Sport : Heuschrecken zum Liebhaben Liverpools Besitzer sind heillos zerstritten

Raphael Honigstein

London - Es war der erste Besuch von Tom Hicks und George Gillett jr., und die Amerikaner kamen gerade richtig. Der FC Liverpool spielte im Achtelfinale der Champions League gegen Barcelona, Anfield wackelte vor Lärm, Ronaldinho, Eto’o, Messi und die anderen Sterne wurden vom Himmel herunter gerissen. Liverpool gewann das Rückspiel mit 1:0, unaufhaltsam führte der Weg zum Finale nach Athen und – so schien es damals – in eine noch glorreichere Zukunft.

Mit Hicks, 61, und Gillett, 69, den sportverrückten Milliardären, sollte der Klub endlich ein neues Stadion bekommen – und ein Transferbudget, um an der Spitze der Liga mithalten zu können. „Statler and Waldorf“ nannten die Fans das neue Eigentümer-Pärchen damals liebevoll – so heißen die beiden Alten aus der Muppet-Show. Hicks und Gillett waren Finanzinvestoren der knuffigen Art. Heuschrecken zum Liebhaben. Ein gutes Jahr später redet in Liverpool niemand mehr von Visionen, und die Vereinsbesitzer kaum mehr miteinander. Am Mittwochabend, wenn Liverpool im Viertelfinale der Champions League beim FC Arsenal antritt, werden die Eigentümer nicht einmal gemeinsam auf der Ehrentribüne sitzen.

Heillos zerstritten sind die beiden, seit Hicks im Winter preisgab, dass man Jürgen Klinsmann das Amt von Trainer Rafael Benitez angeboten hatte, der bei den Fans seit dem Europapokalgewinn 2005 gottgleichen Status genießt. Der Spanier klagte seit langem über mangelnde Unterstützung: Die Amerikaner hatten sich bei weitem nicht so spendabel wie erhofft gezeigt und auch das neue Stadion wegen der zu hohen Kosten in Frage gestellt. Die Fans hielten „Yankees raus!“-Plakate hoch, in der traditionsbewussten Stadt sehnte man sich sogar nach der Übernahme durch reiche Scheichs. Dubai Investment Capital (DIC), der Staatsfonds des Golf-Emirats, bot den Amerikanern umgerechnet 520 Millionen Euro für den Verein. Am liebsten aber würden die beiden Besitzer jeweils die Anteile des anderen übernehmen. So blockiert man sich gegenseitig.

Mit dem Anpfiff wird die Welt das Duell von Steven Gerrard gegen Arsenals Cesc Fàbregas und die zwei Klassestürmer Emmanuel Adebayor (Arsenal) und Fernando Torres (Liverpool) bewundern. Die großen Schlachten werden nun von Ausländern entscheiden, nicht nur auf dem Rasen. Selbst Arsenal, die letzte Bastion des englischen Establishments im Spitzenfußball, muss sich derzeit gegen die feindliche Übernahme durch den russischen Oligarchen Alischer Usmanow wehren. Raphael Honigstein

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