Sport : Herthas zornige junge Männer

Diesmal sieht Boateng Rot, aber auch Okoronkwo und Dejagah sind schon durch Brutalität aufgefallen

Ingo Schmidt-Tychsen[Marbella]

Das Testspiel in Marbella ist längst entschieden, Hertha BSC führt 2:0 gegen Wacker Burghausen. Der Ball wird im Mittelfeld herumgeschoben. Plötzlich ein Aufschrei. Björn Hertl liegt am Boden und hält sich das Knie. Herthas Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng ist ihm brutal in die Beine gesprungen. Boateng muss mit der Roten Karte den Platz verlassen, seine Entschuldigung will Hertl nicht annehmen. Burghausens Mannschaftsarzt Josef Harrer findet die Vorgeschichte des Fouls noch schlimmer als die Grätsche selbst: „Er hat schon vorher die ganze Zeit provoziert und das Foul sogar angekündigt.“ Das sei an der Seitenlinie deutlich zu hören gewesen.

Boateng räumte gestern ein, „einen Fehler gemacht“ zu haben. Er wolle sich nun ändern. Es ist nicht das erste Mal, dass der 18-Jährige durch Unbeherrschtheit auffällt: Allein in der vergangenen Saison flog er in 18 Spielen für die Regionalliga-Mannschaft zweimal vom Platz. Herthas Trainer Falko Götz sagt: „Er muss daraus lernen.“ Boateng werde eine Strafe zahlen müssen, es wurden bereits drei Gespräche mit ihm geführt. Eines mit dem Manager Dieter Hoeneß, eines mit Trainer Götz und eines mit dem Mannschaftsrat. „Er muss sich über die Folgen seines Handelns bewusst werden“, sagt Götz. Boateng habe so etwas wie eine Vorbildfunktion für die anderen jungen Spieler.

Und die haben sich vielleicht schon ein bisschen zu viel bei dem talentierten Boateng abgeschaut. Denn auch der 18-jährige Solomon Okoronkwo und der 19-jährige Ashkan Dejagah sind häufig zu aggressiv. Dejagah hat bereits drei Platzverweise in der Regionalliga bekommen, Okoronkwo musste in der Vorbereitung auf die Saison im Testspiel gegen Rotterdam nach einer Tätlichkeit den Platz verlassen.

„Ich bin so konzentriert, während ich auf dem Feld stehe, dass ich das manchmal gar nicht merke“, sagt Okoronkwo. Der Nigerianer wirkt bei seinen Einsätzen stets angespannt. Wenn er ein Tor erzielt, so wie am Donnerstag gegen Burghausen, dann bricht die Freude aus ihm heraus, er schlägt Löcher in die Luft und schreit. Auch Boateng und Dejagah scheinen sich stark unter Druck zu setzen – ihre Gesichtszüge bleiben starr, während sie Fußball spielen.

Götz sagt: „Eigentlich ist es gut, dass sie aggressiv sind. Aber sie müssen den Grat zwischen Aggressivität und Revanchefouls finden.“ Für Boateng wird das wohl am schwierigsten. Bei ihm kommen eine aggressive Ausstrahlung und eigenwillige Bewegungsabläufe dazu. Er läuft sehr aufrecht und breitbeinig, und selbst im Training dreht sich Boateng manchmal so mit beiden Beinen in einen Gegenspieler hinein, dass er ein hartes Foul begeht.

Ashkan Dejagah ist sich sicher, dass er in Zukunft keine Probleme mehr mit zu viel Aggressivität haben wird. „Ich habe meiner Familie versprochen, dass das nicht mehr vorkommt“, sagt er. Hoffentlich setzt er sich damit nicht zu stark unter Druck.

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