HEUTE im EM-Quartier : Die verschollene Taucherbrille im EM-Museum

André Görke

Das ist sie also, die Taucherbrille von Herrn Nielsen. Der war Trainer der dänischen Nationalelf und hatte im Sommer ’92 einen schönen Ommerurlaub gebucht. Seine Jungs hatten sich schließlich nicht für die Fußball-EM qualifiziert. Pech, mag man meinen, doch dann brach der Krieg in Jugoslawien aus, woraufhin die Uefa sagte: Nee, Jugoslawien darf nicht mitspielen, der Zweite tritt an – Dänemark.

Was für ein Chaos! Herr Nielsen erfuhr am Strand davon, er wollte eigentlich gerade zum Schnorcheln fahren und saß nun in der Hotellobby (Handys waren ja nicht so verbreitet) und telefonierte seine Spieler zusammen. „Treffpunkt Malmö!“, stammelte er, packte selbst seine Koffer und ließ die Taucherbrille am Strand zurück.

Der Kaltstart von der Strandliege ins Stadion glückte, die dänische Urlaubstruppe wurde in Schweden sensationell Europameister durch ein 2:0 gegen Deutschland. Lang ist’s her.

Eben jene Taucherbrille, Symbol des abrupt abgesagten Sommerurlaubs, ist jetzt wieder aufgetaucht und im Museum im neuen „EM-Quartier“ von „11 Freunde“ und Tagesspiegel neben der Arena zu sehen. Dort werden ab heute, 17 Uhr, die Spiele übertragen – in gewohnt launig-leidenschaftlicher Atmosphäre. Der „Fuhrpark“ liegt an der Bezirksgrenze zwischen Kreuzberg und Treptow an der Puschkinallee (siehe Grafik) nahe dem U-Bahnhof Schlesische Straße und dem S-Bahnhof Treptower Park.

Wie Kurator Mike Draegert, 43, an die Taucherbrille kam? „Also bitte“, sagt er nur, „ich hatte Helfer, Helfershelfer, geheime Informanten.“ Bei Ebay habe er das gute Stück ersteigert und stellt es nun in einer der zwölf Vitrinen im „EM-Quartier“ aus. Für jedes Turnier ein Glaskasten. Zu sehen ist auch eine verlorene Hutschleife der Queen (beim EM-Finale 96) oder jene Münze, die das Halbfinale 1968 zwischen Italien und der UdSSR entschied. „Die hat mir der Schiedsrichter persönlich geliehen“, sagt er.

Die EM 1992 war übrigens nicht nur wegen der Taucherbrille und der Wirren des Balkankrieges eine merkwürdige. Damals qualifizierte sich die UdSSR, trat dann aber als „GUS“ an. Und als die Qualifikation zur EM in Schweden begann, gab es noch eine weitere Mannschaft, die aber später nie ein Spiel machen sollte: Es war die DDR. Sie sollte wie die BRD in Gruppe 5 spielen. Doch bei dieser EM kam bekanntlich vieles anders. André Görke

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