Sport : Heute ein König

Mesut Özil wechselt für 15 Millionen Euro von Bremen zu Real Madrid – auch wenn Werder riskiert, ohne ihn die Champions League zu verspielen

Er war weg, bevor er richtig da war. Am Dienstagnachmittag fuhr Mesut Özil um kurz nach zwei auf dem Trainingsgeländer von Werder Bremen vor. Özil betrat die Geschäftsstelle, kam keine zehn Minuten später wieder heraus und brauste davon. Am Training um 15.30 Uhr nahm er schon nicht mehr teil. Denn fünf Minuten zuvor hatte Bremen den Wechsel seines Hochbegabten bekannt gegeben – einen Tag vor dem Play-off-Hinspiel zur Champions League gegen Sampdoria Genua (20.45 Uhr/live bei Sat 1). „Wir respektieren damit Mesuts Wunsch, schon jetzt den nächsten Schritt in seiner Karriere zu gehen“, sagte Werder Bremens Klubchef Klaus Allofs, „unser Verein darf nie die wirtschaftliche Seite außer Acht lassen.“

Der 53-Jährige machte sehr deutlich, dass Werder seit langem vergeblich versucht habe, den 2011 auslaufenden Kontrakt des gebürtigen Gelsenkircheners zu verlängern, der im Winter 2008 für fünf Millionen Euro vom FC Schalke 04 gekommen war. Allofs: „Wir standen kurz vor der WM ziemlich dicht vor einer Lösung, die ist aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht zustande gekommen.“ Real dürfte eine Transferentschädigung von rund 15 Millionen Euro zahlen, nachdem sich das erste Gebot der Madrilenen auf neun Millionen belaufen haben soll, was Allofs als „indiskutabel“ zurückgewiesen hatte. Genau wie Cheftrainer Thomas Schaaf macht der Vorstandsvorsitzende keinen Hehl daraus, dass er es besser gefunden hätte, wenn der bisweilen unstete, weder körperlich noch mental wirklich stabile Techniker sich noch ein, zwei Jahre im beschaulichen Bremen entwickelt hätte.

Allofs erklärte, „man müsse keinen Ersatz aus dem Hut zaubern“, doch ist seit Wochen der Brasilianer Wesley vom FC Santos im Gespräch. Vorerst wird Aaron Hunt, ein guter Freund Özils, vermehrt in die Verantwortung genommen, wie auch Marko Marin. Wenn sich die beiden am Mittwoch auf der Baustelle Weserstadion in einer provisorischen Umkleide der Leichtathletikhalle das Werder-Trikot für die Genua-Partie überstreifen, wird Özil in Madrid den Medizincheck absolvieren. Der türkischstämmige Taktgeber der deutschen Nationalmannschaft, unter Joachim Löw 17-mal eingesetzt, folgt damit Sami Khedira. Madrids Trainer José Mourinho hatte sich – nicht zuletzt nach der Verletzung von Kaka – für den Linksfuß stark gemacht. Unklar ist allerdings, wie sich Özil behaupten soll, wenn sich der Brasilianer im Winter wieder fit meldet. Auch der frühere Hamburger Rafael van der Vaart wird zum erbitterten Konkurrenten des Deutsch-Türken, der einen mit rund fünf Millionen Euro jährlich dotierten Vertrag mit Laufzeit bis 2016 unterschreiben soll. In den vergangenen Tagen hatte Özil, der den Ratschlägen seines Vaters Mustafa und seines gewieften Agenten Reza Fazeli beinahe hörig sein soll, in vorgestanzten Statements den Wechsel vorbereitet.

Die Einigung zwischen Bremen und Madrid kam gerade rechtzeitig – bei einem Einsatz für Werder hätte der Neuzugang für Real in der Königsklasse nicht spielen können. Die Özil-Millionen hat Werder also sicher, um den gleichen Betrag wird in den Qualifikationsduellen gegen Genua gespielt. „Es ist kein Geheimnis, dass es um etwa 15 Millionen geht, die man über die Europa League nur sehr, sehr schwer erreichen kann“, sagt Allofs, der erleichtert sein dürfte, dass der Millionenpoker vor den Millionenspielen beendet ist.

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