Sport : Herthas Hosenträger

Stefan Hermanns

Manchmal ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis quantitative Veränderungen auch eine Veränderung in der Qualität bewirken. Rob Maas von Hertha BSC macht zurzeit diese Erfahrung. Da spielt er einmal, zweimal, x-mal, und jedes Spiel für sich ist erst einmal ein schönes Erlebnis. Irgendwann hat Maas dann so oft gespielt, dass die Summe der Einsätze ihn plötzlich zwingend als Stammspieler ausweist. Stammspieler. Ein schönes Gefühl. Und für Maas eines, "das ich lange nicht mehr gehabt habe". Genau genommen hat er dieses Gefühl noch nie gehabt, seitdem er vor mehr als drei Jahren vom Absteiger Arminia Bielefeld nach Berlin gewechselt ist.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Das hatte weniger mit den fußballerischen Qualitäten des Holländers zu tun. Herthas Trainer Jürgen Röber weiß dessen Fertigkeiten inzwischen sehr wohl zu schätzen. Maas ist kompromisslos - auf dem Platz, gegen den Gegner und gegen sich selbst. Röber hat einmal gesagt, Maas gehe mit dem Kopf dahin, wo andere nur noch den Fuß benutzten. Doch Maas hatte selten die Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Meistens war er verletzt. Vor einem Jahr hat Röber noch gefragt: "Was soll ich mit einem Mann, der dauernd verletzt ist, den Anschluss nicht findet und beim Sprinten sogar langsamer ist als ich?" Es klang ein bisschen ratlos. In seinen ersten drei Jahren in Berlin hat Maas ganze zwölf Pflichtspiele bestritten. Inzwischen hat er die Zahl seiner Einsätze mehr als verdoppelt. Und das in lediglich drei Monaten seit Saisonbeginn. Am Donnerstag gegen Stavanger stand Maas zum 14. Mal in dieser Spielzeit auf dem Spielfeld.

Konstantinidis fällt aus

Wie viele Spiele muss jemand machen, um als Stammspieler zu gelten? Vielleicht ist das eine allzu theoretische Frage. Vielleicht ist Stammspieler zu sein eher ein Gefühl. Bei Maas ist es im Moment das Gefühl, dass Röber es "schwer hat, mich rauszunehmen". Und wenn er es doch tut, wie vielleicht heute im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (17.30 Uhr), so dient es eher dazu, die Belastungen der jüngsten Zeit möglichst gleichmäßig zu verteilen. Gegen Gladbach muss Röber erneut auf Kostas Konstantinidis verzichten, der mit Verdacht auf Innenbandriss ausfällt. Für ihn rückt Denis Lapaczinski in den Kader.

Rob Maas hat bei Hertha den Ruf, jemand zu sein, der seine Meinung stets offen ausspricht. Das ist seine Art. Wenn man ihn aber fragt, welchen Anteil er am aktuellen Aufschwung seines Teams mit zuletzt vier Siegen in Folge hat, sagt er auch nur das, was die meisten Spieler in einer solchen Situation antworten würden. Dass der Einzelne nicht zähle, die Mannschaft zusammen gewinne und zusammen verliere und solche Sachen. Vielleicht ist das falsche Bescheidenheit.

Zumindest steht Maas mit seiner kompromisslosen Spielweise symbolisch für eine Verschiebung der Prioritäten bei Hertha. "Wir spielen immer noch nicht gut", sagt er. "Aber man muss sich aus einer Krise herauskämpfen." Diese Entschlossenheit verkörpert bei Hertha wohl niemand besser als Rob Maas: "Für mich ist Fußball Leidenschaft", hat er mal gesagt. "Da muss es auf dem Platz richtig zur Sache gehen." Seitdem sich Hertha vom Konzept des Schönspielens verabschiedet hat, gewinnt die Mannschaft. Irgendjemand hat Spieler wie Maas einmal mit Hosenträgern verglichen: Man sieht sie in der Regel nicht, aber ohne sie stünde man ganz schön blöd da. Maas meint genau das, wenn er von sich sagt, er sei ein Spieler, der andere Spieler besser funktionieren lässt.

Maas wahrt die Ordnung, stopft Löcher, liest das Spiel, und er ist jemand, der die Kollegen in kritischen Situationen aus der Lethargie reißen kann. In den vergangenen Wochen hat er registriert, "dass wir unsere Aufgaben taktisch besser erfüllen". Die Mannschaft spielt jetzt mit einer Viererkette, "die Außenverteidiger laufen nicht mehr blind nach vorne, und im Mittelfeld stimmt die Balance". Das mag für viele Zuschauer zwar nicht spektakulär ausschauen, aber einem wie Maas gefällt das.

Alles in allem sieht er für Hertha immer noch gute Perspektiven. Welche Rolle er dabei spielen wird, ist jedoch fraglich. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Verhandlungen wird es frühestens im Dezember geben. Maas sagt, er fühle sich wohl in Berlin. Aber das heißt nichts, das sagen alle. Im Dezember wird er 32. Der nächste Vertrag wird vielleicht sein letzter sein, und schon deshalb dürfte Maas gewisse finanzielle Vorstellungen haben. Die Frage ist, ob Herthas Manager sich mit diesen Vorstellungen anfreunden kann. Als Maas sich mehr als ein Jahr mit seiner Achillessehne geplagt hat, hat Hoeneß ihm noch Mut gemacht. Durch die Pause sei sein Körper ein Jahr jünger geblieben, hat er gesagt. "Daran kann ich ihn bei den Verhandlungen erinnern."

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