Herthas nächster Gegner : Eintracht Frankfurt: Reizklima statt Kaffeerunde

Herthas nächster Gegner Eintracht Frankfurt blüht unter Friedhelm Funkels Nachfolger Michael Skibbe auf - trotzdem gibt es Streitereien im Verein.

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Mit breiter Brust ins Rückspiel. Frankfurt gewann in der Hinrunde mit 3:1 bei Hertha, Patrick Ochs erzielte das erste Tor.
Mit breiter Brust ins Rückspiel. Frankfurt gewann in der Hinrunde mit 3:1 bei Hertha, Patrick Ochs erzielte das erste Tor.Foto: Napierski

Als Heribert Bruchhagen im Dezember 2003 seinen Job bei der Frankfurter Eintracht antrat, betrat der frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga im wahrsten Sinne des Wortes eine Baustelle. Das damalige Waldstadion wurde für die WM 2006 gerade in eine moderne Arena umgemodelt, die Geschäftsstelle war in Containern untergebracht und die Hessen kämpften in der Saison 2003/2004 gegen den Abstieg, letztlich vergeblich. Bruchhagen, einer der besten Netzwerker im deutschen Fußball, tat im darauffolgenden Sommer das einzig Richtige: Er entließ den ungeliebten Willi Reimann, um den in der Zweiten und Ersten Liga erprobten Trainer Friedhelm Funkel zu installieren.

Daraufhin entstand eine liebgewonnene Gewohnheit: Jeden Morgen um neun Uhr trafen sich Funkel, der Frankfurter Klubchef und Chefscout Bernd Hölzenbein bei einer Tasse Kaffee zum Plausch unter Fachleuten. Man fachsimpelte in dieser Männerrunde über Fußball, aber auch über zickige Spielerfrauen. Die morgendliche Runde, sagte Bruchhagen einmal, sei der Höhepunkt des Tages.

Damit ist es seit dieser Saison vorbei. Nachdem auch Bruchhagen intern wie extern kein sechstes Funkel-Jahr in Frankfurt vermitteln konnte, ist Michael Skibbe im Amt. Und seitdem gibt es die Kaffeerunde nicht mehr. „Jeder Trainer ist anders“, erklärt Bruchhagen, „Michael und ich kommunizieren auch so genügend miteinander.“ Aber oft genug auch übereinander.

Leistungsförderndes Reizklima

Mit der Inthronisierung des früheren Bundestrainers ist nämlich ein leistungsförderndes Reizklima entstanden, in dem öffentliche Auseinandersetzungen fast die Regel geworden sind. Skibbe fördert und fordert; er schwadroniert und provoziert; insistiert, dass er teure Spieler wie Lincoln oder Gekas benötige, um dann doch aus dem vorhandenen Kader das Beste zu machen. Der sichtbare Beweis: Wo früher abgewartet wurde, wird heute der Angriff gesucht; wo der Ball auf die Tribüne gedroschen wurde, wird die Situation spielerisch gelöst. Mit 44 Punkten und Platz neun steht die Eintracht besser da als gedacht. Nur das 0:2 vergangenen Freitag in Mönchengladbach war, nach spektakulären Heimsiegen gegen Bayern München und Bayer Leverkusen, ein Stimmungsdämpfer. Skibbe störte sich vor allem am Gegensatz zwischen Ansprüchen und Einsatz: „Davor haben die Spieler so viel vom Europapokal gesprochen, aber dann muss ich das auch auf dem Platz zeigen.“ Zuletzt seien „sieben, acht Spieler“ abgefallen, „da verlieren wir dann gegen jeden Gegner“. Überhaupt sei die Eintracht noch nicht reif für die Europa League: „Dafür ist unser Kader nicht ausgeglichen genug, so gefestigt sind wir noch nicht als Verein und als Mannschaft.“

In der Tat muss sich für den von Skibbe propagierten Offensivstil jeder am absoluten Limit bewegen – gerade langgediente Profis wie Patrick Ochs, Marco Russ, Benjamin Köhler oder Alexander Meier sind Symbolfiguren der immensen Schwankungsbreite. Mit solchen Kräften, so viel sie für den Klub auch geleistet haben, wird die Eintracht aber kein Spitzenteam. Und mit den 27 Millionen Euro Personalkosten, die Aufsichtsrat und Vorstand bei einem erwarteten Umsatz von rund 64 Millionen für die nächste Spielzeit abgesegnet haben, auch nicht. Schon die Personalie Halil Altintop – Skibbe möchte den von Schalke ausgeliehenen Stürmer unbedingt fest verpflichten – könnte wieder für Zündstoff sorgen, sollten die Gehaltsforderungen zu hoch sein. Und Bruchhagen, der größte Realpolitiker der Liga, hält einen Angriff auf die ersten Sechs ohnehin für verwegen. Skibbe sieht das anders: „Die Eintracht hat genauso großes Potenzial wie Leverkusen oder Dortmund. Hier ist vieles möglich, hier sprechen sehr, sehr viele davon, dass sich was bewegt.“

Seinem Vorgänger wurde die Stagnation letztlich zum Verhängnis. Wie Funkel am Sonntag im Frankfurter Stadtwald bei seiner Rückkehr mit Hertha BSC empfangen wird, ist eine spannende Frage. Die Funkel-raus-Rufe könnten als Hohn und Spott wieder ertönen. „Wir schießen den Funkel in die zweite Liga“, heißt es in diversen Fanforen. Bruchhagens weiterhin freundschaftlich gepflegte Beziehung mit dem Hertha-Trainer bleibt davon unberührt: So verbrachten sie gar den Osterurlaub im selben Hotel auf Mallorca.

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