Herthas Sturmmisere : Das Gegenteil von Euphorie

Tore, so sagt man, sind die besten Argumente eines Stürmers. Herthas Stürmer Theofanis Gekas sollte der Trumpf im Abstiegskampf werden. Doch seine Bilanz ist so mager wie die seines Teams.

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Berlin - Als es ernst wurde, verabschiedete sich Herthas erster Sturm. Das Aufwärmen hatten Sergio Ramos und Theofanis Gekas noch mitgemacht, genauso die beliebte Übung „Fünf gegen zwei“; als Trainer Friedhelm Funkel dann aber zum Trainingsspiel fast über den kompletten Platz bat, verschwanden die beiden Angreifer des Berliner Fußball-Bundesligisten in die Kabine. „Müde, müde“, sagte Gekas, der am Tag zuvor 45 Minuten für seine Nationalmannschaft gespielt hatte. Ob die Müdigkeit eher in den Beinen steckte oder doch im Kopf, sagte der Grieche nicht. In der Heimat war es für ihn im Länderspiel gegen den Senegal nicht anders gelaufen als zuletzt mit Hertha in der Bundesliga: Seine Mannschaft verlor, und Gekas, der Stürmer, blieb ohne Tor.

Drei Spieler hat Hertha BSC im Winter für das Projekt Rettung geholt, mit keinem verbanden sich größere Hoffnungen als mit dem Nationalspieler aus Griechenland. Den Berlinern schien mit seiner Verpflichtung ein schöner Coup gelungen zu sein, bisher aber ist Gekas’ Bilanz ähnlich wie die seines Arbeitgebers in der Rückrunde. Zwei Tore hat er in sieben Spielen erzielt, das ist irgendwie okay, aber alles andere als überragend. Die große Euphorie vermochten weder Gekas noch Hertha zu entfachen. Im Gegenteil. Nach der 0:2-Niederlage zuletzt gegen Hoffenheim bekamen beide eine Menge Kritik ab.

Tore, so sagt man, sind die besten Argumente eines Stürmers. Für Gekas gilt das nur bedingt. Für ihn sind Tore das einzige Argument. Andere hat er nicht. Er ackert nicht nach hinten, wie das im modernen Fußball verlangt wird, er fällt nicht als Vorbereiter auf, manchmal fällt er überhaupt nicht auf. Gegen Hoffenheim hatte Gekas – wie so oft – von allen Spielern die wenigsten Ballkontakte (30), sogar Jaroslav Drobny im Tor von Hertha kam auf mehr (40). Und trotzdem sagt Friedhelm Funkel: „Er hat weiter mein Vertrauen.“

Was soll er auch machen? Echte Alternativen im Sturm hat Herthas Trainer nicht. Waleri Domowtschiski stand gegen Hoffenheim wegen mäßiger Trainingsleistungen nicht im Kader, Artur Wichniarek blieb selbst dann noch auf der Bank, als die Berliner eigentlich mit aller Macht auf den Ausgleich hätten drängen müssen – „weil wir es vorne noch enger gemacht hätten“, rechtfertigte sich Funkel. De facto hatte er damit eingestanden, dass er für den Fall eines Rückstands keine offensive Wechselmöglichkeit besaß.

Auch wegen solcher Entscheidungen (oder Nicht-Entscheidungen) ist Funkel in die Kritik geraten. Aus dem eigenen Präsidium wurde der Vorwurf laut, er sei zu defensiv, in der Personalführung genauso wie bei der Gestaltung des eigenen Spiels. „Das ist ja nicht richtig“, sagt Funkel. „Das sind alte Kamellen.“ Gegen Hoffenheim habe er seine Mannschaft offensiv aufgestellt wie lange nicht, mit zwei Stürmern und Raffael direkt hinter. „Das Einzige, was fehlt, ist das Wichtigste“, sagt Funkel. Tore, Tore, Tore. Doch dazu hätte der Ball auch mal aufs Tor kommen müssen. Gegen Hoffenheim schafften die Berliner das trotz anfänglicher Überlegenheit nur ein einziges Mal.

„Mehr Konsequenz, mehr Mut, mehr Leidenschaft, mehr Kampf“ verlangt Herthas Manager Michael Preetz daher an diesem Samstag beim Hamburger SV gerade von seinen Offensivspielern. „Ich erwarte, dass die Mannschaft über ihre Grenzen geht, dass sie ein Stück mehr macht, als selbstverständlich ist.“ Preetz ist zuletzt ähnlich zaghaft aufgetreten wie Herthas Angreifer in den vier Heimspielen dieses Jahres. Vor der Begegnung beim HSV aber ging er entschlossen in die Offensive. „Wir sind noch im Rennen, und wir müssen die Chance verdammt noch mal ergreifen“

Insgeheim hoffen sie bei Hertha, dass ihnen das auswärts leichter fällt als im eigenen Stadion – vor allem den Stürmern. Von den drei Spielen in der Fremde haben die Berliner in der Rückrunde immerhin zwei gewonnen; in den vier Heimspielen schoss Hertha ein einziges Tor, in den drei Auswärtsspielen waren es bereits sieben Treffer. „Das muss uns Sicherheit geben“, sagt Michael Preetz. Vielleicht findet auch Theofanis Gekas Trost in der Statistik: Alle seine Tore für Hertha hat er auswärts erzielt. Alle beide.

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