hintermannschaft : Jaroslav Drobnys Freund vorm Tor

Herthas Torhüter Drobny dementiert Wechselabsichten nicht – nun soll ihn ein Kollege besänftigen.

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Absprung statt Abwurf? Die Frage steht im Raum, ob Jaroslav Drobny nach der Saison Jens Lehmann beim VfB Stuttgart ablöst. -Foto: ddp

Ach, die Zukunft. Nur der Normalmensch sieht in ihr die Zeit nach der Gegenwart, Albert Einstein definiert sie als Größe im Raum, und laut Robert Jungk ist das Morgen schon im Heute vorhanden. Reichlich kompliziert. Wer will es Jaroslav Drobny verübeln, dass er zu seiner persönlichen Zukunft jede Auskunft verweigert? „Du weißt nie, was morgen ist“, sagt der tschechische Torhüter in Diensten von Hertha BSC.

Mit diesen Diensten könnte es bald vorbei sein. Am Dienstag war in der „Bild“-Zeitung noch einmal nachzulesen, der VfB Stuttgart plane mit Drobny als Nachfolger für seine, nun ja, problematische Nummer eins Jens Lehmann. Manager Horst Heldt hat angeblich schon erste Gespräche geführt, alles soll auf eine Einigung hinauslaufen. Heldt will sich zu dem in Stuttgart seit Wochen virulenten Thema nicht offiziell äußern.

Drobny erreicht die Nachricht aus dem Schwäbischen auf Mallorca. Auf einem Rasenplatz direkt an der Autopiste Richtung Soller im Norden der Insel, wo er sich mit seinen Kollegen von Hertha auf die Bundesliga-Rückrunde vorbereitet. „Was soll ich dazu sagen? Mit mir haben die Stuttgarter nicht geredet, vielleicht mit meinem Agenten“, sagt Drobny. „Mein Vertrag bei Hertha läuft bis zum 30. Juni.“ Und dann? „Werden wir sehen, aber es ist immerhin meine Karriere, mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Das klingt nicht nach einem überzeugten und überzeugenden Dementi und soll es wohl auch nicht. Drobny ist 30 Jahre alt, er spielt seit zweieinhalb Jahren in Berlin und sucht nach einer längerfristigen Perspektive. Die kann ihm Hertha zurzeit nicht bieten, weder finanziell noch sportlich.

Einen nach dem Stand der Dinge nicht unwahrscheinlichen Abstieg in die Zweite Liga würde der tschechische Nationalspieler auf keinen Fall mitmachen. Dass er mit der Entwicklung seines Klubs alles andere als zufrieden ist, hat er in den vergangenen Monaten öfter artikuliert. Im Raum steht seine Abrechnung nach der 2:5-Niederlage zum Hinrundenabschluss beim FC Bayern München: „Wir dürfen uns nichts vormachen: Bei uns sind einige Spieler einfach nicht gut genug.“ Und auf die Frage, mit welchen Spielern es denn besser werden könne, antwortete Drobny: „Mit Marko Pantelic, Josip Simunic und Andrej Woronin könnte es vielleicht klappen.“

Diese drei Herrschaften haben Hertha im vergangenen Sommer bekanntlich verlassen, und sie werden auch nicht zurückkommen. Besonders der Verlust von Simunic hat Drobny schwer getroffen. Der kroatische Abwehrchef und der tschechische Torhüter waren dafür verantwortlich, dass Herthas Verteidigung in der Fastmeistersaison 2008/09 zu den besten der Liga zählte. Als vermeintliche Kompensation verpflichtete Hertha zwei Junioren-Nationalspieler aus Serbien und Schweden, dazu einen Reservisten aus Hoffenheim – und kassierte in bislang 17 Bundesligaspielen schon 39 Tore. In der kompletten Vorsaison waren es 41.

Neue Stabilität soll in der Rückrunde einer garantieren, den der verärgerte Torhüter persönlich empfohlen hat. Roman Hubnik ist auf Leihbasis von Sparta Prag gekommen und der Öffentlichkeit ein wenig voreilig als Drobnys bester Freund verkauft worden. Die beiden kennen sich erst seit dem vergangenen August, als Hubnik beim 3:1 über Belgien sein erstes Länderspieltor gelang. Im November fragte er Drobny während eines Gastspiels der Nationalmannschaft in Dubai, ob er ihm ein Engagement in Berlin empfehlen könne. Kurz darauf war das Geschäft perfekt.

An Roman Hubnik fällt zunächst auf, dass er mit seinen 191 Zentimetern Körperlänge bis auf vier Zentimeter an seinen Vorgänger Simunic heranreicht. „Aber Länge ist nicht alles“, sagt Drobny. „Roman ist schnell und kopfballstark, er wird uns weiterhelfen.“ Trainer Friedhelm Funkel formuliert noch ein wenig zurückhaltender, Hubnik müsse sich erst einmal „in die Bundesliga hineinarbeiten“. Bisher kennt er die Liga nur aus der Ferne.

„Ich habe die Highlights im Fernsehen verfolgt“, sagt Hubnik. Auch die Spiele von Hertha BSC? Freundlich, aber bestimmt schüttelt er den Kopf: „Nein, Hertha nicht. Ich sagte doch, nur die Highlights der Bundesliga.“

Der Mann weiß eben, was auf ihn zukommt.

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