Sport : Heute im Programm: Häme

Der VfL Wolfsburg ist nach dem 0:2 gegen den SC Freiburg Tabellenletzter.

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Ein Fall für zwei. Wolfsburgs Lemos (r.) foult Freiburgs Jendrisek im Strafraum, der Elfmeter leitet die Niederlage ein. Foto: dapd
Ein Fall für zwei. Wolfsburgs Lemos (r.) foult Freiburgs Jendrisek im Strafraum, der Elfmeter leitet die Niederlage ein. Foto:...Foto: dapd

Wolfsburg - Es war 15.28 Uhr, als die erste drängende Frage des Nachmittags beantwortet wurde: Kommt er oder kommt er nicht? Um 15.28 Uhr trat Diego aus dem Kabinengang, ein graues Sweatshirt über der Schulter, die Ärmel vor der Brust verknotet. Kurz vor dem Rasen bog er rechts ab und begab sich zu seinem Arbeitsplatz: der Ersatzbank. Selbstverständlich war das nicht. Als der Brasilianer zum letzten Mal die Nachricht erhielt, dass er beim VfL Wolfsburg nicht in der Startelf stehen würde, flüchtete er umgehend aus dem Mannschaftshotel. Im Mai 2011 war das, die Wolfsburger steckten mitten im Abstiegskampf, und genau da sind sie auch jetzt wieder angekommen: Durch die 0:2 (0:1)-Heimniederlage gegen den SC Freiburg ist der VfL zum ersten Mal seit sechs Jahren auf dem letzten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga gelandet.

Wenigstens auf Wolfsburgs Trainer Felix Magath ist noch Verlass. Wie immer würfelte er Personal und Taktik gehörig durcheinander. Neben Diego, der in dieser Saison noch keine Sekunde gefehlt hatte und gestern nicht mal eingewechselt wurde, flogen auch die beiden früheren Kapitäne Josué und Marcel Schäfer aus dem Team. Statt mit Raute im Mittelfeld versuchte es Magath diesmal mit einer zweiten Viererkette. Aber war es wirklich verwunderlich, dass im Spiel der Gastgeber wenig funktionierte? „Wir wollten den Gegner von Beginn an unter Druck setzen, was wir aber von Beginn an nicht geschafft haben“, sagte Magath.

Der Auftritt der Freiburger wirkte deutlich durchdachter und in sich schlüssiger, obwohl die Gäste kein übermächtiger Gegner waren. Aber sie profitierten von der Verunsicherung der Wolfsburger, ihren vielen Fehlern. So wie kurz vor der Pause, als Erik Jendrisek schon gestoppt schien, Naldo Freiburgs Stürmer dann mit einer zweiten Grätsche doch noch von den Beinen holte. Den folgenden Elfmeter verwandelte Daniel Caligiuri zum 1:0.

Pfiffe von den Rängen wurden fortan zur stetigen akustischen Begleitung des Spiels. Als die Mannschaft in die Pause ging – Pfiffe. Als Caligiuri nach der Pause an Benaglio scheiterte – Pfiffe. Als Ivica Olic einen Konter leichtfertig vergab – Pfiffe. Als Emanuel Pogatetz einen Pass ins Nichts spielte – Pfiffe. Dass die Wolfsburger durch Olic noch eine erstklassige Chance zum Ausgleich besaßen, war allein der Freiburger Unbedarftheit geschuldet. Die Gäste hätten das Spiel längst entscheiden können, doch Schmid und Caligiuri trafen nur die Latte. Doch gegen den harmlosen VfL, der in acht Spielen gerade zwei Tore erzielt hat, reichte es auch so.

Die eigenen Fans ertragen die Auftritte des selbsternannten Europacup-Anwärters nur mit Häme. In der Schlussphase sang die Nordkurve: „Europapokal“, kurz danach „Deutscher Meister, VfL“. Es folgten noch ein paar weitere Klassiker der guten Laune aus der Wolfsburger Ecke, und als Julian Schuster fünf Minuten vor dem Ende das 2:0 erzielte, stimmte der VfL-Anhang in den Jubel der Freiburger ein. „Was soll man dagegen sagen?“, fragte Magath. „Wir müssen einfach bessere Leistungen bringen, wenn wir so was nicht hören wollen.“ So einfach ist das. Und im Moment doch so schwer. Stefan Hermanns

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