Sport : Heute spielt Berlin groß auf

Die SCC-Volleyballer empfangen Moers – die haben gerade mit Tricks und Geschick Friedrichshafen besiegt

Karsten Doneck

Berlin - Väter können manchmal grausam sein. Auch wenn es um den eigenen Sohn geht. So geschehen am vergangenen Montag beim Spiel der Volleyball-Bundesliga zwischen dem Moerser SC und dem VfB Friedrichshafen. Georg Grozer senior ist Trainer in Moers, Georg Grozer junior seit dieser Saison Angreifer in Friedrichshafen. Da riet also der Moerser Trainer seinem Team eindringlich, speziell seinen Sohn auf der anderen Seite des Netzes immer wieder zur Annahme zu zwingen. Das ist des Juniors Schwachstelle. Moers befolgte den Rat gnadenlos – mit Erfolg: Friedrichshafen kassierte mit 2:3 die erste Bundesliga-Niederlage seit eineinhalb Jahren. Überraschungssieger Moers plant nun gleich den nächsten Coup: An diesem Sonntag (16 Uhr, Sömmeringhalle) will die Mannschaft auch beim SC Charlottenburg bestehen.

Bei Grozer junior, dem Neu-Friedrichshafener, herrschte nach dem Auftritt bei seinem alten Verein Katerstimmung. „Der liebe Gott hat offenbar etwas dagegen, dass ich in diesem Duell auch nur einmal als Sieger vom Feld gehe“, klagte der 23-Jährige. Sechs Jahre lang hat Grozer junior beim Moerser SC gespielt, dort zuletzt zwei Jahre lang unter seinem Vater trainiert, aber kein einziges Mal gelang es ihm in diesem Zeitraum, die Friedrichshafener zu bezwingen. Nun hat er die Seiten gewechselt, der Fluch aber bleibt.

Hauptverursacher der letzten Niederlage war in erster Linie sein Vater. Und dessen Wissen um die Annahmeschwächen des Juniors. „Das kann der auch in den drei Monaten in Friedrichshafen nicht gelernt haben“, sagte Grozer senior verschmitzt. „Er ist noch nicht so stabil.“

Georg Grozer junior wurde später von VfB-Trainer Stelian Moculescu sogar ausgewechselt. Nachhaltige Familienstreitigkeiten werden sich aus diesem Spiel heraus indes nicht entwickeln. Der Junior blieb die Nacht über noch in Moers, klärte tags darauf eine paar private Angelegenheit im Zusammenhang mit seinem Umzug und reiste dann seiner neuen Mannschaft nach Friedrichshafen hinterher. Auch sein Vater weiß Privates und Sportliches sehr wohl zu trennen. „Vorher und nachher sind die Familiengeschichten wichtig, zwischendurch zählt nur das Spiel“, sagt er. Und auch Grozer junior bleibt ein Trost: Es gibt ja noch ein Rückspiel. Und da kann er’s dem Vater dann ja auch mal zeigen. Karsten Doneck

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