Sport : Herthas kurzer Fasching

Raue Töne vor dem Spiel in Hannover

Klaus Rocca

Berlin. Als sich die Wege von Hans Meyer und Mirko Votava gestern Mittag nach dem Training am Olympiastadion kreuzten, rief Meyer dem Coach des 1. FC Union scherzhaft zu: „Du sägst wohl an meinem Trainerstuhl?“ Wenige Minuten später war Meyer schon entlassen. Da begrüßte Herthas Pressesprecher Hans-Georg Felder beim Treff mit den Medien „unseren Cheftrainer Huub Stevens“. Meyer nahm’s gelassen und nannte Felder einen Faschingsprinzen.

Dabei ist den Hertha-Verantwortlichen dieser Tage nicht nach Scherzen zu Mute. Das liegt nicht nur an der unerwarteten Niederlage gegen Frankfurt. Manager Dieter Hoeneß nahm höchst verärgert Anstoß daran, dass „offenbar einige Spieler immer noch nicht begriffen haben, worum es geht“. Nach den beiden Siegen gegen Stuttgart und Freiburg hätten sie geglaubt, 80 Prozent würden ausreichen, um im Abstiegskampf zu bestehen. „So eine Einstellung lassen wir nicht zu. Ich hoffe, nach meiner Ansprache haben alle bis zum Rest der Saison begriffen, was die Stunde geschlagen hat“, sagte Hoeneß.

Hoeneß ärgerte sich auch über Interviews, die Luizao und Artur Wichniarek in diesen Tagen gegeben hatten. So hatte Luizao im Gespräch mit einer brasilianischen Zeitung, das der Tagesspiegel auszugsweise wiedergegeben hatte, erklärt, er würde gern zu seinem alten Klub Corinthians São Paulo zurückkehren. „Es wäre besser gewesen, Luizao hätte sich darüber Gedanken gemacht, wie er möglichst schnell wieder fit wird, um Hertha im Abstiegskampf zu helfen“, sagte Hoeneß.

Einen Wechsel Luizaos zu einem späteren Zeitpunkt schloss er jedoch nicht aus, „wenn beide Vereine tatsächlich Interesse zeigen“. So ganz ungelegen käme Hertha ein Wechsel des Brasilianers sicher nicht. Schließlich ist er schon seit geraumer Zeit verletzt, hat in dieser Saison ohnehin erst sieben Spiele mitgemacht und belastet den Etat des Fußball-Bundesligisten angeblich mit 2,5 Millionen Euro pro Saison. Und der Vertrag läuft noch bis zum Juni 2006.

Wichniarek, nach seiner Wadenverletzung auch noch nicht fit, hatte sich darüber beklagt, er werde auf der falschen Position eingesetzt. Auch er solle sich erst mal Gedanken darüber machen, wie er Hertha helfen könne, konterte Hoeneß.

Harmonie sieht anders aus. Hans Meyer ist jedoch weiterhin die Gemütlichkeit in Person. Für das morgige Spiel in Hannover fordert er aber „Leidenschaft und Aggressivität“.

Es ist wohl davon auszugehen, dass Meyer auch am Sonntag Herthas Cheftrainer ist.

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