Herthas Verletzungspech : Favres Puzzle passt nicht mehr

Mindestens zwei Monate müssen die Berliner auf Amine Chermiti verzichten. Die Verletzung des Stürmers bringt noch einmal Bewegung in Herthas Personalplanungen.

Stefan Hermanns
Hertha BSC-Chermiti Foto: Engler
An Krücken. Amine Chermiti.Foto: Engler

Bis zum Donnerstagabend war die Angelegenheit, bei allen Schwierigkeiten, noch einigermaßen übersichtlich: Hertha BSC will den Argentinier Dario Conca verpflichten – und benötigt noch die Zustimmung von dessen brasilianischem Verein Fluminense. Hertha BSC würde Solomon Okoronkwo gerne noch veräußern – und muss auf das entsprechende Angebot eines interessierten Vereins warten. So weit, so einfach. Am Donnerstagabend aber kam ein neuer Dreh in die Angelegenheit. Ein trauriger. In der Uefa-Cup-Qualifikation gegen Interblock Ljubljana musste Amine Chermiti schon nach sieben Minuten mit Verdacht auf Innenbandriss im Knie vom Platz. "Der Verdacht hat sich bestätigt“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß am Tag danach. Chermiti wird dem Berliner Fußball-Bundesligisten mindestens zwei Monate fehlen.

Drei Tage vor Ablauf der Transferperiode ist in Herthas Personalpolitik noch einmal Bewegung gekommen. Eine definitive Entscheidung in der Personalie Conca sollte gestern fallen – so oder so. Bei Redaktionsschluss stand sie noch aus. Für den Nachmittag hatte sich Hoeneß telefonisch mit den Verantwortlichen von Fluminense verabredet. Conca, offensiver Mittelfeldspieler, war das letzte Puzzlestück in Herthas Personalplanung. Mit seinem Transfer sollte die Umgestaltung des Kaders eigentlich abgeschlossen sein, doch nun hat sich noch einmal eine neue Geschäftsgrundlage ergeben.

Okoronkwo soll trotzdem gehen

Die Berliner denken darüber nach, als Ersatz für den verletzten Chermiti einen weiteren Stürmer zu verpflichten. Sie könnten natürlich auch den Verkauf von Solomon Okoronkwo stoppen, doch diese Variante schloss Hoeneß aus. Auch diese Personalie stand gestern kurz vor dem Abschluss. Es gebe zwei Vereine, die sowohl sportlich als auch finanziell für den Nigerianer interessant seien. Insgesamt waren bei Hertha vier Angebote für den 21-Jährigen eingegangen. Okoronkwo, seit dreieinhalb Jahren in Berlin, galt als überragendes Talent. Die hohen Erwartungen aber hat er nie erfüllen können. Zuletzt wurde er von Hertha für die nigerianische Olympia- Mannschaft abgestellt, damit er sich für andere Vereine empfehlen konnte. Dieser Plan ist aufgegangen. Okoronkwo war während des Turniers Stammspieler, holte mit Nigeria die Silbermedaille und steigerte seinen Marktwert auf über eine Million Euro.

Das Geld für Okoronkwo könnte Hertha in einen neuen Stürmer investieren, um den Ausfall Chermitis zu kompensieren. Der Tunesier sollte eigentlich den Konkurrenzkampf im Angriff vergrößern; nun aber fehlen Trainer Lucien Favre neben Marko Pantelic erneut die Alternativen. Der Brasilianer Raffael spielt eher im offensiven Mittelfeld als im Sturm, und der Bulgare Waleri Domowtschiski, der Ende der vorigen Saison Fortschritte gemacht hat, konnte nach seiner Einwechslung gegen Ljubljana nicht nachweisen, dass er eine echte Hilfe ist. "Wir denken darüber nach, noch jemanden zu verpflichten“, sagte Hoeneß, "aber nicht mit Krampf und Gewalt. Wir werden nicht irgendeine Pseudolösung holen.“ Viel Zeit bleibt den Berlinern allerdings nicht mehr. Am Montagmittag schließt die Transferliste, bis Mitternacht müssen alle Formalien geklärt sein.

Hoeneß beneidet Hamburg

Zudem sind Herthas finanzielle Mittel weiterhin eingeschränkt. Insgesamt stehen neun Millionen Euro zur Verfügung, rund 5,4 Millionen hat der Klub bereits für die bisherigen sieben Zugänge ausgegeben. Der Verkauf von Solomon Okoronkwo würde den Spielraum laut Hoeneß etwas erweitern, "allerdings nicht in die Dimensionen des HSV". Während Hertha mit dem Geld haushalten muss, hat der Hamburger SV innerhalb eines Tages mal eben fast 25 Millionen Euro für drei Spieler ausgegeben, unter anderem für den Brasilianer Thiago Neves, der mit Conca bei Fluminense gespielt hat.

"Die Hamburger sind schön in die Vollen gegangen", sagte Hoeneß. "Natürlich beneide ich sie. Aber das ist nicht die Garantie, dass sie auch Erfolg haben." Im Übrigen bezweifle er die Rechnung, dass der HSV nur das Geld ausgegeben habe, dass er durch Spielerverkäufe auch eingenommen habe, die Bilanz stimme nicht. In dieser Bilanz tauchen zum Beispiel 7,5 Millionen Euro für Thiago Neves auf. Herthas Manager kennt offensichtlich andere Zahlen. "Für Thiago Neves mehr als zehn Millionen Euro zu bezahlen – das ist schon mutig." Hoeneß muss das wissen: Schließlich war er auch an dem Brasilianer interessiert.

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