Sport : Herthas spätes Glück

Marko Pantelic verwandelt einen Elfmeter zum 2:1-Sieg gegen Wolfsburg

Michael Rosentritt

Berlin - Am Ende bekam Marko Pantelic eine Überdosis Dieter Hoeneß. Der Stürmer von Hertha BSC hatte fünf Minuten vor dem Spielende das Siegtor zum 2:1 (1:1) über den VfL Wolfsburg geschossen und machte inmitten der Umarmung durch den Vereinsmanager ein entschuldigendes Gesicht. Elfmetertore zählen zwar auch, aber es sind halt halb geschenkte Tore. Und ein solches brauchte der Berliner Bundesligist am gestrigen Nachmittag auch, um mit einem Sieg ins neue Jahr zu starten, Tabellenplatz fünf zu verteidigen und nebenher weiterhin ungeschlagen zu bleiben im heimischen Olympiastadion.

Dieses Mal waren etwas mehr als 40 000 Zuschauer gekommen, große Werbung in eigener Sache konnte Hertha nicht machen. „Grundsätzlich sind wir froh, mit einem Sieg in die Rückrunde gestartet zu sein“, sagte Herthas Trainer Falko Götz. Dieter Hoeneß wurde einen Tick präziser in seiner Bewertung. „Unterm Strich war es ein knapper, ein glücklicher Sieg.“ Daher seine Herzerei.

Es hatte in der Tat nicht viel gefehlt, und Wolfsburg wäre nicht mal unverdient belohnt worden. Zwei ehemalige Herthaner hätten sich wie Sieger fühlen dürfen. Marcelinho, der die Führung der Gäste nach nicht einmal 20 Minuten mit einem Freistoß vorbereitete, und Alexander Madlung, der den von Herthas Ersatz-Torwart Kevin Stuhr Ellegaard nicht festgehaltenen Ball über die Torlinie drückte. Das Berliner Publikum war mehr als bedient. Jede Ballberührung Marcelinhos quittierten die Hertha-Fans mit einem lautem Pfeifkonzert, aber der Brasilianer ließ sich davon nicht irritieren. Im Gegenteil, der 31-Jährige führte geschickt Regie und war nur durch Fouls zu stoppen. Nach einem solchen Foul sah Dick van Burik seine fünfte Gelbe Karte, weswegen er am Mittwoch in Hannover aussetzen muss. Insgesamt war Marcelinho eine Stunde lang eine Klasse besser als das komplette Hertha-Mittelfeld. Yildiray Bastürk, Gilberto und Ashkan Dejagah wirkten wie gelähmt in Gegenwart ihres einstigen, dominanten Mitspielers. Herthas sonst so begabter Mannschaftsteil agierte größtenteils ideen- und geschwindigkeitslos. Götz und Hoeneß teilten diese Auffassung erwartungsgemäß nur bedingt. Beide Berliner Funktionsträger verwiesen auf die allseits gefürchtete Unbequemlichkeit der Wolfsburger.

Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Christian Gimenez resultierte aus einem Zufallspass Pal Dardais, der – mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stehend – den Ball blind in den Strafraum schlug. Dort ließ Gilberto den Ball kontaktlos passieren, sodass er vor den Füßen des einschussbereiten Argentiniers landete. Beinahe hätte Pantelic kurz vor der Pause Hertha in Führung gebracht, aber der starke Torwart Simon Jentzsch lenkte seinen Kopfball noch an die Latte. Im Gegenzug verfehlte Diego Klimowicz das Tor der Berliner nur knapp.

Die Mannschaft von Klaus Augenthaler wirkte vor allem in der zweiten Halbzeit spiel- und selbstbewusster. Stuhr Ellegaard, dem das 0:1 anzulasten war (Götz: „Über den Freistoß brauchen wir nicht zu reden“), hielt Hertha in dieser Phase durch gute Paraden gegen Schüsse von Jacek Krzynowek und Miroslav Karhan auf Augenhöhe. „Das ist eine bittere, weil unnötige Niederlage“, sagte Augenthaler. „Wir waren heute nicht die schlechtere, aber unglücklichere Mannschaft.“ Und Torwart Jentzsch, der die einzige Chance der Berliner in der zweiten Halbzeit durch Gimenez glänzend vereitelte, fügte später hinzu: „Heute wäre sogar mehr als ein Punkt drin gewesen.“

Dass es nicht einmal dafür langen sollte, verdankten die Berliner ihrem cleveren Stürmerpärchen. Nach einer feinen Vorarbeit Pantelics suchte Gimenez im Strafraum geschickt Körperkontakt zu Wolfsburgs Kapitän Kevin Hofland. Dieser stieg tatsächlich ungeschickt ein – Gimenez kam theatralisch zu Fall, und Schiedsrichter Brych blies in seine Pfeife. Schließlich verwandelte Marko Pantelic vergleichsweise humorlos den Strafstoß zum 2:1. Für den Serben, der die Torjägerliste nun allein anführt, war es der elfte Saisontreffer. Am Ende lächelte er und sagte: „Im Endeffekt ist egal wie, Hauptsache wir haben gewonnen.“

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