• Herthas Nationalspieler hat kein Problem mit seiner hohen Ablösesumme - "Fragen Sie mal den Alves"

Sport : Herthas Nationalspieler hat kein Problem mit seiner hohen Ablösesumme - "Fragen Sie mal den Alves"

Michael Rosentritt

Für sieben Millionen Mark kann man sich bestimmt einige hübsche Dinge kaufen. Ein Häuschen am Wasser mit einem Häuschen für das Boot, einen ganzen Fußballregionalligisten, oder eben einen aufstrebenden deutschen Nationalspieler, der dann allerdings in zwei, drei Jahren noch einmal die gleiche Summe verdient. Der schnell zu Ansehen und Geld gekommene Verein Hertha BSC ging im vergangenen Juni mit einer solchen Summe einkaufen, und im Warenkorb befand sich Marko Rehmer vom Bundesligakonkurrenten Hansa Rostock. Seitdem ist der gebürtige Berliner ein Star dieser Stadt, obgleich er sich zehn Wochen auf Krücken stützen musste. Ein Knorpelschaden im linken Knie hatte sich just eingestellt, als die Tinte des Vertrages getrocknet war. Man könnte auch von Pech sprechen.

Mittlerweile hat der 27-jährige Verteidiger je zweimal in der Bundesliga und Champions League und einmal im Pokal gespielt. Das weiß Rehmer deswegen so genau, weil er das in seinem Kalender festhält, "und dann noch das Ergebnis", erzählt er. Als er bis Ende 1996 noch in der Regionalliga für den 1. FC Union spielte, tat er das noch nicht. Später dann in Rostock bestritt er 81 von 84 Bundesligaspielen. Jetzt aber, als Star in seiner alten Heimat, zählt jedes Spiel. "Was heißt denn immer Star", fragt Rehmer, "von den Medien wird man schnell umjubelt. Nach oben zu kommen ist gar nicht so schwer, oben zu bleiben dagegen sehr." Rehmer erzählt das am Abend eines langen Trainingslagertages. So ganz mitmachen kann er noch nicht. Das Knie ist zwar wieder in Ordnung, aber jetzt behindert ihn eine Nagelbettentzündung am linken großen Zeh. "Gar nicht so einfach, das wegzukriegen", sagt er und hat vorsichtshalber einen größeren linken Fußballschuh gewählt.

Nein, das mit dem Starsein gefällt ihm nicht unbedingt. "Das ist doch ein Klischee. Du wirst von der Presse zum ewigen Talent gemacht, zum Nichtskönner oder eben zum Star." Und das bleibe man, wenn nichts Außergewöhnliches dazwischen kommt. Seine Verletzung zählt er nicht dazu, wenngleich "der Zeitpunkt wirklich unglücklich war". Aber "in meinem Job bleiben Verletzungen nicht aus. Aber richtig Angst, dass ich vielleicht nie mehr hätte Fußballspielen können, sind mir nicht gekommen". Nicht mal ein schlechtes Gewissen habe er gehabt, obwohl er doch so teuer war. "Hätte ich mich denn verstecken sollen?" Die Medien hatten jedenfalls "ihr Fressen", sagt Rehmer. "Ich war damals der teuerste Spieler, den Berlin je hatte, und ich konnte nicht spielen. Das ist doch eine gute Geschichte, nicht wahr?" Als das alle geschrieben oder gesendet hatten, wurde es etwas stiller um ihn. "Irgendwann liest du dann mal einen Splitter: Rehmer legt die erste Krücke weg! Oder: Rehmer legt die zweite Krücke weg! Und: Rehmer kann wieder laufen!"

Mein Gott, Schluss mit der Unbeweglichkeit, mit der Hilflosigkeit, dachte Rehmer. "Irgendwann willst du einfach nur rennen, das wünschst du dir regelrecht." Rennen und Rehmer - das gehört irgendwie zusammen. Diese seine Fähigkeit, sich schnell fortbewegen zu können, darf als Grundlage seines rasanten Aufstiegs von der Regionalliga unter Umgehung der Zweiten Liga in die Nationalmannschaft gelten. Der damalige Bundestrainer Berti Vogts hatte der 1,87 m großen Burschen 1997 erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Ein Jahr später, nach dem Desaster bei der WM, durfte Rehmer auch erstmals spielen, auf und gegen Malta. "Mein erstes Länderspiel, 2:1-Sieg", steht in Rehmers Kalender. Vogts ging danach, Rehmer blieb. Auch Erich Ribbeck hatte Gefallen und Verwendung gefunden für den Mann, der für 30 Meter nur 3,79 Sekunden braucht. In der Bundesliga ist das bis heute Rekord. Der "Spiegel" sah seinerzeit in ihm gar einen Typen, der erahnen lasse, "dass es demnächst eine modernere Nationalmannschaft geben könnte". Und die "FAZ" legte nach, indem sie Rehmer eine hohe Spielintelligenz "und eine Arbeitsauffassung", bescheinigte, "die ihn selten zur Übertretung der Spielregeln zwingt". So kann man das auch sehen.

Gebracht hat er bisher auf sieben Länderspiele. Eine Zahl, die ihn immer an die Höhe seiner Ablösesumme erinnert und deshalb überhaupt nicht gefällt. "Ich habe mir immer gesagt, das mit der Ablösesumme war doch nur eine Sache der beiden Vereine. Aber irgend etwas muss ihn ja so kostbar machen. "Kostbar", wiederholt Rehmer, "so habe ich das noch nie gesehen. Also gut. Für wen würde ich sieben Millionen Mark ausgeben? Ein Spieler muss lange Zeit eine entsprechende Leistung erbracht haben, muss ins Spielkonzept passen, und um seine Person sollte sich viel bewegen. Ich meine, er sollte interessant sein für die Medien. Für Hertha wäre es nicht schlecht, wenn es ein Berliner ist." Rehmer spielt nur kurz Manager. Dann muss er lachen und sagt: "Die Frage müssen Sie mal Alves stellen." Für den hat Hertha mehr als das Doppelte bezahlt.

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