Herthas Neuzugang : Ist Ben-Hatira reif für einen Stammplatz?

Hertha BSC freut sich über die Verpflichtung von Änis Ben-Hatira – welche Rolle der neue Stürmer im Team spielen soll, ist allerdings unklar.

Claus Vetter
Ballsicher zurück nach Berlin. Ben-Hatira kickte schon in der Jugend für Hertha.
Ballsicher zurück nach Berlin. Ben-Hatira kickte schon in der Jugend für Hertha.Foto: picture alliance / dpa

Zu seinem großen Tag kam Änis Ben-Hatira in legerer Kleidung auf Herthas Vereinsgelände am Olympiastadion. Lederjacke, Halstuch und auf dem Kopf trug der bekennende Hip-Hop-Fan am Mittwoch eine Baseballmütze mit dem Logo der New York Yankees. Der Baseballklub ist weltweit Spitzenvermarkter aller Sportklubs, verdient zig mal mehr Geld mit seinem Logo als Ben-Hatiras künftiger Arbeitgeber mit seinen Devotionalien. Aber wer weiß, vielleicht trägt der 23 Jahre junge Fußballprofi demnächst mal ein Käppi von Hertha BSC. Hertha ist für den gebürtigen Berliner schließlich „Wunschklub“. Insofern hat Ben-Hatira mit der Vertragsunterzeichnung einen Volltreffer gelandet, vier Jahre ist er fortan an den Berliner Bundesligisten gebunden.

Ob Hertha auch einen Volltreffer mit dem jungen Stürmer gelandet hat, der sich seit 2006 nie richtig beim Hamburger SV durchsetzen konnte? Zunächst einmal war für die Berliner entscheidend, Rob Friend von der Gehaltsliste zu bekommen. Das klappte am Mittwoch doch noch, der von Trainer Markus Babbel zuletzt verschmähte Stürmer aus Kanada wurde für ein Jahr an Eintracht Frankfurt ausgeliehen. Das Geld für Ben-Hatira, der rund eine halbe Millionen Euro an Ablöse gekostet hat, war somit da.

Natürlich war Manager Michael Preetz glücklich, dass die Wechsel kurz vor Transferschluss in der Bundesliga noch geklappt hatten, an „einem sehr hektischen Tag“. Aber, damit auch kein falscher Eindruck entsteht von wegen Last-Minute-Transfer und so: Natürlich habe es viel Zeit in Anspruch genommen, alles zu regeln. Markus Babbel sagt sogar: „Änis ist ein Spieler, den wir lange auf dem Zettel hatten.“ Warum eigentlich, schließlich sind in Angriff und offensivem Mittelfeld doch bei Hertha alle Positionen vergeben? Babbel sagt: „Ben-Hatira ist ein sehr ballsicherer Spieler, der flexibel eingesetzt werden kann, er kann in der Offensive alle Positionen abdecken.“ Dann verliert sich der Trainer in ein paar Allgemeinsätzen, von wegen der Konkurrenzkampf würde angeheizt und man könne ja nie einen zu großen Kader haben.

Änis Ben-Hatira hat seinen neuen Trainer von seiner Einstellung her überzeugt. „Wie er sich beim HSV nach oben gekämpft hat aus der Regionalligamannschaft, das zeugt von einem gewissen Reifeprozess bei ihm.“ Den haben auch andere festgestellt, die Ben-Hatira lange kennen. Patrick Ebert hat mit ihm in der C- und B-Jugend bei Hertha gespielt, bevor Ben-Hatira zu Tennis Borussia wechselte. Gemeinsam haben beide Profis vor zwei Jahren mit der U21-Nationalmannschaft den EM-Titel gewonnen. Ebert sagt: „Ben ist ein sehr lieber, netter Junge, der in der Jugend noch nicht so ehrgeizig war wie jetzt. Jetzt ist er extrem ehrgeizig.“ Es sei ja auch egal, wie der Ben-Hatira früher war oder nicht, sagt Babbel. „Ich habe mich da nicht erkundigt. Aber ich hoffe, er erkundigt sich danach, wie ich bin.“ Er sei ja ein Trainer, der Wert auf Disziplin legt.

Änis Ben-Hatira jedenfalls ist froh, wieder in Berlin zu sein. Andere Wechseloptionen habe es für ihn nicht gegeben. „Ich kenne den Klub von A bis Z und will nun erfolgreich Fußball spielen“, sagt er. Frühestens Sonnabend kommende Woche in Dortmund kann Ben-Hatira das mit Hertha. Am Donnerstag war er noch einmal in Hamburg, und bei Herthas Testspiel am Freitag bei Kreisligist TSV Sudheim (Beginn 18 Uhr) wird er noch nicht für den neuen Arbeitgeber spielen. Der hat übrigens hübsche, sogar acht verschiedene Baseballmützen in seinem Fansortiment. Vielleicht ist ja für Ben-Hatira was dabei, etwa das „Cap Graffiti“, falls er mal nicht den New York Yankees huldigen möchte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben