Herthas Torwart : Die Sicherheit von hinten

Herthas Erfolg in der Hinrunde der Bundesligasaison hat viele Gründe – einer davon ist Torhüter Jaroslav Drobny.

Stefan Hermanns
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Und hinten hält Drobny. Herthas Torwart hat sich stark verbessert.Foto: dpa

Am Ende des Spiels konnte der Spieler des Spiels den guten Eindruck nicht mehr ganz aufrechterhalten. Er geriet ein wenig ins Abseits. Mit der schönsten Szene des Spiels hatte er nicht das Geringste zu tun. Fünf Minuten waren es noch bis zum Ende, als der Ball mit einer flirrenden Flachpasskombination über fünf Stationen mit je einem Kontakt zu Fabian Lustenberger in den Strafraum gelangte. Lustenbergers Schuss landete am Pfosten, der Schweizer setzte nach und drückte den Ball zum 3:0 für Hertha BSC über die Linie. „Das war das beste Tor, das ich gesehen habe, seitdem ich hier bin“, sagte Lucien Favre, der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten. Der Spieler des Spiels war daran ebenso wenig beteiligt wie kurz darauf am Tor zum 4:0-Endstand. Es lag in der Natur der Sache. Der Spieler des Spiels hieß Jaroslav Drobny: Er steht bei Hertha im Tor.

Auf den ersten Blick ist das mehr als paradox: Vier zu null gewonnen – und der beste Mann ist der Torhüter. Bei Hertha aber steckt dahinter System. Dass die Berliner die Hinrunde auf Platz drei beenden, ist zunächst einmal ihrer überzeugenden Defensivarbeit geschuldet, und die beginnt beim Torwart. „Du brauchst einen sehr guten Goalie“, sagt Favre. Hertha hat ihn, das hat das Spiel gegen den KSC erneut gezeigt. Nach der frühen Führung durch Maximilian Nicu bewahrte Drobny seine Mannschaft gleich dreimal mit katzengleichen Reflexen vor dem Ausgleich. „Ich weiß nicht, ob wir auf das 1:1 hätten reagieren können“, sagte Herthas Trainer. „Ich denke nicht.“

So aber nahm die Hinrunde für die Berliner mit dem sechsten Heimsieg hintereinander doch noch ein überaus erfreuliches Ende. Für den überraschenden Erfolg gibt es einige Gründe: Der Brasilianer Cicero hat sich als echte Verstärkung erwiesen, das Mittelfeld insgesamt ist deutlich torgefährlicher als noch in der Vergangenheit, die Innenverteidigung mit Arne Friedrich und Josip Simunic zählt zum Besten, was es in der Liga gibt – den größten Entwicklungssprung aber hat mit 29 Jahren Jaroslav Drobny gemacht. „Er hat eine super Hinrunde gespielt“, sagt Kapitän Friedrich. „Er zeigt jetzt, welche Klasse er hat. Wir sind froh, dass wir ihn haben.“

„Das erste Jahr war vielleicht nicht so souverän“, sagt Kapitän Friedrich

Ein Jahr mussten sie bei Hertha warten, bis der Tscheche diese Klasse offenbarte. „Das erste Jahr war vielleicht nicht so souverän“, sagt Friedrich. Nach seinem Wechsel aus Bochum spielte Drobny – wohlwollend formuliert – solide. Jetzt gewinnt er seiner Mannschaft Punkte und Spiele. So wie gegen Wolfsburg, als er in letzter Sekunde das 2:3 verhinderte, vor allem aber beim 1:0 in Leverkusen. Favre bescheinigte Drobny nach dem Spiel, er habe gehalten wie Jesus. Auch nach dem Sieg gegen Karlsruhe bemühte der Schweizer Übersinnliches, um die Leistung des Tschechen zu würdigen: „Er hat wieder ein, zwei Wunder vollbracht.“ In der Hinrunde spielte Drobny sechsmal zu null. Häufiger hat das kein anderer Torwart in der Bundesliga geschafft. „Wir haben einen richtigen Kerl im Kasten, einen Schrank“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Er hat eine richtige Präsenz, die uns gut tut.“

In seiner ersten Saison konnte Drobny die Erwartungen nur bedingt erfüllen. „Berlin ist etwas anderes als Bochum“, sagt Favre. „Er brauchte Zeit, um sich einzugewöhnen.“ Drobny selbst findet es ganz normal, dass er sich erst auf die neuen Kollegen einstellen musste: „Es dauert ein paar Monate, bis man weiß, wie die Verteidiger sich in bestimmten Situationen verhalten.“ Auch mit dem Training von Enver Maric und Nello di Martino hatte Drobny anfangs Probleme. Es ist sehr technisch und erfordert ein hohes Maß an Konzentration. „Sie haben mir sehr viel geholfen“, sagt Drobny über seine beiden Torwarttrainer. „Sie haben nicht versucht, mich mit Gewalt zu ändern. Das ist mit 29 auch schwierig. Sie haben gesagt: Probier es einfach aus.“

Auffallend ist die mentale Stärke, die Drobny jetzt ausstrahlt. Vor einer Woche beim 0:1 in Schalke verschuldete er das entscheidende Gegentor, gegen Karlsruhe aber war er frei von Verunsicherung. „Er hat jetzt viel mehr Vertrauen“, sagt Trainer Favre. „Weil er spürt, dass die anderen ihm total vertrauen.“ Es gibt auch keinen Grund, das nicht zu tun.

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