Sport : Herz, Leidenschaft, aber keine Tore

Daniel Pontzen

Gewöhnlich zieren Siegerbilder die Titelseiten von Stadionheften. Keine leichte Aufgabe für die Redakteure des Kölner "Geißbock-Echos" nach nur einem Sieg in den letzten siebzehn Spielen, aber auch keine unlösbare. Vor der gestrigen Partie gegen Werder Bremen behalf man sich kurzerhand mit einem strahlenden Rigobert Song, der letzte Woche mit der Nationalmannschaft Kameruns den Afrika-Cup gewonnen hat. Weil der Verteidiger zum Ärger der Kölner jedoch noch nicht an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt, erwägt der FC nun, rechtliche Schritte gegen Kameruns Fußballverband einzuleiten. Vor dem nächsten Heimspiel müssen die Hofjournalisten des Tabellenletzten erneut in die Trickkiste greifen. Auch im neunten Anlauf hintereinander gelang den Kölnern kein Sieg. 0:0 endete das Erstlingswerk von Trainer Friedhelm Funkel, dessen Mission Klassenerhalt drei Tage nach seiner Anstellung bereits gescheitert scheint.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Funkel ließ sich vom hektischen Auftritt seines Teams dennoch nicht davon abbringen, das Remis als "ersten Schritt in die richtige Richtung" einzuordnen. "Leidenschaft, mannschaftliche Geschlossenheit, Herz - all das habe ich heute gesehen", sagte Funkel. "Ich hoffe nur, dass wir bald endlich ein Tor schießen." 869 Minuten ist es her, dass dies einem Kölner zuletzt gelang.

Der Zustand der neu formierten Kölner Elf ähnelte anfangs dem der Südkurve des Müngersdorfer Stadions, die nach dem Abriss vor einigen Wochen als einzige Baustelle dasteht. Wenig Konstruktives, keine Ordnung; an den Markenzeichen des 1.FC Köln 2002 konnte Friedhelm Funkel in der Kürze der Zeit kaum etwas ändern. Recht schonungslos offenbarte dies die vereinseigene Videowand schon in der Halbzeitpause. Neben einem Weitschuss von Markus Kreuz gab es eine zu weit geratene Flanke von Christian Springer zu sehen, die Georgi Donkov zu einem Gegenspieler köpfte. Der Stadionsprecher nannte dies "die besten Chancen vom FC".

Die Schüchternheit des Kölner Offensivpersonals legte sich mit Wiederanpfiff. Allein in den ersten fünf Minuten kam es zu drei Chancen, die Funkel später als "hundertprozentige" bezeichnete. Selbst den verkappten Freundschaftsdienst des Bremers Holger Wehlage konnten die Kölner nicht nutzen. Sein mit der Roten Karte geahndetes überflüssiges Foul gegen Alexander Voigt an der Seitenlinie bescherte den Gastgebern zwar zahlenmäßige Überlegenheit, gefährlich wurden in der Folge aber vor allem die Gäste. Ein ungekrönter Sololauf Mladen Krstajics, ein von Bode vertändelter Konter und ein Schuss Ailtons, der das Ziel nur um Zentimeter verfehlte, brachten Trainer Thomas Schaaf zu der Einschätzung, sein Team habe "trotz der Unterzahl einiges verschenkt".

Dramatischere Konsequenzen hält die neuerliche Enttäuschung indes für die Kölner bereit. Zwar bemühte sich Voigt, der kurz vor Schluss mit einem Freistoß an Frank Rost scheiterte, hartnäckig, Optimismus zu formulieren, doch sollte Köln "das absolute Endspiel in Nürnberg nicht gewinnen", das wusste auch er, "dann wird es eng". Das gilt dann auch für die Macher des Stadionhefts.

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