Heutiger Gegner der Füchse : Uwe Gensheimer: Letzte Mission in Berlin

Die Abschiedstournee führt Uwe Gensheimer heute zu den Füchsen nach Berlin. Im Sommer wechselt der Kapitän der Handball-Nationalmannschaft nach 13 Jahren bei den Rhein-Neckar Löwen zu Paris St. Germain.

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Verabschiedet sich Uwe Gensheimer mit einem Titel? Die Löwen haben das leichteste Restprogramm.
Verabschiedet sich Uwe Gensheimer mit einem Titel? Die Löwen haben das leichteste Restprogramm.Foto: dpa

Handball-Fans sind für gewöhnlich recht friedliebende Zeitgenossen. Im Eifer des Gefechts gibt es vielleicht mal einen Spruch oder Pfiffe für den größten Schurken des Gegners. Nach dem Spiel gibt es Shakehands, und damit ist die Sache auch schon erledigt. Aber stehende Ovationen und Sympathiebekundungen für einen Spieler des Konkurrenten, zumal für seinen vielleicht besten? Das geht dann doch zu weit. Normalerweise.

Für Uwe Gensheimer waren die letzten Wochen alles andere als normal, egal, wo ihn die Reise auch hingeführt hat, ob nach Gummersbach, Stuttgart oder Eisenach. „Ich habe so viel positiven Zuspruch bekommen“, sagt der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen. Obwohl er eigentlich keine große Sache daraus machen wollte, hat sich Gensheimer dann doch ein paar Mal dabei ertappt, wie er die Anzahl der ihm verbleibenden Bundesligaspiele runtergezählt hat. Der 29-Jährige ist auf Abschiedstournee, am Sonntag wird ihn diese in die Max-Schmeling-Halle führen, zum Duell der Löwen bei den Füchsen Berlin (17.15 Uhr). Auf das Spitzenspiel zwischen dem Tabellenführer aus Mannheim und dem Fünften aus Berlin werden für Gensheimer nur noch vier weitere in der Bundesliga folgen. Im Sommer wechselt der Kapitän der Nationalmannschaft nach 13 Jahren bei seinem Heimatverein zu Paris St. Germain. Die Bundesliga verliert einen ihrer populärsten Spieler. Deshalb auch der überaus freundliche Empfang allerorts.

In dieser Spielzeit nun könnte der Fluch zu Ende gehen

Viel wichtiger als die Emotionen zum Abschied ist für den Mannheimer, dass er sich mit einer bleibenden und goldenen Erinnerung aus seiner Heimatstadt verabschiedet. „Es gibt nichts, was ich mir mehr wünsche als mit der deutschen Meisterschaft zu gehen“, sagt Gensheimer. Obwohl die Löwen seit Jahren zu den dominantesten Teams der Bundesliga gehören, haben sie noch keinen großen Titel gewonnen, abgesehen vom international zweitrangigen EHF-Cup 2013. Im DHB-Pokal versagten ihnen regelmäßig die Nerven, zwischen 2008 und 2016 scheiterten sie neun Mal in Folge im Halbfinale. In der Meisterschaft war es oft noch dramatischer. Unvergessen ist bis heute, wie den Mannheimern im Meisterschaftsfinale 2014 auf den letzten Zentimetern die Meisterschale entrissen wurde, als ihnen ihnen lächerliche drei Tore zum THW Kiel fehlten. In der vergangenen Saison waren es auch nur zwei Punkte zum Rekordmeister aus Schleswig-Holstein. Die Löwen sind das Bayer Leverkusen der Handball-Bundesliga. Unterhaltsam und schön – und doch immer immer nur Zweiter. Bisher.

In dieser Spielzeit nun könnte der Fluch zu Ende gehen. Im Vergleich zu den anderen Meisterschaftskandidaten aus Kiel (42:8 Punkte) und Flensburg (43:9) haben die Löwen (46:6) das leichteste Restprogramm, das Spiel gegen die Füchse könnte der letzte große Stolperstein auf dem Weg zum ersten nationalen Titel sein, zumal sich Kiel und Flensburg am 31. Spieltag noch im direkten Duell gegenüberstehen und sich gegenseitig Punkte abnehmen werden. Darauf wollen sie sich bei den Löwen lieber nicht verlassen, ebenso wenig auf die gefühlte Wahrnehmung vieler Handball-Fans außerhalb von Kiel und Flensburg. „Man kann man es vielleicht so sehen, dass wir endlich mal dran sind mit der Meisterschaft, aber im Sport gibt es erfahrungsgemäß keine Gerechtigkeit“, sagt Gensheimer. Wenn sie diese Erkenntnis nach den Erfahrungen der letzten Jahre irgendwo unter das Volk bringen dürfen, dann bei den Rhein-Neckar Löwen.

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