Sport : Hewitt bekommt nicht genug

Jetzt fehlt Lleyton Hewitt nur noch der Triumph im Daviscup. Nach dem Durchmarsch zum Titel beim Masters Cup in Sydney, nach dem Sturm auf Platz eins der Weltrangliste als jüngster Tennisprofi aller Zeiten und einem Saison-Preisgeld von zwölf Millionen Mark hat der vom Rüpel zum Publikumsliebling gewandelte Australier noch nicht genug. "Ich fühle mich unbeschreiblich gut und habe Selbstvertrauen wie nie", sagte der 20-Jährige nach dem 6:3, 6:3, 6:4-Sieg im Endspiel gegen den Franzosen Sebastien Grosjean. In der Hand hielt er ein Glas Champagner, im anderen Arm seine Freundin Kim Clijsters. Aber ausgelassen feiern? "Nein, das werde ich vor dem Daviscup-Finale gegen Frankreich sicherlich nicht."

Wie zuletzt Michael Stich 1993 stürmte Hewitt ohne Niederlage in fünf Spielen zum Sieg bei der Weltmeisterschaft. 1,52 Millionen Dollar brachte ihm das ein und schon vor dem Halbfinale gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero Platz eins im Champions Race, der Weltrangliste. Mit 20 Jahren, 8 Monaten und 23 Tagen wurde er zur jüngsten Nummer eins nach Jimmy Connors. "Es ist ein Traum, nach den US Open auch hier zu gewinnen."

Dabei schien Hewitts Siegeszug schon vor dem Halbfinale gegen Juan Carlos Ferrero beendet zu sein. Die Leiste schmerzte so sehr, dass bis kurz vor Spielbeginn sein Einsatz fraglich war. "Ich habe nicht gedacht, dass ich heute durchkomme", gestand er nach dem 6:4, 6:3 in 90 Minuten gegen den chancenlosen Spanier. Nicht weniger glatt hatte Grosjean Jewgeni Kafelnikow in 72 Minuten mit 6:4, 6:2 gewonnen.

Er habe davon profitiert, dass er im Sommer ein paar Wochen habe aussetzen müssen, sagte Grosjean: "Deshalb bin ich hier nicht so müde wie andere." So wie Kafelnikow etwa. Nach dem WM-Aus entspannte sich der Olympiasieger beim Golf und flog dann in den Ski-Urlaub. Auch Ferrero nahm sein Ausscheiden gelassen hin. "Ich bin zwar enttäuscht, aber es war für mich schon ein großer Erfolg, hier im Semifinale gestanden zu haben."

Angesichts der Fülle an Superlativen beschränkte sich Hewitt auf ein "riesengroßes Dankeschön". Schon vor der Siegerehrung hatten die 10 000 Zuschauer im Super-Dome ihren Landsmann endgültig ins Herz geschlossen. Dazu trug Hewitt auch abseits des Sports seinen Teil bei. Nach einigen als rassistisch gedeuteten Äußerungen von Flushing Meadows beschränkte sich der Mann aus Adelaide verbal auf das Nötigste. Von ausfälligen Bemerkungen auf dem Platz konnte in Sydney nicht die Rede sein. Allerdings gab es auch gar keinen Grund für irgendwelche Eskapaden. Zu klar dominierte Lleyton Hewitt das Turnier.

Nach fünf Turniersiegen in dieser Saison und dem Triumph bei dem mit 3,7 Millionen Dollar dotierten Saisonfinale der besten acht Tennisprofis des Jahres gilt es für Lleyton Hewitt nun, die Spannung zu halten. In zwei Wochen kommt es im Daviscup-Finale (30. November bis 2. Dezember) zur WM-Revanche gegen Grosjean. Der Franzose hatte ihm in der Vorrunde den einzigen Satz beim Masters Cup abgenommen. Ein Fingerzeig sei der Verlauf des Masters Cups freilich nicht gewesen. "Das ist eine ganz andere Situation. Nicht zuletzt, weil wir in Melbourne auf Gras spielen", sagten Hewitt und Grosjean unisono.

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