Herthas Torhüter : Fiedlers Pech ist Gängs Glück

Nach dem Kreuzbandriss des zweiten Hertha-Torwarts Christian Fiedler hofft der junge Christopher Gäng auf seine Chance. Unser Reporter Claus Vetter berichtet aus dem Trainingslager des Berliner Bundesligisten auf Mallorca.

Claus Vetter[Palma de Mallorca]
Gäng
Auf dem Sprung. Christopher Gäng will seine Chance nutzen.Foto: ddp

In der 90. Spielminute wird es finster im Ono Estadi – Flutlichtausfall. Die wenigen Zuschauer, die in Palma de Mallorca am Sonntag bereit waren, für das Testspiel zwischen Hannover 96 und Hertha BSC 30 Euro Eintritt zu zahlen, johlen. Die Nachspielzeit fällt aus, Hannover hat 3:1 gewonnen. Ein düsteres Ende des Spieles, auf das sich Christopher Gäng so gefreut hatte. „Natürlich war ich angespannt vor meinem ersten Spiel gegen einen Bundesligisten“, sagt Herthas Ersatztorwart. „Aber leider ist es nicht so verlaufen, dass ich mich auszeichnen konnte.“

In der 19. Spielminute war ein haltbar scheinender Heber des Hannoveraners Jan Schlaudraff über Gäng ins Tor gesegelt. Herthas Trainer Lucien Favre monierte: „Da muss Christopher das Spiel besser lesen.“ Es war also eine etwas unglückliche Probe für Gäng, die aber keine Konsequenzen haben sollte. Hertha beabsichtigt nicht, einen neuen Torwart zu verpflichten. Am Freitag hatte sich Christian Fiedler beim Spiel gegen Newcastle schwer verletzt. Kreuzbandriss, ein halbes Jahr Pause: Fiedlers Pech ist Gängs Glück. Er ist aufgerückt in der Torwarthierarchie beim Berliner Bundesligisten auf die zweite Position hinter Jaroslav Drobny. Vor einem Jahr erst ist Gäng aus Mannheim nach Berlin gekommen, eine Saison in der zweiten Mannschaft hat er hinter sich. In der am Freitag für Hertha mit dem Pokalspiel in Trier beginnenden Spielzeit wird er nun bei den Profis auf den Bank sitzen. „Natürlich ist das eine Chance für mich“, sagt er. „Als Nummer zwei ist man auf dem Sprung.“

An sich erfüllt Gäng das Anforderungsprofil von Trainer Favre. Er ist kräftig, groß (1,88 Meter), kann mit dem Ball umgehen – und er ist jung, gerade einmal 20. Das ist sein Vorteil gegenüber dem 33-jährigen Kollegen Fiedler, der sich trotz seiner Verletzung nicht geschlagen geben will. In der Winterpause werde er wieder auf dem Platz stehen, sagt Fiedler. Und Torwarttrainer Enver Maric glaubt: „Der Christian wird schneller zurückkommen, als jeder andere das schaffen würde.“ Es kann also sein, dass Christopher Gäng nur in der Bundesliga-Hinrunde auf seine große Chance hoffen darf.

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