Sport : Herz und Verstand

Mainz 05 gegen Hertha BSC war auch ein Duell zweier unterschiedlicher Trainertypen

Stefan Tillmann

Berlin - Ein Freund der Mainzer Fußballanhänger wird Falko Götz wohl nicht. Zu sehr unterscheiden sich der Trainer von Bundesligist Hertha BSC und ihr Liebling Jürgen Klopp. Zu arrogant fanden Götz einige Mainzer, als die Berliner in den beiden vergangenen Jahren im Stadion am Bruchweg spielten. Doch dieses Mal näherte sich Götz an: Er lobte die gute Atmosphäre im Stadion. Und nach der Pressekonferenz stand der Hertha-Trainer noch mit seinem Kollegen von der Gegenseite, Jürgen Klopp, zusammen und plauderte gelassen. Mit dem 1:1 und dem dritten Tabellenplatz kann Götz zufrieden sein. Und dass Jürgen Klopp der Star der Zunft ist, hat er längst verstanden.

„Wir haben zu viele Fehler gemacht und mussten zu viel laufen“, sagte Götz nach dem Spiel. „Wir wollten das intensive Spiel und viel laufen“, antwortete Kollege Klopp flapsig. Da konnte Götz nichts mehr entgegnen. Der Berliner Trainer muss sich an das laufintensive Spiel noch gewöhnen. Jürgen Klopp lässt schon lange offensiv spielen. Nach dem Aufstieg im dritten Anlauf kann sich Klopp auch im dritten Bundesligajahr an der Seitenlinie noch immer schlecht beruhigen. Klopp, der als Spieler über 325 Zweitligaspiele nicht hinauskam, saugt die Eindrücke auf und stiftet junge Spieler zum mutigen Fußball an.

Falko Götz hingegen hat schon als Spieler genug erlebt. Er war Meister in der DDR und der Türkei, hat den türkischen Pokal gewonnen und den Uefa-Cup. Entsprechend routiniert und abgeklärt wirkt er – zumindest im Vergleich zu Jürgen Klopp. Das offensive Rezept setzte er nicht aus Herzblut um, sondern nach sanftem Druck aus dem Verein. Es wirkt: Die Mannschaft ist in dieser Saison nach fünf Bundesligaspielen, fünf Europapokalauftritten und einem DFB-Pokalspiel ungeschlagen. International konnte die Mannschaft zwar nicht glänzen, nach dem 2:2 gegen Odense BK steht sie vor dem Rückspiel in Dänemark sogar vor dem Ausscheiden. Dafür überzeugten die Berliner in der Bundesliga, in der sie nach über fünf Jahren immerhin mal eine Woche an der Tabellenspitze standen. „Wir haben das Selbstvertrauen nicht durch die Tabellenführung bekommen, sondern durch die guten Spiele“, sagte Arne Friedrich.

Darüber hinaus haben sich junge Spieler weiter bewährt. Wie Jürgen Klopp betont Falko Götz häufiger mal, wie gerne er mit jungen Spielern zusammenarbeitet. Götz war Jugendkoordinator, als Hertha BSC 2001 die Jugendakademie gründete. Nun sieht er genug Substanz dafür, dass in den nächsten fünf Jahren immer ein bis zwei Spieler ins Profiteam rücken. In dieser Saison ist Patrick Ebert – trotz seines verunsicherten Auftritts in Mainz – die Entdeckung. „Ich weiß, dass das nicht mein bestes Spiel war. Aber man kann auch nicht immer super spielen“, sagte der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler, der durch die Verletzung Gilbertos in die Mannschaft gerückt war.

Das Talent von Boateng ist schon länger bekannt. Nach seinem Meniskusanriss spielte er sich ins Team und soll nun den verletzten Spielmacher Yildiray Bastürk ersetzen. In Mainz zog sich der 19-Jährige nach einem Zweikampf mit Markus Feulner allerdings eine Hüftprellung zu. Gestern konnte er kaum laufen, am Donnerstag in Odense will er wieder dabei sein. Als die Mainzer nach dem Zweikampf den Ball nicht ins Aus spielten, herrschten sich Klopp und Götz kurzzeitig an. „Was willst du denn?“, brüllte Klopp, der das Foul nicht gesehen haben wollte. Götz winkte nur ab. Gegen Klopp und 20 300 wollte er nicht anschreien. Da konnte er nur verlieren. So begnügte er sich mit dem Unentschieden und der sanften Plauderei danach.

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