Sport : "Heute zahlt alles der Präsident"

Detlef Dresslein

Am Tag danach herrscht Frohsinn im Löwen-Stüberl, aber "Weihnachten ist es nur beim Franz"Detlef Dresslein

Die Nachricht des Tages hatte sich nur sehr langsam verbreitet. "Heute zahlt alles der Präsident", wurde ausgehend vom Tresen im Löwen-Stüberl, das direkt neben dem Trainingsplatz des TSV 1860 München liegt, weitergeflüstert und schließlich wussten es doch alle. Es sollte auch der Tag danach ein besonderer sein für die braven Fans, die, wenn sie alt genug sind , schon seit dem November 1977 auf einen Sieg gegen den ungelittenen Stadtrivalen FC Bayern warteten. Ein erinnernswerter Tag war der Sonnabend vorher nach dem 1:0-Sieg für viele andere sowieso.

Zum Beispiel für Thomas Riedl. Der durfte in dieser Saison meist nur von Bank und Tribüne aus zusehen. Am Sonnabend erzielte er fünf Minuten vor dem Ende das Tor, das das Löwen-Land für lange Zeit golden schimmern lässt. Ob er sich als Held fühle, wurde er gefragt. "Nein ganz bestimmt nicht. Die Mannschaft hat gut gespielt und so ist jeder ein Held für sich", antwortete er so brav und bescheiden, wie Cheftrainer Werner Lorant das gerne hat. Ein Freund habe zu ihm gesagt, das sei wie Weihnachten. Riedl entgegnete frech, in Anspielung auf diverse TV-Werbesports: "Weihnachten ist es nur beim Franz Beckenbauer". Von den Fans gab es beim Auslaufen am nächsten Tag ein Ehrenspalier mit Dauerapplaus und die Ernennung zum "Fußballgott". Ins Riedlsche Milchgesicht schlich sich leichte Röte.

Ein besonderer Tag war es auch für Marco Kurz. Der war kurz vor dem Derby Vater geworden. Dank dieses (zumindest regional) historisch bedeutsamen Sieges, wurde für ihn damit aus dem 27. November gleich ein unvergesslicher Tag. Nach dem Schlusspfiff sank der wackere Verteidiger, der zuvor Carsten Jancker neunzig Minuten lang ausschaltete, in die Knie und heulte erstmal. "Es war ein anstrengender Tag und ein hoher Druck für mich. Ich konnte das nicht mehr regulieren, es musste einfach raus", sagte er wie zur Entschuldigung. Aber am nächsten Morgen wusste er: "Ein fantastischer Tag".

Ein besonderer Tag war es irgendwie auch für Bernhard Winkler. Der Kapitän stand ausgerechnet in diesem Spiel nicht im Kader. Kurzfristig musste er wegen Rückenschmerzen passen und wurde von Paul Agostino vertreten. So wusste er nicht, ob er sich freuen sollte oder nicht. "Es war sicher bitter für mich, alles nur von draußen zu erleben. Aber Fußball ist nun mal nicht programmierbar", sagte Winkler. Wenigstens war er mit dabei, als die Mannschaft in der Nacht "die oder andere Flasche aufgemacht hat".

Ein besonderer Tag war es schließlich auch für Peter Pacult, Werner Lorant und Karl-Heinz Wildmoser. Zum viertenmal vertrat Pacult seinen Chef als Trainer. Dreimal hatte dabei die Mannschaft teils desaströs verloren, zuletzt vergangene Woche beim 0:3 in Duisburg. Und ausgerechnet gegen den übermächtigen FC Bayern holt er seinen ersten Trainer-Sieg. Werner Lorant durfte im "Aktuellen Sportstudio" auftreten, wo Präsident Wildmoser in einem Filmbericht zudem das kostenfreie Gelage für den nächsten Morgen annoncierte. Unmittelbar nach dem Spiel hatte Spielmacher Thomas Häßler noch gesagt, man werde nun endlich mal erhobenen Hauptes durch die Stadt gehen können. Darauf wartet Wildmoser schon seit Jahren. Er wird seinen rotblonden Schnurrbart und seinen mächtigen Bauch von nun an deutlich erhöht durch München tragen. Mit Sicherheit.

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