Herthas Stürmer : Adrian Ramos: Kühler Kopf im Fernduell

Nur der Haarschnitt misslingt ihm: Mit seinen Toren zeigt Adrian Ramos beim Sieg in Hoffenheim, dass er wertvoller für Hertha sein kann als der derzeit verliehene Pierre-Michel Lasogga.

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Adrian Ramos. Foto: Imago
Adrian Ramos.Foto: Imago

Bei Adrian Ramos hat nicht alles geklappt in dieser Woche. Dabei ist es eigentlich sympathisch, dass der Stürmer von Hertha BSC noch selbst Hand anlegt am eigenen Haupthaar und keinen Star-Coiffeur einfliegen lässt wie andere Millionärskicker. „Ich schere immer selbst“, sagt Ramos. Doch am Donnerstag ist dem Kolumbianer mit der Maschine ein Malheur passiert, als Korrektiv musste er den Rest der Kurzhaarfrisur auch absäbeln. Das Resultat war eine Glatze, die bis Samstag kaum wieder zugewuchert war.

Behindert hat ihn die ungewohnte Aerodynamik rund um die Ohren nicht: Ramos erzielte beim 3:2 bei Hoffenheim zwei Tore und bereitete ein weiteres vor. Wichtig war dabei vor allem sein Siegtreffer, der nach einer verspielten 2:0-Führung doch noch den ersten Berliner Auswärtssieg in dieser Saison brachte.

Die Erleichterung war tags darauf nach dem Ausradeln der Stammspieler spürbar, nicht nur bei Jos Luhukay. „Wir waren einige Male nah dran, sind gestern nicht eingeknickt und haben uns endlich belohnt,“ sagte der Trainer. Der Niederländer stand schon mit gepacktem Koffer für einen Kurztrip in die Heimat bereit, nicht nur er darf als Belohnung ein gutes Gefühl mit in die Länderspielpause nehmen. Bei einem erneuten Misserfolg „hätten alle verdrängt, dass wir gegen Bayern und Schalke gut gespielt haben und nur von drei Niederlagen in Folge gesprochen“, sagte Luhukay, der froh war, dass Hertha das erspart blieb.

Ramos’ zweiter Doppeltorerfolg der Saison war aber auch wichtig für sein eigenes Standing. Das sollte bei Hertha nach sieben Saisontoren und vier Vorlagen in zwölf Spielen eigentlich keine Nachhilfe brauchen. Wäre da nicht ein Hamburger Stürmer, der am Samstag zeitgleich im achten Spiel seine Saisontreffer sieben und acht erzielte. „Ich habe die Tore gesehen, die waren sehenswert“, sagte Luhukay über Pierre-Michel Lasogga. „Aber unser Gefühl ist besser, weil wir gewonnen haben.“ Die Tore des Leihstürmers aus Berlin halfen dem Hamburger SV wenig, der wegen einer dilettantischen Defensivleistung 3:5 in Leverkusen verlor.

Und so kommen erst gar keine Stimmen auf, dass die Berliner die falsche Entscheidung getroffen haben könnten, als sie auf Ramos als klare Nummer eins im Angriff setzten und den dadurch entbehrlichen Ersatz Lasogga ziehen ließen. „Zwei gute Spieler auf einer Position geht eben nicht“, sagte Luhukay, der sich trotzdem über die Entwicklung des Leihstürmers freut, zumal offen ist, wo der ab Sommer 2014 spielt. „Beide zeigen unabhängig ihre Qualität“, sagte der Trainer, „aber Ramos hat letzte Saison schon unglaublich wichtige Tore für den Aufstieg geschossen.“

Ramos war bei Hertha oft für das wichtige 1:0 zuständig, das er diesmal in Hoffenheim vorbereitete. Für Änis Ben-Hatira, einen der Mittelfeldspieler, von denen Luhukay zuletzt gefordert hatte, Ramos beim Toreschießen zu unterstützen. Ramos glänzte nicht nur wegen der Glatze, sondern auch mit seiner Spielübersicht und Cleverness, die der 27-Jährige dem 21-jährigen Lasogga noch voraus hat. Vor dem 2:0 lag es jedoch nicht an dem um wenige Gramm reduzierten Körpergewicht, dass Ramos im Strafraum die Balance verlor – er war mit einem losen Stück Rasen weggerutscht. „Ein bisschen Glück gehört auch dazu“, sagte er tags darauf. Nach dem schmeichelnden Pfiff schnappte er sich selbst den Ball, weil er sich sicher fühlte, und verwandelte seinen ersten Strafstoß für Hertha sicher. „In Kolumbien habe ich schon einige geschossen“, sagte er, „einige waren drin, einige nicht.“ Das Siegtor köpfte er dann auch mit ganz hoher Stirn präzise und jubelte ausgelassen.

Denn wichtig könnten diese Treffer auch für sein Standing über den Klub hinaus sein. Denn Ramos will 2014 nach Brasilien reisen, mit seiner Nationalmannschaft, die sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Doch während bei Hertha einige Spieler diese Woche zu ihren Auswahlteams reisen, erhielt Ramos auch zu den Freundschaftsspielen der Kolumbianer in Belgien und den Niederlanden keine Einladung. „Ich habe immer die Hoffnung zurückzukehren“, sagt Ramos nach zwei Jahren ohne Nominierung.

Da hilft es, wenn Ramos nach zuletzt vier Toren in vier Spielen nun im Winter weitertrifft, auch wenn dem Südamerikaner die Kälte nicht wirklich liegt. „Die Haare wachsen diese Woche wieder nach“, sagt er daher. Es ist also nicht zu befürchten, dass Pierre-Michel Lasogga bald mit einer Glatze für den HSV auflaufen muss, um im Fernduell nachzuziehen.

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