• HEUTE im EM-Quartier: Blumentopf: „Wir sind schon eher die öffentlich-rechtlichen Typen“

HEUTE im EM-Quartier : Blumentopf: „Wir sind schon eher die öffentlich-rechtlichen Typen“

Während der WM 2006 waren sie die heimlichen Helden der ARD-Berichterstattung. Nach den Spielen performte die Münchener HipHop-Band Blumentopf im Studio ihre „Raportagen“ - assoziative Raps mit stetem Bezug zum Spielgeschehen. Heute Abend sind sie zu Gast im 11-Freunde-EM-Quartier - bisschen „Djing“, „Rapping“, „chillen“, „talken“, wie das im Jargon so heißt.

Ihr habt während der WM die „Raportagen“ für die ARD produziert: In Rapform wurden die Spiele der deutschen Nationalmannschaft nacherzählt. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

In der WDR-Redaktion sitzt ein alter Kumpel von uns. Ihm schwirrte diese Idee schon länger im Kopf herum. Ein paar Wochen vor der WM rief er uns an und fragte, ob wir Lust darauf hätten. Fußball in Rap? Wir waren auf Anhieb begeistert.

Zur EM gibt es nun eine Fortsetzung.

Die „Raportagen“ bei der WM kamen so gut bei den Zuschauern an, dass eine Neuauflage zur EM einfach auf der Hand lag.

Seid Ihr schon immer Fußballfans gewesen oder musstet Ihr Euch kurzfristig noch Fußball-Vokabular aneignen?

Vor der WM waren wir natürlich extreme Handballfans! Nein, wir wussten schon vor den „Raportagen“, was Abseits bedeutet.

Eure Raps wurden zeitweise zwischen „Tagesschau“ und der „Ziehung der Lottozahlen“ ausgestrahlt. Verliert Ihr nicht an „Street-Credibility“?

Die haben wir schon lange verloren! (lacht) Das ist eigentlich wie im Fußball: Die Kredibilität geht mit dem Erfolg ziemlich schnell flöten. Zudem geht es hier ja nicht um Selbstverwirklichung. Wir dokumentieren etwas in Rapform. Wir hätten die Spiele eh geschaut und hatten Lust auf das Experiment. Wir würden das auch nicht für jeden Sport machen – es muss uns schon etwas bedeuten.

Kam für Euch nur die ARD in Frage?

Hätten wir uns den Sender aussuchen dürfen, wäre es bestimmt nicht „9live“ gewesen. Wir sind schon eher die öffentlich-rechtlichen Typen. (lacht)

Wie kann man sich den Entstehungsprozess einer solchen „Raportage“ vorstellen?

Es gibt einen Schriftführer, der mit Zettel und Stift vor dem Fernseher hockt. Kommt ein starkes Bild, das man später gebrauchen möchte, wird die Minute und ein Stichwort notiert. In der Halbzeitpause telefonieren wir mit dem Regisseur und gleichen unsere Notizen ab. In den meisten Fällen haben wir eine große Schnittmenge. Nach Schlusspfiff telefonieren wir erneut. Er hat dann schon die relevanten Bilder rausgesucht, und wir haben unseren Kram aufgeschrieben und aufgenommen und schicken vorab ein MP3 nach Köln.

Hattet Ihr denn überhaupt Zeit nach dem Spiel gegen Polen zu feiern?

Nicht wirklich. Oft klopfen die Freunde an der Tür und das Handy klingelt, und wir müssen sagen: „Hmm, ja, wir brauchen noch zwei Stunden, dann kann ich mitfeiern.“ Das war bei der WM auch schon so: Als wir aus dem Studio kamen, lagen die Besoffenen samt Fahnen bereits auf der Straße. Wir haben nur noch gesehen, was los war.

Was macht eine „Raportage“ aus?

Wir wollen Qualität abliefern und die Zuschauer unterhalten. Es kann schon mal passieren, dass wir eine halbe Stunde über einer Zeile sitzen und wir vier verschiedene Versionen schreiben. Aber es kann nicht der Anspruch sein, einem Millionenpublikum jetzt zu zeigen, was für geile Raps wir haben und wie verschachtelt wir die Reime bauen können. Es geht darum, etwas zu sehen und es in coole Zeilen zu fassen, die nicht immer witzig sein müssen, aber die unterhaltsam sind.

Habt Ihr Euch speziell auf die EM vorbereitet?

Wir haben uns vor der EM einen Beat ausgedacht, der sich in jeder „Raportage“ wiederholt.

Habt Ihr freie Hand für Eure Texte oder gibt es Vorgaben der ARD-Redaktion?

Wir haben freie Hand, aber natürlich lässt sich die ARD ein Türchen offen, wenn wir etwas zu Extremes sagen. Wir haben keine Sendegarantie – genauso wie der Sender keine Garantie hat, dass wir den Track in einer bestimmten Zeit abliefern.

Wie kommen die „Raportagen“ eigentlich bei den Spielern an?

Während der WM veröffentlichte Miro Klose bei „iTunes“ seine Top Ten und da waren unsere „Raportagen“ dabei – dazu den Kommentar, dass er sich nie erträumt hätte, dass sein Name mal in einem Songtext fällt.

Habt Ihr spontan noch einen Reim auf die Aussichten der Deutschen parat?

Hurra, hurra, niemand macht unsere Truppe nieder - Deutschland, Deutschland, wir sind Gruppensieger.

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