Sport : Herthas holländische Hände

Im Tor der Berliner folgt Maikel Aerts auf Drobny

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Da rollt was auf Hertha zu. Aerts hat nun seine Finger im Spiel. Foto: p-a/van Hoogdalem
Da rollt was auf Hertha zu. Aerts hat nun seine Finger im Spiel. Foto: p-a/van HoogdalemFoto: picture-alliance / Cees van Hoog

Berlin - Ein junger Wilder sollte es werden, einer mit einem bekannten Namen, ausgezeichnete Torhüter gibt es in Deutschland schließlich mindestens so viele, wie die Bundesversammlung Mitglieder hat. So weit also zum vorab spekulierten Anforderungsprofil von Herthas neuer Nummer eins im Tor. Dieser junge Wilde wird nun in drei Wochen vierunddreißig, kommt aus Holland und heißt Maikel Aerts.

Herthas Handschuhfach ist also besetzt. Mit einem Augenzwinkern und in einem rosafarbenen Polohemd hat sich Aerts am Donnerstag vorgestellt und gleich seinen neuen Arbeitsplatz bei den Heimspielen der Zweiten Fußball-Bundesliga besichtigt. Wie im Film sei er sich vorgekommen als er im Olympiastadion stand, „Gladiator“, fiel Aerts ein und dass das Olympiastadion doch ein bisschen aussehe wie das Colosseum. Da zwinkerten seine Augen auch nicht mehr, sondern hatten sich ehrfürchtig geweitet, „eine Herausforderung ist das“, die wollte er noch einmal suchen, anstatt seine Karriere in Holland gemütlich ausklingen zu lassen mit dick gepolsterten Handschuhen.

Für zwei Jahre bindet er sich an Hertha und sich Hertha an ihn, er kommt ablösefrei von Willem II Tilburg. Ein mehrstufiges Casting durch seinen Vor-Vorgänger hat Aerts dafür hinter sich gebracht. Christian Fiedler beschäftigte sich als Torwarttrainer von Hertha BSC schon seit dem Winter mit der Verpflichtung, „weil da schon klar war, dass Jaroslav Drobny weg will“, wie Fiedler erzählte. Mehrere Dienstreisen nach Holland unternahm Fiedler, schaute im Training bei Willem II Tilburg vorbei und saß auf der Tribüne, als die Bälle auf Aerts zuflogen und der Holländer in der entscheidenden Phase eines Ligaspiels einen Elfmeter hielt.

Auf 197 Spiele in der holländischen Ehrendivision kommt Aerts insgesamt, bei Willem II Tilburg hatte er auch das Kapitänsamt inne – Gründe dafür, warum es Aerts geworden ist und nicht etwa Michael Rensing. „Wir haben einen Torwart bekommen, der Ausstrahlung hat, der Mentalität hat“, sagte also Herthas Manager Michael Preetz. Als Spieler bei Hertha hatte Preetz den Beinamen „der Lange“, doch diesen Titel konnte er gegen den 1,96 Meter großen neuen Torwart am Donnerstag nur verteidigen, weil er sich die Haare hochfrisiert hatte, während sie Aerts raspelkurz geschoren trägt.

Aerts soll mit seinen langen Armen und seinem Temperament den Weg in die Bundesliga freiräumen, dann soll Sascha Burchert übernehmen. „Sascha ist der Torhüter, dem auf Sicht die Zukunft gehören soll“, sagte Preetz und kündigte dazu noch die Verpflichtung eines weiteren Torwarts an, der in der U 23 spielen soll.

Eine nicht ganz so schöne Linie in seiner Biographie musste Aerts am Donnerstag noch erklären. 1997 war er für drei Monate wegen Kokainkonsums gesperrt worden. „Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte Aerts, „aber gerade aus Fehlern kann man lernen, und ich bin jetzt ein stärkerer Mensch.“ Nun muss Aerts nur noch Deutsch lernen, bisher reichte es für einen abgelesenen Willkommensgruß, für alles weitere wird er sich eine Woche in ein Kloster zurückziehen. „Von morgens neun bis abends neun wird er lernen, so wie es Louis van Gaal gemacht hat“, sagte Fiedler und geht von einer rüttelfreien Kommunikation in wenigen Wochen aus.

Nicht verwechseln sollte man Herthas neuen Torwart übrigens mit seinem sechs Jahre älteren Onkel. Peter Aerts ist Champion im Kickboxen und trägt einen unmissverständlichen Spitznamen: der holländische Holzfäller.

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