Herthas Stürmerstar : Woronins erster Abschiedsgruß

Erfolgreich, aber nur ausgeliehen: Herthas Stürmerstar Andrej Woronin spricht erstmals offen von seinem Weggang aus Berlin.

Ingo Schmidt-Tychsen,Sebastian Stier
wowro
Herthas Woronin im Olympiastadion. -Foto: ddp

Berlin Freitag auf dem Trainingsgelände von Hertha BSC. Andrej Woronin tut das, was ihn seit September in Berlin so beliebt und in der Bundesliga so gefürchtet gemacht hat: Der 29-Jährige versenkt einen Ball nach dem anderen. Doch wie es aussieht, müssen die Berliner Fans bald Abschied von ihrem Liebling nehmen. Woronin, der momentan nur als Leihgabe bei den Berlinern beschäftigt ist und noch zwei Jahre beim Premier-League-Klub FC Liverpool unter Vertrag steht, äußerte sich gestern auf Nachfrage pessimistisch, was einen Verbleib in Berlin über das Saisonende hinaus angeht: „So, wie es bis jetzt aussieht, gehe ich zurück nach Liverpool.“

Es ist das erste Mal, dass sich der Ukrainer so dezidiert zu seiner Zukunft äußert, nachdem er und sein Berater Andrej Golowasch Hertha BSC in der Vergangenheit immer wieder zu einer baldigen Entscheidung hinsichtlich Woronins Verpflichtung gedrängt hatten. Liverpool verlangt für den ukrainischen Nationalspieler etwa 4,5 Millionen Euro als Ablösesumme. Zu viel für Hertha, die den Transfer nur mit Millioneneinnahmen aus der Champions League bewältigen könnte.

Dass der Transfer momentan nicht realisierbar ist, bekräftigte am Freitag noch einmal Manager Dieter Hoeneß: „Im Moment können wir das Paket nicht stemmen.“ Die Berliner stehen vor dem Spiel am Sonntag gegen Werder Bremen in der Bundesliga auf Platz vier, zwischen Meisterschaft und dem Verpassen der Qualifikation für das internationale Geschäft ist alles möglich. In dieser ungewissen Situation will sich der Verein nicht festlegen. Woronin hat dafür Verständnis: „Wenn der Verein kein Geld hat, kann ich das verstehen, aber nicht ändern. Dann gehen wir getrennte Wege. Ich habe immer gesagt, dass ich gerne bei Hertha bleiben würde, aber ich kann mich ja nicht selbst freikaufen.“ Woronin bestätigte, dass er seine Wohnung in Berlin zum 31. Mai aufgibt. „Meine Frau und ich wollten uns ein Haus kaufen, aber das brauchen wir wohl nicht.“

In Woronin würde Hertha seinen mit elf Treffern erfolgreichsten Torjäger dieser Saison verlieren. Allein in der Rückrunde hatte Woronin sieben Tore erzielt und die Berliner damit zum Tabellenführer gemacht. Seinem Trainer Lucien Favre gefällt vor allem die Vielseitigkeit des Stürmers, der sich gerne ins Mittelfeld zurückfallen lässt, um sich die Bälle schon dort zu holen. Seine Torgefahr hat Woronin in Berlin wiederentdeckt, in der Premier League traf der Ukrainer in der vergangenen Spielzeit nur fünfmal in 19 Begegnungen. Zuvor hatte er drei Jahre lang erfolgreich und ziemlich treffsicher für Bayer Leverkusen gespielt.

In den letzten Wochen lief es dann nicht mehr so gut für Woronin und seine Hertha. Während der vergangenen drei Bundesligaspiele erzielte Woronin kein Tor mehr – Hertha verlor alle drei Par tien und stürzte von der Tabellenspitze. Nach der ersten von den drei Niederlagen brach er sich in einem WM- Qualifikationsspiel auch noch das Nasenbein. In der Schlussphase des Spiels bei Hannover 96 vergangene Woche (0:2) sah er die Rote Karte und ist nun auch noch für die drei kommenden Spiele gegen Bremen, Hoffenheim und Hamburg gesperrt. Es war die erste Rote Karte in der Profikarriere Woronins. Er wird nach seiner Rückkehr einiges dafür tun müssen, dass diese keinen bleibenden Eindruck in Berlin hinterlässt. Viel Zeit bleibt Woronin dafür nicht mehr: Genau vier Spiele bis Saisonende, denn dann ist Woronin wohl weg.

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