• Herthas Profis zerstören die Quelle ihres Selbstbewusstseins und verteidigen Michael Preetz

Sport : Herthas Profis zerstören die Quelle ihres Selbstbewusstseins und verteidigen Michael Preetz

Frank Bachner

Jürgen Röber sprach hart und bestimmt, wie einer, der ein für alle Mal klarstellt, dass im Westen die Sonne untergeht. "Psychologisch hat das 1:4 auf die Bundesliga-Spiele keinen Einfluss. Die Bundesliga ist ein anderes Thema." Tatsächlich? Die Schlappe gegen Galatasaray Istanbul, die stecken die Spieler so einfach weg? Röber muss so reden, er darf jetzt nicht noch mehr Zweifel nähren. Aber Michael Preetz muss nicht so reden, zumindest nicht so kompromisslos. "In den Champions-League-Spielen haben wir immer Selbstvertrauen für die Bundesligaspiele getankt. Das ist jetzt nicht mehr so", sagt er. Bleibt ein Knacks in den Hinterköpfen, nach dem 1:4, vor dem Auswärtsspiel gegen Schalke? Bis jetzt haben die Berliner auch nach guten Europapokal-Ergebnissen in der Liga bedingt überzeugend gewirkt. Und jetzt? Nach dem 1:4? Preetz, der Hertha-Torjäger, blickt ein bisschen hilflos. Kann er nicht sagen, muss sich zeigen. "Nein", sagt dagegen Kjetil Rekdal, der Libero.

Natürlich weiß das niemand. Aber es gibt Hinweise, verklausulierte. Das 1:1 war für Hertha ein "Keulenschlag" (Röber), "es hat uns das Genick gebrochen" (Dariusz Wosz). Weshalb eigentlich? Das ist der Punkt. Hertha stand immer noch in der Zwischenrunde, Hertha hatte noch 42 Minuten Zeit, ein zweites Tor zu schießen. Aber statt Akzente zu setzen, ließen sich die Profis vorführen. Sie zeigten Nervenschwäche, als es nicht nötig war. Und so ein Team tritt gegen Schalke, den Tabellenfünften, selbstbewusst auf? Schwer vorstellbar.

Anderseits ist der Teamgeist immer noch ausgeprägt, bei der Außendarstellung jedenfalls. Um Preetz bauen die Spieler gerade eine Art Wagenburg. Sie verteidigen ihn, weil es Unruhe im Umfeld des Teams gibt. Nicht jeder versteht, dass Röber so lange an dem Torjäger festhält. Preetz schoss in der letzten Saison 23 Tore, ohne ihn wäre das Team nicht in der Champions League. Doch in dieser Runde hat es bisher zwei Mal getroffen. Das ist mager für einen Torjäger. Aber aus der Mannschaft gibt es keine Sticheleien gegen den 32-Jährigen. "Es gibt keine Diskussionen bei uns um Michael. Der arbeitet sehr viel für die Mannschaft. Keine Frage, der Lange muss von Anfang an gegen Schalke spielen", sagt Dariusz Wosz. Röber steht hinter Preetz, bis zur Toleranzgrenze, das spricht für ihn, aber irgendwann gehts nicht mehr. Das weiß auch Preetz. "Es ist keine Majestätsbeleidigung, wenn ich mal ausgewechselt werde", sagt er. "Aber es tut gut, wenn der Trainer hinter einem steht." Der Trainer zieht die Stirn in Falten und sagt vorsichtig: "Ich muss sehen, wie er trainiert. Aber man muss sich überlegen, ob man ihm nicht hilft, wenn man ihn gegen Schalke erst mal draußen lässt."

Wir müssen, sagt Kjetil Rekdal, Charakter zeigen. Im Fall Preetz zeigt ihn die Mannschaft schon. Im Fall Schalke fehlt noch der Beweis.

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