Herthas Neuzugang : Maik Franz: Der größte Rüpel der Liga?

Er hat ein ganz besonderes Image. Wir haben Maik Franz damit in zehn Thesen konfrontiert - und interessante Antworten von ihm bekommen.

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Umstrittene Figur. Maik Franz genießt im deutschen Profifußball nicht den besten Ruf. Jetzt ist der Verteidiger vom Absteiger Eintracht Frankfurt zum Aufsteiger Hertha BSC gewechselt.
Umstrittene Figur. Maik Franz genießt im deutschen Profifußball nicht den besten Ruf. Jetzt ist der Verteidiger vom Absteiger...Foto: dpa

Herthas Neuzugang Maik Franz gilt als größter Rüpel der Bundesliga. Wir haben den 29-Jährigen, der heute nach einer Verletzung wieder ins Training einsteigen soll, mit zehn Thesen über sein Image konfrontiert.

Ohne Ihr Image würden Sie nicht in der Bundesliga spielen.
Ich habe 185 Bundesligaspiele bestritten, 31 Zweitligaspiele und 19 U-21-Länderspiele. Ich hatte (zählt in Gedanken durch) neun Trainer in meiner Profizeit. Die haben mich bestimmt nicht spielen lassen, weil sie sich gesagt haben: Der Maik ist privat ein netter Kerl und geht auf dem Platz an Grenzen. Sondern auch, weil ich Qualitäten habe.

Tomasz Hajto muss um seinen Bundesligarekord von 16 Gelben Karten in einer Saison fürchten.
Puh, das war knapp vergangene Saison. Ich hatte 14 Gelbe Karten, war aber elf Spiele lang verletzt, sonst hätte ich den Rekord geknackt. Ah, diese drei Karten... Nein, ernsthaft: Das ist ja nichts Rühmliches, womit man sich brüsten sollte. Ich will natürlich so wenig Karten wie möglich sammeln. Ich spiele ja auch nicht so oft Foul, werde aber schnell verwarnt, da gibt es Statistiken. 16 Karten sind schon viel, aber mal schauen, ein paar Jährchen bin ich ja noch dabei.

Sie überlegen sich schon vor dem Spiel, womit Sie Ihren Gegenspieler provozieren könnten.
Das nicht, so etwas entwickelt sich im Spiel. Das ist ein heikles Thema, aber letztlich ist es mein Job, dass mein Gegenspieler, der Stürmer, kein Tor schießt. Das versuche ich mit allen Mitteln zu bewerkstelligen. Wenn ich ihn mit einem Spruch aus dem Gleichgewicht bringen kann, dann ist das legitim. Aber das macht jeder, von der Kreisklasse bis zur Bundesliga.

Ihr Image als größter Rüpel der Liga stört Sie nicht.
Nein, gar nicht, ganz im Gegenteil: Ich finde es gut, wenn man ein Image hat. Das habe ich und irgendwann hört man auch auf, sich für Sachen zu rechtfertigen. Allen recht machen kann man es eh nicht. Damit bin ich ganz gut gefahren, bin jetzt im zwölften Profijahr und habe immer meine Spiele gemacht. Klar, es ginge immer noch besser. Aber man muss sich einschätzen können und ich glaube, dass ich mit meinen Möglichkeiten bis jetzt gut durchgekommen bin.

Mit der Rückennummer sieben sind Sie Herthas neuer Flügeltrickser.
Genau! Beckham, Ronaldo, Figo, Ribéry, Franz, alle mit der Nummer sieben, da reihe ich mich nahtlos ein. Wir kommen alle über die Außen und über die Technik. Nein, ernsthaft: Es war keine andere Nummer frei, zumindest keine einstellige.

Sie sind ein besserer Außen- als Innenverteidiger.
Wenn man nach der Statistik geht, dann ja. Ich habe in Frankfurt eine Saison auf außen gespielt und habe sechs Tore gemacht. Das sah zwar nicht immer elegant aus, aber war erfolgreich. Am liebsten spiele ich schon in der Mitte, da fühle ich mich am wohlsten und sichersten. Aber ich würde mich auch vorne reinstellen, wenn der Trainer denkt: Der hat Knipserqualitäten.

Sie haben kein Spiel der Frauenfußball-WM gesehen.
Lassen Sie mich überlegen. Wir haben natürlich oft zeitgleich trainiert, ansonsten lief es manchmal im Behandlungsraum für ein paar Minuten auf dem Fernseher. Doch, doch, das Spiel Deutschland gegen Nigeria zum Beispiel, das habe ich im Hotel komplett geschaut. Das war schon grenzwertig, wie die Nigerianerinnen da gespielt haben, als etwa eine von denen der Deutschen an der Außenlinie fast das Knie weggetreten hat.

Sie wollten als Kind Polizist werden. Bei Beamtenbeleidigung wären Sie heute sehr streng.
Jetzt, nach dieser Fußballkarriere, würde ich öfter darüber hinwegschauen. Wenn man emotional geladen ist, dann rutscht einem doch mal etwas heraus, das man im Nachhinein bereut. Wenn ich kein Fußballer geworden wäre, hätte ich die Polizeischiene weiter verfolgt.

Mit ihrem privaten Mentaltrainer machen Sie vor allem Entspannungs- und Beruhigungsübungen.
(lacht) Nein, man arbeitet an der Persönlichkeit, an Schwächen und an Dingen, die einen belasten. Ich bin schon seit fünf Jahren bei meinem Persönlichkeitstrainer, wie er sich nennt, und sehr zufrieden. Ich kann das jedem nur empfehlen. Denn unser Geschäft ist extrem. Es ist nicht so, dass in einer Mannschaft 26 Freunde sind, das ist auch harter Konkurrenzkampf. Es geht um sehr viel, du bist immer unter Druck und wenn es nicht läuft, dann wird es brutal. Wenn man da eine neutrale Person hat, bei der man Luft ablassen kann und die einem auch den Spiegel vorhält, dann ist das sehr förderlich.

Maik Franz ist doch ganz nett.
Definitiv. Alle, die mich näher kennen, können das beurteilen. Ich will mich nicht selber loben, aber ich habe das Herz am rechten Fleck und eine ordentliche Erziehung genossen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es in diesem Geschäft um sehr viel geht und es nichts zu verschenken gibt. Um das Maximum herauszuholen, muss man auch mal an seine Grenzen gehen.

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